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Fachinformationen zum Thema Akutes Nierenversagen

Wie funktioniert die Niere?
Wie kommt es zu akutem Nierenversagen?
Was ist akutes Nierenversagen?
Welche Folgen kann akutes Nierenversagen haben?

Wie funktioniert die Niere?
Die Niere spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Wasser- und Elektrolythaushaltes sowie des Säuren-Basen-Haushaltes des Körpers. Sie scheidet Stoffwechselendprodukte und Giftstoffe aus.
Die beiden Nieren liegen imretroperitonealen Raum. Sie werden durch jeweils eine große Arterie (Arteria renalis) und eine große Vene (Vena renalis) mit Blut versorgt. Mikroskopisch besteht die Niere aus dem Nierenkörperchen (Nephron), das sich aus dem Glomerulus und dem tubulären System zusammensetzt. Jeder Glomerulus besteht aus dem Kappilarknäuel der sich aufzweigenden Arterie und einer Kapsel, der Bowman-Kapsel, die ihn umgibt. Zwischen der Bowman-Kapsel und dem Glomerulus befindet sich ein Spalt, in den aus der Kapillare der Primärharn mit Hilfe des Blutdrucks abgepresst wird (glomeruläre Filtration).

Der Primärharn ist in seiner Zusammensetzung dem Plasmawasser ähnlich. Er enthält alle Substanzen, die den glomerulären Filter passieren können (< ca. 60 kDaA). Entlang des Tubulussystems werden dem Primärharn Substanzen entzogen (resorbiert) oder zugesetzt (sezerniert), es erfolgt so die Auswahl der Substanzen, die der Körper zurückgewinnt oder ausscheidet und es erfolgt die Rückgewinnung von Körperwasser, so dass nur die dem Körper zuträglichen Mengen ausgeschieden werden.

Am Ende des tubulären Systems gelangt dann der Endharn ins Nierenbecken (Pelvis renalis), von woaus er durch die Harnleiter und die Harnblase ausgeschieden wird. Die Niere hat somit nicht nur eine Ausscheidungsfunktion der Urämietoxine (Exkretorische Funktion), sondern auch eine wichtige regulatorische Funktion für den Elektrolyt- (Kalium, Natrium, Calcium u.a.), den Säure-Basen- (Bikarbonat, H+-Ionen) und den Wasserhaushalt.
Durch diese Funktionen regelt die Niere in Zusammenarbeit mit anderen Stoffwechselfunktionen auch den Blutdruck. Darüber hinaus ist die Niere auch für die Produktion bzw. Aktivierung wichtiger Hormone, wie etwa Erythropoetin für die Blutbildung oder Vitamin D für den Knochenstoffwechsel verantwortlich (endokrine Funktion).

Wie kommt es zu akutem Nierenversagen?
Das akute Nierenversagen kann durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden, die sich nach dem Ort des Auftretens unterscheiden. So kann die Ursache prärenal sein, wie etwa ein Kreislaufschock, intrarenal, z. B. Entzündungen, Diabetes oder Bluthochdruck oder postrenal, z. B. eine Verlegung der harnableitenden Wege durch Nierensteine. Beim akuten Nierenversagen liegt eine schnell einsetzende Abnahme der Nierenfunktion vor. Prärenale Ursachen des akuten Nierenversagens sind am häufigsten. Das akute Nierenversagen tritt meist bei Intensivpatienten auf, die zusätzlich an einer Leber-, Herz-, Atem- oder einer anderen Organinsuffizienz leiden (Mulitorganversagen).

Was ist akutes Nierenversagen?
Unter akutem Nierenversagen versteht man die plötzliche und anhaltende, jedoch prinzipiell reversible Verschlechterung der Nierenfunktion. Der typische Verlauf des akuten Nierenversagens erfolgt in 4 Phasen:

1. Schädigung (dauert Minuten bis Tage) mit starker Abnahme der Urinausscheidung und Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut (Kreatinin, Harnstoff).
2. Oligo-/Anurie (bis zu 10 Wochen). Hier scheidet der Patient sehr wenig (Oligurie <500 ml/d) oder keinen Urin mehr aus (Anurie <100 ml/d).
3. Polyurie (1-2 Wochen) mit starkem Wiederanstieg der Urinproduktion (Polyurie >2000 ml/d).
4. Wiederherstellung (nach mehreren Monaten).

Welche Folgen kann akutes Nierenversagen haben?
Auch wenn die Prognose für die Wiederherstellung der Nierenfunktion gut ist, liegt die Mortalitätsrate dieser meist schwerkranken Intensivpatienten bei 50 bis 70%. Sie sterben häufig aufgrund anderer Komplikationen z.B. des Multiorganversagens oder durch Infektionen (Pneumonien, Sepsis). Ferner kann ein akutes Nierenversagen in eine chronische, dialysepflichtige Niereninsuffizienz übergehen (etwa 5% der Fälle).