Entlassmanagement

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Kooperationen bestimmen den Erfolg

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz 2015 wurde das Entlassmanagement umfassend reformiert. Jeder Versicherte hat Anspruch darauf, dass ein Krankenhaus seine Entlassung in die ambulante Versorgung koordiniert.

So sind etwa Anschlussmaßnahmen frühzeitig einzuleiten und weiterbehandelnde Ärzte sowie Einrichtungen rechtzeitig zu informieren und zu finden. Welcher Aufwand dahinter steckt, und welche Rolle dabei Kooperationen spielen, darüber sprach nahdran mit der Pflegedirektion der RoMed Kliniken in Rosenheim, Judith Hantl-Merget und Hans Albert.

Seit Oktober 2017 sind Kliniken dazu verpflichtet, sich um die Entlassung in die ambulante Versorgung zu kümmern. Wie klappt das bei Ihnen?

Hans Albert: Intern haben wir vieles sehr gut gelöst. Wir führen das vorgeschriebene Screening der Patienten durch, sodass wir frühzeitig diejenigen herausfiltern, die unsere Hilfe benötigen. Verbesserungspotenzial sehen wir in der Zusammenarbeit und Kommunikation mit Pflegediensten und -heimen. Wir müssen ein Netzwerk aufbauen, regelmäßige Treffen einberufen. Heute muss im Zweifelsfall der Sozialdienst alle Anbieter abtelefonieren.

Judith Hantl-Merget: Das würde auch unsere internen Abläufe verbessern und unser Personal entlasten. Man muss als Krankenhaus Kooperationen schließen, das ist meiner Meinung nach in der Zukunft das A und O.Albert.

Wird durch das Entlass- und Versorgungsmanagement denn eine frühzeitige Entlassung der Patienten erreicht? Welche Patienten profitieren davon?

Judith Hantl-Merget: Natürlich. Je besser ein Entlassmanagement funktioniert, umso früher können Patienten entlassen werden. Ich denke, es werden vor allem solche davon profitieren, die aufgrund unterschiedlichster Umstände selber nicht in der Lage sind, sich um ihre Belange zu kümmern.

Gibt es eine Patientengruppe, für die ein Entlassmanagement besonders schwierig ist?

Hans Albert: Vieles hängt von den Lebensumständen des Patienten ab. Es funktioniert besser, wenn Angehörige da sind, oder ein Patient sich selbst noch helfen kann. Wenn diese Unterstützung nicht da ist, dann ist es eigentlich egal, um welchen Patienten es sich handelt, ob es ein neurologischer Patient, ein Kind oder ein Palliativpatient ist. Diese sind besonders auf ein gutes Entlassmanagement angewiesen.

Judith Hantl-Merget: Wo wir besondere Probleme haben, sind die geriatrischen Patienten, zum Beispiel wenn sie in die Rehabilitation müssen oder in die Kurzzeitpflege. Wenn so ein Patient noch alleinstehend ist, dann ist das mehr als eine Herausforderung!

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Nachversorgung und möglichen Wiedereinweisungen?

Judith Hantl-Merget: Gerade Patienten mit einer sehr anspruchsvollen Nachsorge sind hier auf optimale Qualität angewiesen, und die beginnt eigentlich meist bereits bei der Klinikaufnahme.

Eine Umfrage von Consus Klinikmanagement hat gezeigt, dass die meisten Kliniken über Mehrarbeit klagen. Was meinen Sie dazu?

Hans Albert: Unser Erfahrungsaustausch mit anderen Kliniken zeigt, dass die Aktivitäten sehr unterschiedlich sind – von großer Zurückhaltung bis zur vollständigen Umsetzung. Was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass eine Klinik, die sich nicht so sehr mit dem Rahmenvertrag auseinandersetzt, automatisch kein gutes Entlassmanagement, im Sinne einer guten Organisation des Nachsorgebedarfs eines Patienten, hat. Hauptziele sind ja, Versorgungslücken zu vermeiden, Behandlungserfolge nicht aufs Spiel zu setzen und Patienten mit Unterstützungsbedarf nicht alleine zu lassen. Daran müssen alle Kliniken nachhaltig arbeiten.

Jetzt mal konkret: Wie sieht Ihr Entlassplan aus? Wer bespricht die Details mit dem Patienten?

Hans Albert: Wenn ich von einem Entlassplan spreche, bedeutet das für mich, dass wir strukturiert vorgehen. Ein Entlassplan kann auch bedeuten, dass ich alles dokumentiere und dieses nachlesen kann. Es wird auf Station erkannt, wer einen weiteren Versorgungsbedarf hat; damit wird eine Handlungskette ausgelöst: Der Arzt bespricht mit Patienten und Angehörigen, wie der Nachsorgebedarf aussieht. Der Patient gibt sein Einverständnis und dann wird der Sozialdienst eingeschaltet. Der nimmt direkt Kontakt mit dem Patienten auf und versucht, die bestmögliche Nachsorge für ihn zu erreichen. Das wird dokumentiert. Die Informationen sind alle vorhanden, aber noch nicht EDV-gestützt zusammengeführt.

Wo liegen die größten Herausforderungen. Sind es wirklich die Rezeptdrucker oder die IT?

Hans Albert: Eine entsprechende IT Unterstützung ist, wie inzwischen generell in vielen Bereichen einer Klinik, notwendig, aber Rezeptdrucker zu installieren, ist nicht die Herausforderung, vielmehr, wer darf wann, welches Rezept für welchen Zeitraum unter Berücksichtigung des Wirtschaftlichkeitsgebotes ausstellen?

Warum ist das so problematisch?

Judith Hantl-Merget: Zu der Rezeptausstellung gibt es keine klare Formulierung im Gesetz. Es ist eine Soll-Vorschrift. Wir greifen damit in die Budgets der Kassenärztlichen Vereinigung beziehungsweise der niedergelassenen Ärzte ein. Wir müssen auch aufpassen, welches Medikament wir verordnen. Das sind die Klinikärzte nicht gewohnt. Alle Häuser, mit denen wir im Austausch sind, sind auf diesem Gebiet sehr zurückhaltend. Das wird sich aber verändern.

Wie findet eine Klinik die richtigen Partner für die Weiterversorgung?

Judith Hantl-Merget: Das ist sicherlich regional sehr unterschiedlich. In ländlichen Strukturen gibt es hier oftmals bereits gut funktionierende Kooperationen. Jedoch existieren auch immer mehr überregionale Anbieter. Wenn man sich neu orientiert, ist es wichtig, sich Referenzen einzuholen und sich Handlungsflexibilität zu erhalten.

Die Kliniken erhalten dafür kein zusätzliches Geld. Ergeben sich trotzdem Chancen?

Judith Hantl-Merget: Sicherlich ist die Umsetzung aller Anforderungen erstmal mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Jedoch können durch eine Prozessoptimierung durchaus auch Ressourcenersparnisse zu Tage treten. Soweit sind wir aber noch nicht. Die Zufriedenheit von Patienten und damit die Bereitschaft, wieder in diese Klinik zu gehen, hängen selbstverständlich auch mit einem guten Entlassmanagement zusammen. Zufriedene Patienten sind die Daseinsberechtigung einer jeden Klinik.

Zum Thema Compliance: Kann eine Klinik ein Netzwerk mit vertraglich gebundenen Partnern aufbauen?

Judith Hantl-Merget: Obwohl ich auf diesem Gebiet noch wenig Erfahrung habe, würde ich trotzdem sagen, ja, dies ist möglich. Aber wie auch im richtigen Leben, Augen auf bei der Partnerwahl!

Es wird häufig gesagt, dass Produkte, die von den Krankenkassen ausgeschrieben werden, nicht sofort geliefert werden. Wie lösen die Kliniken das Thema Ausschreibungen?

Hans Albert: In der Regel übernehmen die Sanitätshäuser das Risiko und versorgen den Patienten mit den nötigen Hilfsmitteln. Die vorübergehende Leistung kann ja trotzdem erbracht werden.

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, was wäre das?

Judith Hantl-Merget: Es ist gut und richtig, das Augenmerk immer mehr auf die gute Versorgung der Patienten zu legen. Die Krankenhäuser sind allerdings in der Umsetzung alleine gelassen. Sie müssen schon jetzt so viel zum Nulltarif umsetzen – und wir sprechen hier von Millionenbeträgen. Das können wir nicht mehr alleine stemmen. Ein Entlass- und Überleitungsmanagement könnte in Deutschland ganz anders laufen, wenn die IT-Infrastruktur eine andere wäre. Momentan verlangsamt sie den Prozess und schafft Schnittstellenprobleme. Vor allen Dingen wünsche ich mir eine separate, finanzielle Pauschale zusätzlich zu den DRGs zur Etablierung von funktionierenden IT-Strukturen in Krankenhäusern. Es muss ein IT-Netzwerk sein im Innen und im Außen. Das ist wirklich die größte Herausforderung!

Von Andrea Thöne

Judith Hantl-Merget ist seit 2017 Pflegedirektorin an der RoMed-Klinikgruppe in Rosenheim. Ihre berufliche Laufbahn startete sie als gelernte Krankenschwester in Aschaffenburg. Als Pflegedienstleitung war sie zunächst an Kliniken in Mainz, Heidelberg und der Nordoberpfalz tätig. Während dieser Zeit absolvierte sie erfolgreich ihren Master of Arts für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Als Pflegedirektorin war sie beim Vivantes Netzwerk für Gesundheit in Berlin, im Klinikum Ludwigshafen und zuletzt bei der AMEOS-Gruppe beschäftigt.

Hans Albert ist stellvertretender Pflegedirektor der RoMed Kliniken in Rosenheim. Zuvor war er als Gesamtpflegedienstleiter der RoMed-Klinikgruppe in Rosenberg und Prien tätig. Seine ersten Erfahrungen in Leitungspositionen hat Albert im Regensburger St.-Josef-Krankenhaus sowie am Kreiskrankenhaus Wasserburg gesammelt. Er verfügt neben seiner Ausbildung als Pflegedienstleiter auch über die Qualifikation eines Qualitätsberaters. 

Entlass- und Versorgungsmanagement im Überblick

Entlass- und Versorgungsmanagement versprechen Rechtssicherheit – dem Krankenhaus im Umgang mit Versorgungspartnern, den Patienten im Hinblick auf die Versorgungsqualität beziehungsweise den Anspruch auf Weiterversorgung. Der Gesetzgeber erhofft sich eine größere Transparenz über Strukturen und Versorgungsleistungen mit Qualitätskontrollen. Die sektorenübergreifende Versorgung ist durch zwei Paragrafen geregelt: Das Entlassmanagement aus Paragraf 39 Abs. 1a Sozialgesetzbuch (SGB) V verpflichtet Krankenhäuser, die – wie der Name schon sagt – Entlassung eines Versicherten beim Übergang in die ambulante Versorgung zu koordinieren. Der ebenfalls neue Paragraf 11 Abs. 4 SGB V zum Versorgungsmanagement verpflichtet alle Leistungserbringer, für eine sachgerechte Anschlussversorgung eines Patienten zu sorgen. Dies umfasst auch die fachärztliche Anschlussversorgung. Beide Dienstleistungen sind bindend und werden nicht extra vergütet.

Eine Online-Umfrage von Consus Klinikmanagement sieht große Vorbehalte in der Umsetzung. Nach eigenen Angaben haben 289 Klinikmitarbeiter, meist aus dem Sozialdienst, teilgenommen. 92 Prozent der Teilnehmer bestätigen einen Mehraufwand, 62 Prozent sprechen von erheblich mehr Bürokratie, beispielsweise aufwendiger Dokumentation – zu Lasten der Patientenversorgung. Insgesamt kritisiert wird das Defizit in der Digitalisierung (71 Prozent). Die Daten werden in unterschiedlichen Systemen und auch Orten erfasst.

Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit mit Systempartnerschaften

Die RoMed-Klinikgruppe arbeitet bereits mit der B. Braun Melsungen AG partnerschaftlich im Bereich Sterilgut- und Bedarfsanalyse zusammen. B. Braun unterstützt bundesweit mit seinem Know-how Projekte zur Qualitätsverbesserung innerhalb der Klinik und über die Sektorengrenze hinweg.

Wenn Sie Interesse haben, mit uns Ihre Prozesse zu beleuchten, sprechen Sie uns an.

Kontakt

Thomas Kieninger
Senior Marketing Manager B. Braun Gesamtvermarktung