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Medizin 4.0 nimmt Fahrt auf

Die Digitalisierung verändert die Medizin radikal: Schon heute unterstützen Roboter Chirurgen im OP oder Patienten werden telemedizinisch betreut. Doch das ist erst der Anfang.

Um die Chancen der Digitalisierung voll auszuschöpfen, gilt es, Gesundheit neu zu denken. Nur so können Patienten immer besser versorgt werden.

Seit über einem Jahr ist das sogenannte E-Health-Gesetz nun in Kraft. Die Bundesregierung ebnet damit den längst überfälligen Weg einer bundesweiten Telematikinfrastruktur. Bis Mitte 2018 sollen alle Arztpraxen und Krankenhäuser angeschlossen sein. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen für die medizinische Versorgung der Zukunft“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und fordert von den Akteuren im Gesundheitswesen, die gesetzlichen Vorgaben zügig umzusetzen. Dabei betont der Minister jedoch, dass sein E-Health-Gesetz nur der Anfang einer digitalen Transformation des Gesundheitswesens ist.

„Wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung für eine bessere medizinische Versorgung in unserem Land noch beherzter nutzen!“

– Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister

Mit Big Data und Co. zu einer besseren Medizin

Denn die Schwerpunkte des Gesetzes sind nur erste, kleine Schritte in die richtige Richtung: Verankert sind hier unter anderem die Einführung des E-Arztbriefs, elektronische Patientenakte und Patientenfach, Videosprechstunden oder telemedizinische Konsile sowie ein Medikationsplan. Er wird seit Oktober 2016 Patienten, die mehr als zwei Arzneien anwenden, ausgehändigt — jedoch noch auf Papier. Erst ab 2018 soll er elektronisch von der Gesundheitskarte abrufbar sein.

Eigentlich unfassbar, dass unser Gesundheitssystem im Informationszeitalter noch zum Großteil aus Papier besteht: Da werden Patientendaten in Hängeordnern gesammelt oder OP-Sets per Leitz-Ordner zusammengestellt. Dabei ist die Gesundheit unser höchstes Gut. Um sie zu erhalten oder wiederherzustellen, bieten Big Data, Internet, Apps, Sensoren, Superrechner und Co. ein nie da gewesenes Potential: Würden Daten ständig zentral gesammelt und ausgewertet, könnte die Medizin viele neue Erkenntnisse gewinnen. Zielgerichtete Therapien könnten entwickelt werden. Ärzte könnten Krankheiten schneller diagnostizieren, ihre Patienten besser versorgen und betreuen. Prozesse in Klinik und Praxis könnten optimiert und so viele Fehler vermieden werden. Aus der gesteigerten Effizienz der Behandlung resultieren eine höhere Lebensqualität sowie längere Überlebens- und Arbeitszeiten für den Patienten. Kosten im gesamten Gesundheitssystem würden eingespart.

Zeichen für Transformation: Medizin 4.0 passiert bereits

Versicherer, zum Beispiel die Techniker Krankenkasse und die AOK Nordost, tüfteln derzeit bereits an elektronischen Patientenakten. Die Landesärztekammer Baden- Württemberg hat bereits im Sommer 2016 durch eine Änderung der Berufsordnung den Weg für Modellprojekte zum bisher untersagten telemedizinischen Erstkontakt frei gemacht. Und der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) initiiert ein telemedizinisches Facharztkonsil, womit Hausärzten ermöglicht werden soll, Facharztexpertise per gesicherter Internetverbindung einzuholen. Medizinische Leistungen über räumliche Entfernungen hinweg sicherstellen, möchte auch das Telemedizinzentrum Aachen. Für den Aufbau sektorenübergreifender, telemedizinischer Netzwerke erhielt es vom Innovationsausschuss im Dezember 2016 den Zuschlag von 20 Millionen Euro und ist somit eines der ersten 29 Förderprojekte zu neuen Versorgungsformen. Für solche Projekte sowie die Versorgungsforschung wurden durch den Innovationsfonds in 2016 insgesamt Fördermittel in Höhe von 300 Millionen Euro verteilt. Bis 2019 fließen jährlich weitere 300 Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Denn Deutschland hinkt im internationalen Vergleich beim Thema E-Health hinterher. In Europa sind besonders die skandinavischen Länder und Großbritannien schon viel weiter. Um dies zu ändern, wurde bereits 2015 das Förderprogramm Medizininformatik initialisiert: Für fünf Jahre stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 100 Millionen Euro bereit, um mit zu entwickelnden IT-Systemen die Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, biomedizinischer und klinischer Forschung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg zu ermöglichen. „Versorgungsdaten und Forschungsdaten werden bislang nicht verbunden. Wir vergeben hier große Chancen“, kritisierte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Künstliche Intelligenz hilft Ärzten, Patienten und Gesundheitssystem

Datenbasierte Unterstützungssysteme sollen Ärzten künftig für eine verbesserte Erkennung und Behandlung von Krankheiten zur Verfügung gestellt werden. Beispiel hierfür ist IBMs Superrechner Watson, der Radiologen bei der Diagnose und Therapie unterstützen soll: Gefüttert mit Millionen von Röntgen-, CT-, Mammografie-, MRT- und Ultraschallaufnahmen sowie den Krankengeschichten der Patienten macht er die Bildanalyse schneller und zuverlässiger. Denn er kann in knapp drei Sekunden rund 200 Millionen Seiten Inhalte auswerten und ermüdet, im Gegensatz zum menschlichen Auge und Gehirn, nicht. Weil Watson lernfähig ist, erfolgt seine Diagnosestellung inklusive Behandlungsempfehlungen stets auf der Basis des aktuellen Stands der Wissenschaft. Inadäquate Untersuchungen und Therapien, die nicht nur den Patienten belasten, sondern auch negative wirtschaftliche Konsequenzen für Kliniken und Versicherer haben, können so vermieden werden. Und es bleibt mehr Zeit für ein neues, intensiveres Arzt-Patienten-Verhältnis.

Trend in der Chirurgie: Roboter im OP

Auch in der Chirurgie kommt es zunehmend zu einem Zusammenwirken von Mensch und Maschine: Die Robotertechnologie hält Einzug in immer mehr Operationssäle und erlaubt Chirurgen Eingriffe, die bislang nicht möglich waren. So entwickelte die Universitätsmedizin Mainz gemeinsam mit europäischen Partnern das chirurgische Navigationssystem CAS-One zur Entfernung von Lebermetastasen. Vor der Operation werden CT-Aufnahmen der Leber gemacht und in ein virtuelles 3D-Modell des Organs überführt. Dieses zeigt während der OP exakt an, wo sich Tumoren und alle chirurgischen Instrumente befinden und welche kritischen Strukturen nicht verletzt werden dürfen.

Eine innovative Lösung für die minimal-invasive Herzchirurgie, die videoassistierte Thorakoskopie und die konventionelle endoskopische Laparoskopie bietet die Aesculap AG mit dem EinsteinVision 3D-System: Die überragende 3D-Bildqualität entspricht natürlichem, räumlichem Sehen und ermöglicht zielsicheres Arbeiten. Das führt nicht nur zu weniger traumatisierenden und schmerzärmeren Eingriffen, sondern steigert auch die Effizienz, weil die Operationszeit verringert wird. Zudem investiert die Aesculap AG in eine Technologie, mit der die Operateure Knochen künftig präziser und mit weniger Substanzverlust durchtrennen können: Durch das Cold Ablation Robotguided Laser Osteotome — kurz CARLO — bleiben die Schnittränder intakt und vital, die Knochenheilung verläuft also insgesamt rascher.

„Mithilfe von Robotern werden die Kollegen präziser, schneller, sicherer und einfacher arbeiten. Wir sind überzeugt, dass schon bald verschiedene automatisierte Teilprozesse nicht mehr aus der Chirurgie wegzudenken sind. Die menschliche Entscheidungsebene wird jedoch weiterhin bestehen bleiben“

– Professor Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG

Seine Aussage entspricht damit einer aktuellen Umfrage der Rochus Mummert Beteiligungs- und Dienstleistungs GmbH unter 380 Führungspersonen an deutschen Kliniken: 36 Prozent erwarten demnach den flächendeckenden Einsatz von Robotern innerhalb der nächsten zehn Jahre. Allerdings glauben auch über 30 Prozent, Maschinen würden insgesamt niemals besser operieren können als Ärzte. Das größte Potenzial der Automatisierung sehen die Umfrageteilnehmer derzeit mit 75 Prozent in der Diagnostik und mit 84 Prozent in der Verwaltung.

Prozessoptimierung durch IT

Der intelligente Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien birgt enorme Potenziale für effizientere Strukturen. Die Optimierung alltäglicher Prozesse und Organisationen in Kliniken führt nicht nur zu Kosten- und Zeitersparnis, sondern vor allem zu mehr Sicherheit für Patienten. Die Aesculap AG unterstützt die Prozessoptimierung in Kliniken beispielsweise durch ihre neue App „TOM“: Mit dem „Tray Organising Manager“ lassen sich OPSets nicht nur leichter und sicherer packen. Auch die Qualität chirurgischer Instrumente kann so erfasst werden, woraus wiederum zum Beispiel etwaige Sterilisations- oder andere Hygieneprobleme abgeleitet und Lösungen dafür erarbeitet werden können. Um Kliniken schnell und individuell bei ihrer Prozessoptimierung unterstützen zu können, startet die Aesculap AG im April das „Werk_39“ — ein Start-up-Inkubator, wo maßgeschneiderte, innovative Servicelösungen bis hin zu digitalen Geschäftsmodellen für und mit Kunden entwickelt werden. 

Medizin 4.0: Es braucht neue Spielregeln

Um das Potential der Digitalisierung voll auszuschöpfen und eine zukunftsfähige Medizin sowie optimale Patientenversorgung zu schaffen, braucht es neben kreativen Entwicklungsansätzen, sektoren- und organisationsübergreifenden Netzwerken vor allem Offenheit gegenüber digitalen Innovationen sowie politische Spielregeln, die eine Medizin 4.0 auch zulassen. Der Gesetzgeber ist jetzt gefragt, Rechtsgrundlagen für die Nutzung der benötigten Datenbestände und die optimale Versorgung der Patienten über die Sektorengrenzen hinweg zu schaffen. Schließlich findet die Planung der ambulanten wie stationären Versorgung derzeit rein sektoral statt, Vergütungssysteme sind nicht auf Arbeitsteilung und Kooperation ausgelegt und das Thema Datenschutz steht deutlich über dem Nutzen, der aus Daten gezogen werden kann. Eine optimale Versorgung der Patienten über Sektorengrenzen hinweg und durch datenbasierten Gewinn neuen medizinischen Wissens kann unter den momentanen Umständen schwerlich realisiert werden.

Es braucht eine Versorgungsarchitektur, die unterschiedliche Strukturen und rechtliche Regelungen zusammenführt. Nur durch einen Perspektivenwechsel und die Realisierung neuer Ansätze kann es gelingen, das deutsche Gesundheitswesen und seine Versorgungsstrukturen zu verbessern und nachhaltig zukunftsfest zu machen. Die aktuellen Gesetzesänderungen, wie das E-Health-Gesetz, sind eben erst der Anfang.

Von Anja Speitel

Plastisch, präzise, effektiv - Ein Statement von Dr. Thomas Kiefer

"Das Arbeiten mit EinsteinVision 3D ist ein großer Schritt zu mehr Sicherheit. Ich sehe mein Operationsfeld jetzt besser – nämlich plastisch. Das ist besonders bei Gefäßpräparationen oder dem Nähen bei minimalinvasiven Eingriffen ein Fortschritt gegenüber der zweidimensionalen Darstellung. Wir setzen das System bei anatomischen Lungenresektionen und bei der Entfernung von Mediastinaltumoren ein. Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Thoraxchirurgie haben das Gerät gemeinsam angeschafft. Wir nutzen es jeweils an festgelegten OP-Tagen. In einer WhatsApp-Gruppe – das Profilbild ist natürlich Albert Einstein – verständigen wir uns untereinander, wie wir die freien Kapazitäten nutzen. Vor dem Kauf haben wir auch Geräte der Mitbewerber getestet. Bei EinsteinVision überzeugte uns die hohe Bildqualität. Im Investitionsplan für 2017 steht schon der Erwerb eines weiteren Geräts – wieder für die drei Fachabteilungen gemeinsam. Plastisch zu sehen, führt einfach zu einem entspannteren und damit sichereren Arbeiten." - Dr. Thomas Kiefer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Thoraxchirurgie und Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikum Konstanz

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Anja Speitel
Diplom-Journalistin Univ