Mit dem Vortrag „Die Mesh-Graft Transplantation im klinischen Alltag“ hat B. Braun den 13. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) unterstützt.
Melsungen/Freiburg. „Bei großen Hautdefekten ist die Entnahme von Spalthaut und Verwendung der Mesh Graft Technik (Maschentransplantation) eine Möglichkeit die Wundheilung wesentlich zu beschleunigen“, erläuterte der Mediziner Joachim Rogg aus Immenstadt am 19. Juni auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung in Freiburg. Diese chirurgische Technik wird zur Zeit mehr als 40.000 mal pro Jahr in deutschen Krankenhäusern genutzt, um auch große Wunden schnell zu schließen. Bei kleineren Wundflächen und unkomplizierter Wundheilung ist die Wunde in der Regel nach fünf bis sieben Tagen verheilt. „Neben einer kausalen Therapie der Grunderkrankung kommt dieses Verfahren in hoher Frequenz zum Einsatz“ so Rogg.
Entscheidend sei aber nicht nur die Versorgung der Wunde, sondern auch die Versorgung der Entnahmestelle, denn dies sei besonders schmerzhaft. Hier kommen moderne Wundverbände, wie Silikonverbände zum Einsatz, die nicht mit der Wunde verkleben, sich den Wundverhältnissen optimal anpassen können und den Durchtritt des Wundexsudates in den Sekundärverband erlauben. Materialien, die mehrere Tage auf der Wunde verbleiben können, weil das Wundexsudat in den Sekundärverband ablaufen kann, und gleichzeitig gut abdecken, sind hier von Vorteil.
Um „meshen“ zu können, muss die Wunde sich in der Granulationsphase befinden. Durch eine spezielle Schnitttechnik wird ein Netz aus der entnommen Haut gebildet. So kann die deckbare Fläche vergrößert und die Spenderfläche „geschont“ werden. Größenverhältnis zwischen Entnahme- und Transplantationsstelle ist in der Regel 1: 1,5 oder 1:2, bei ausgedehnten Defekten kann das Verhältnis bis zu 1:9 betragen. „Außerdem kann das Wundsekret gut ablaufen, einer Serombildung wird vorgebeugt und gleichzeitig wird die Flexibilität des Hautstückes erhöht,“ so Rogg.
Ein Ziel der Mesh Graft-Technik ist also, Spenderhaut zu sparen und eine rasche und sichere Wundheilung mit gutem kosmetischen Effekt zu erreichen. Das Transplantat wird in der Regel vom Oberschenkel entnommen, Durchschnittlich stehen so 20 Prozent der Hautoberfläche als Entnahmestelle zur Verfügung. Rogg empfiehlt Mesh Graft in Kombination mit der Vakuum-Therapie einzusetzen, da das aus seiner Erfahrung heraus eine hohe „Einheilungsrate“ ermögliche.
Hintergrund Mesh Graft
Bei der Spalthaut-Technik (engl. split-thicknessgraft) werden mit feinen Schneidwerkzeugen (Dermatomen) in dünnen Schichten Teile der Oberhaut (Epidermis) und der Lederhaut (corium) abgenommen, die Haut wird gewissermaßen gespalten. Durch Schneiden von Öffnungen in das Transplantat erhält man eine Netzstruktur, durch die das Hautstück weit auseinander gezogen werden kann und Maschen bildet (mesh-graft). So kann das Transplantat auch ein größeres Areal bedecken als die Fläche der Entnahmestelle umfasst. Die Regeneration einer Wunde erfolgt immer von Rand aus. Die Mesh Graft Technik nutzt dieses Regenerationsverhalten, denn innerhalb der Netzstruktur wird eine Vielzahl von „kleinen Wundrändern“ innerhalb des großen Wundareals geschaffen, von wo eine Epithelisierung ausgeht, sich die kleinen Felder schnell schließen, und somit die auch Gesamtfläche schneller verheilt. Es empfiehlt sich mit dem Verband leichten Druck auszuüben, weil das Anwachsen des Transplantates durch Druck gefördert wird.
Diese Spalthauttransplantate, die etwa als einen halben Millimeter dick sind, heilen in der Regel auch bei schwierigen Voraussetzungen gut ein. Allerdings unterscheiden sie sich meist in der Pigmentierung von der umgebenden Haut, was sie auch nach Abheilung auffällig dunkler erscheinen lässt.
Die Entnahmestellen weisen oft lange Zeit nach der Abheilung eine geringere Pigmentierung auf.