
Im Rahmen einer Feierstunde wurden am 12. Dezember 2005 durch Professor Ungethüm die Umweltpreise 2005 verliehen. In seiner Begrüßung betonte er die Schlüsselfunktion von nachhaltigem Wirtschaften für langfristigen Erfolg. Aus diesem Grund sei der Umweltschutz Teil des Unternehmensleitbildes von Aesculap und der gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber der Region, der Stadt und unseren Nachkommen. Anlässlich des 125-jährigen Firmenjubiläums sei 1992 der jährlich gestiftete Umweltpreis ins Leben gerufen worden. Aesculap habe außerdem zu den Unternehmen gehört, die noch im Gründungsjahr 1995 als erste in das EMAS-Register (Europäisches Umweltmanagementsystem – EG-Öko-Audit-Verordnung) eingetragen wurden und gehöre damit zu den EMAS-Pionieren. Aesculap habe in den letzten 10 Jahren sehr beachtliche Beträge in umweltrelevante Maßnahmen investiert. In vielfacher Hinsicht gehe EMAS über die Anforderungen der Umweltzertifizierung nach der internationalen Norm ISO 14001 hinaus. Trotzdem halte Aesculap entgegen dem Trend an diesem höheren Standard fest.
Ziel des Umweltpreises sei es, insbesondere Bemühungen und Aktivitäten, die dem Umwelt- und Naturschutz dienten, anzuerkennen, entsprechende Maßnahmen finanziell zu fördern, diese Aktivitäten bekannt zu machen und zur Nachahmung anzuregen, Impulse für neue Initiativen zu geben und somit ein Forum in der Region für die verschiedenen Aktivitäten und Maßnahmen zu schaffen. Einschließlich der heutigen Verleihung seien in den vergangenen Jahren rund 100.000 Euro an Preisgeldern ausgeschüttet worden. Diese 14. Ausschreibung zum Aesculap-Umweltpreis sei mit einem Preis von 10.000 Euro dotiert. Insgesamt habe die unabhängige, interdisziplinär besetzte Jury in ihrer Sitzung am 18. November 2005 19 eingereichte Beiträge beurteilt und bewertet. Diese Beiträge seien von Einzelpersonen, Vereinen, Schulklassen und Interessengruppen eingegangen.
Hans-Peter Seute, Amtsleiter des Planungsamtes, hatte als Vorsitzender der Jury die Aufgabe, die Juryentscheidung bekannt zu geben. Unter anderen seien die Themen regenerative Energiegewinnung, Umwelterziehung und -bildung, Artenschutz, ökologische Betriebsführung, Naturschutz und Landschaftspflege sowie Renaturierung in den Beiträgen behandelt worden, von denen die Jury vier mit Umweltpreisen und einen mit einem Anerkennungspreis prämieren wolle.
Den 1. Preis in Höhe von 4.000 Euro erhielt der Schäfereibetrieb Johanna und Thomas von Mackensen für seinen Beitrag „Wacholderheidenverbund Dottingen-Gomadingen-Großes Lautertal“. Der traditionelle Wanderschäfereibetrieb gewährleistet mit der Beweidung den Erhalt der Wacholderheiden und Kalkmagerrasen als Zeugnisse historischer Landnutzungsformen. Mit 700 Merino Landschafen pflegt der Betrieb im Raum Gomadignen ein Weideverbundsystem mit 45 Kilometer Triebweg und ersetzt damit eine aufwendige maschinelle Pflege. Weiterhin ist die Wanderschäferei als Biotopverbundelement von großer Bedeutung für den Artenaustausch. Der authentische Wanderschäfereibetrieb mit hohem Engagement für die Kulturlandschaft nimmt dabei im Interesse des Naturschutzes bewusst Mehraufwand in Kauf.
Die Arbeit des Ausschusses „Bewahrung der Schöpfung“ der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul Spaichingen wurde mit dem 2. Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 3.000 Euro, ausgezeichnet. Seit 2001 setzt sich der Ausschuss mit großem Engagement für die Sonnenenergienutzung ein. Durch Integration des Naturschutzgedankens in Gottesdienste und die Organisation von Vorträgen, Gesprächsabenden und Ausstellungen wird die gesamte Kirchengemeinde eingebunden. Zusätzlich hat der Ausschuss ein Umweltmanagementsystem mit Verabschiedung von Umweltleitlinien für die gesamte katholische Kirchengemeinde aufgebaut.
Der mit einem Preisgeld von 1.000 Euro verbundene 3. Preis wurde an die Biologie-Arbeitsgemeinschaft des Immanuel-Kant-Gymnasiums, Tuttlingen mit dem Beitrag „Dokumentation zur naturnahen Umgestaltung des Bärengraben“ vergeben. Anerkannt wurde der Beitrag der freiwilligen Arbeitsgemeinschaft über mehrere Klassenstufen, aufgrund der guten theoretischen Aufarbeitung eines ökologischen Basisthemas – Gewässerentwicklung – aus politischer, rechtlicher, planerischer, ökologischer, technischer und finanzieller Sicht. Die von den „Ökomentoren" Benedikt Hitzler und Sebastian Huber geleitete Arbeitsgemeinschaft hat dabei eigene biologische Gewässergütebestimmung vor und nach Abschluss der Renaturierungsmaßnahme durchgeführt. Weiterhin wurden Nisthilfen für Wildbienen und Brutkästen angefertigt.
Ein weiterer 3. Preis in Höhe von 1.000 Euro wurde dem Kindergarten Sigmaringendorf mit dem Beitrag „Das Konzept der Wald- und Forscher-AG“ zugesprochen.
Der Beitrag ist im Themengebiet Umwelterziehung und -bildung angesiedelt. Die Konzeption der Wald-AG fördert nachhaltig den bewussten Umgang mit der Natur, indem sie Wissen über und Respekt für die Natur dauerhaft vermittelt. Die Wissensvermittlung wird durch die Kombination mit dem Projekt Forscher-AG optimiert. Dank der großen Einsatzbereitschaft der Kindergärtnerinnen werden Werte wie Verantwortung für Pflanzen, Tiere und natürliche Ressourcen als Lebensgrundlage vermittelt. Die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Kindes wird durch die gemachten Erfahrungen geprägt. Dem Trend in unserer Gesellschaft der zunehmenden Abkehr von Natur und Umwelt wird durch derartige Projekte entgegengewirkt. Ein wichtiger Nebeneffekt des ausführlich und sehr gut beschriebenen Projektes ist die Förderung der Gesundheit und sozialen Kompetenz der Kinder sowie die Vermittlung lebenspraktischer Fähigkeiten.
Die „Initiative zur Erhaltung Alter Friedhof und Altes Krematorium“, Heimat-Forum Tuttlingen erhielt einen Anerkennungspreis in Höhe von 500 Euro.
Mit hohem Engagement und guter Öffentlichkeitsarbeit gelang es der Initiative das „Alte Krematorium" und den „Alten Friedhof" vor der geplanten Neubebauung zu schützen und somit den artenreichen und alten Baumbestand langfristig zu erhalten. Das Areal „Alter Friedhof" trägt zur Erhaltung des Artenreichtums an Vögeln und Bodentieren sowie zur Verbesserung des Mikroklimas im Stadtgebiet bei. Der Schwerpunkt der Initiative liegt im Bereich Denkmalschutz.
Nachdem die Preisträger ihre Projekte vorgestellt hatten, gab es für die Pressevertreter die Gelegenheit, Details zu hinterfragen. Einen schönen Abschluss fand die Preisverleihung mit einem kleinen Stehempfang.