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03.04.2012

Bremer Pilotprojekt gegen MRSA-Infektionen

Bundesweit als erster Kostenträger erstattet die AOK Bremen die benötigten Produkte, um MRSA-Patienten zu Hause zu sanieren.

Melsungen/Bremen. Die AOK Bremen/Bremerhaven, das Rote Kreuz Krankenhaus Bremen (RKK) und die B. Braun Melsungen AG haben ein Projekt zur ambulanten MRSA-Sanierung von Patienten vor operativen Eingriffen ins Leben gerufen. Versicherte der Bremer AOK mit MRSA, die sich im RKK Bremen operieren lassen, werden zukünftig vor größeren Operationen ambulant von Keimen befreit. Die Kosten für das Set trägt die AOK Bremen, was bisher in Deutschland einmalig ist. Normalerweise müssen Patienten die Kosten von ca. 50 bis 60 Euro für eine ambulante MRSA-Sanierung selbst zahlen. „Wir wollen schnelle wirtschaftliche Krankenhausbehandlung“, sagt Norbert Kaufhold, Vorstandsvorsitzender der AOK Bremen in einer Pressekonferenz.

Das Pilotprojekt der AOK Bremen/Bremerhaven sieht vor, dass sich Risikopatienten vor invasiven Eingriffen – z. B. einer Hüftgelenkoperation – einem Screening unterziehen können. Hier wird durch einen Abstrich am Rachen, den Leisten und der Nasenschleimhaut festgestellt, ob eine Besiedlung mit MRSA-Keimen vorliegt. Ist dies der Fall, erhält der Patient noch in der Klinik eine ausführliche Aufklärung und ein MRE-Hygieneset aus für die MRSA-Sanierung empfohlenen Waschlotionen von B. Braun, Einmalkämmen und Einmalzahnbürsten für zu Hause. Die Produktzusammenstellung des Hygienesets beruht auf Empfehlungen des Gesundheitsamtes Bremen.

Mit diesem Vorgehen erwartet das RKK mehr Sicherheit im Umgang mit MRSA-Patienten, sagt Chefarzt und ärztlicher Leiter des Bremer Krankenhauses Professor Stefan Herget-Rosenthal. Nach Aussagen der Klinik werden derzeit einer von drei Patienten vor einer Operation auf den MRSA-Keim geprüft. Ziel sei es, mindestens zwei von drei Patienten zu screenen. Dazu gehörten Menschen, die in Pflegeheimen wohnen und vor kurzem im Krankenhaus gewesen sind oder offene Wunden haben. Eine weitere Risikogruppe, erklärt Herget-Rosenthal, sind die Patienten, die ein künstliches Gelenk erhielten. „Setzt sich der Keim in der Tiefe fest, sind schwerwiegende Krankheitsverläufe vorprogrammiert, die Monate dauern können.“, so der Chefarzt. Da die Eingriffe geplant werden können, kann der Patient vor der Operation auf MRSA getestet werden. Sollte er mit Keimen besiedelt sein, erhält er das Hygiene-Set für zu Hause und kommt nach Anwendung ohne MRSA zur Operation. So könne das Risiko einer MRSA-Infektion bei der Operation reduziert werden.

Das Pilotprojekt soll zeigen, dass sich mit diesen Maßnahmen die Gefahr von Krankenhausinfektionen eindämmen lässt. Auch was die Erstattungsfähigkeit angeht ist die AOK Bremen optimistisch. „Wir sind sicher, dass andere Krankenkassen unserem Beispiel folgen werden“, erklärt Vorstandsvorsitzender Kaufhold.

In Deutschland sind etwa 500.000 Menschen pro Jahr von Infektion mit multiresistenten Erregern wie den sogenannten MRSA-Bakterien (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) betroffen. Schätzungen zufolge sind etwa 30 Prozent der Infektionen durch entsprechende Präventionsmaßnahmen vermeidbar. Gesunden Menschen fügt dieser Hautkeim keinen Schaden zu. Ist ein Patient jedoch immungeschwächt oder gelangt ein MRSA bei invasiven Eingriffen in die Haut oder den Körper, kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, die bis zum Tod führen können. Etwa 10.000 bis 15.000 Patienten sterben jährlich an Katheterinfektionen, Lungenentzündungen oder Septitiden, die durch einen MRSA verursacht werden. MRSA-Bakterien sind gegen die meisten Antibiotika resistent.

Weitere Informationen unter:
http://www.aok.de/bremen/nachrichten/index_193641.php
http://www.radiobremen.de/nachrichten/gesellschaft/gesellschaftgesundheitmedizinkeimeaok100.html
http://www.radiobremen.de/fernsehen/buten_un_binnen/themen/hygienekit100.html

Das MRE-Hygiene-Set enthält: 
 1 Prontoderm Lösung 500 ml zur Reinigung der Haut
 1 Prontoderm Foam für die Haarwäsche
 1 ProntOral als Mundspüllösung
 1 Prontoderm Nasal Gel für die Nasenöffnungen
 1 Meliseptol HBV Tücher zur Flächendesinfektion
 1 Softa-Man Visco Rub 100 ml zur Händedesinfektion
 Patientenratgeber
       5 Einmal-Kämme
      10 Einmal-Zahnbürsten