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Schwangerschaftsdiabetes:
Was Du für Dich und Dein Baby tun kannst

Schwangerschaftsdiabetes

Quelle: *

Was ist das? Besteht eine Gefahr für mein Baby? 

Schwangerschaftsdiabetes ist durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet, die erstmals in der Schwangerschaft auftreten. Er entsteht vor allem durch blutzuckersteigernde Hormone; gleichzeitig produziert die mütterliche Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin zur Senkung des Blutzuckers. Die hohen Werte können das Kind gefährden. Denn der Zucker gelangt über die Nabelschnur zum Kind – es muss dann selbst viel Insulin produzieren, um den Blutzucker zu normalisieren.
Das kann beim Ungeborenen zu übermäßigem Wachstum mit erschwerter Entbindung und Verletzungsgefahr führen, zu Unreife von Lunge und Leber mit Problemen nach der Geburt, Sauerstoffmangel und zu einem lebenslang erhöhten Risiko für Übergewicht und Diabetes.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei Frauen mit:

  • Übergewicht
  • Diabetes bei Eltern und Geschwistern
  • höherem Alter
  • Kindern mit einem Geburtsgewicht über 4500 g
  • früherem Schwangerschaftsdiabetes
  • vorausgegangenen Fehlgeburten

Aber
Rechtzeitiges Erkennen der Erkrankung und die richtige Behandlung können alle Komplikationen vermeiden!

* Quelle: Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQWiQ): "Beschreibung der Qualitätsindikatoren für das Erfassungsjahr 2015 - Geburtshilfe Indikatoren 2015", 05.2016, Zugriffsdatum: 08.03.2018, unter https://iqtig.org/downloads/ergebnisse/qidb/2015/2016-05-25/QIDB_2015_INDIREKT_PDF/QIDB_2015_indirekte_Leistungsbereiche/QIDB_mit_Rechenregeln/16n1_QIDB2015_Rechenregeln.pdf 

Früherkennung/Vorsorge

Wie kann man Schwangerschaftsdiabetes feststellen? 

Ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht keine typischen Symptome. Deshalb sollten alle schwangeren Frauen auf Diabetes getestet werden. Entsprechend den Mutterschaftsrichtlinien wird empfohlen in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche den Zuckerbelastungstest machen zu lassen, in der Regel erfolgt der Test beim Gynäkologen. Bei diesem Test trinkt die schwangere Frau unabhängig von der Tageszeit und einer vorrausgehenden Mahlzeit eine Zuckerlösung mit 50 Gramm Glukose. Wird eine Stunde nach dem Trinken der Lösung ein Blutzuckerwert von 135 mg/dL (7,5 mmol/L) oder mehr gemessen, muss ein zweiter, „großer“ Zuckerbelastungstest erfolgen, der oftmals bei einem Diabetologen durchgeführt wird. Bei diesem zweiten Test trinkt die schwangere Frau eine Zuckerlösung (75 Gramm Glukose = Traubenzucker). Vorher sowie eine und zwei Stunden danach wird der Blutzuckerwert gemessen. Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor. Die Behandlung sollte dann umgehend beginnen.

Wichtig:
Dieser zweite Test wird morgens in nüchternem Zustand durchgeführt. Du solltest also ab dem Vorabend um 22.00 Uhr nichts mehr essen, lediglich Wasser oder ungesüßter Tee sind über Nacht erlaubt. Außerdem solltest Du während der gesamten Testdauer in der Praxis sitzen bleiben. Denn Bewegung verfälscht die Werte.

Ernährung

Quelle: *

Muss ich jetzt Diät halten? 

Das Umstellen der Ernährung steht bei der Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes an erster Stelle: Schon alleine damit erreichen die meisten Frauen (85 %) dauerhaft gute Blutzuckerwerte.

Nach der Beratung durch eine Diabetesberaterin beim Diabetologen – dem Diabetes-Facharzt – ist die Ernährungsumstellung in der Regel einfach. Die empfohlene Ernährung selbst ist eigentlich keine Diät, sondern eine ausgewogene, vollwertige, gesunde Kost. Ein schneller, hoher Blutzuckeranstieg nach dem Essen etwa lässt sich vermeiden, wenn Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydraten verwendet werden – wie Vollkornbrot oder Hülsenfrüchte.

Auch bei Getränken ist die richtige Wahl wichtig. So steigern zuckerhaltige Limonaden und Fruchtsäfte den Blutzucker schnell und sollten gemieden werden. Das Verteilen des Essens auf mehrere kleinere Mahlzeiten (je drei Haupt- und Zwischenmahlzeiten) bremst den Anstieg nach dem Essen ebenfalls. So ist oft ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel über den Tag erreichbar.

Ernährung und Bewegung helfen aber auch eine übermäßige Gewichtzunahme in der Schwangerschaft zu vermeiden. Die optimale Gewichtzunahme ist je nach Ausgangsgewicht vor Schwangerschaft unterschiedlich. Gynäkologe und Diabetologe werden dieses Ziel mit Dir besprechen und den Gewichtsverlauf überwachen.

Quelle:* Hummel, Michael: "Diabetes und Schwangerschaft: Was alles zu beachten ist", Deutsches Ärzteblatt 2014, Zugriffsdatum: 08.03.2018, unter: 
https://www.aerzteblatt.de/archiv/159783/Diabetes-und-Schwangerschaft-Was-alles-zu-beachten-ist

Bewegung

Kann Bewegung die Blutzuckerwerte verbessern?

Neben gesunder Ernährung hilft auch Bewegung dabei, hohe Blutzuckerwerte zu normalisieren. Denn Bewegung verbraucht Energie und das senkt den Blutzucker. Besonders effektiv ist ein flotter, cirka 30-minütiger Spaziergang nach den Hauptmahlzeiten, da hierdurch der Blutzuckeranstieg nach dem Essen vermindert wird. Außerdem verbessert körperliche Aktivität die Insulinempfindlichkeit der Zellen. Der Körper braucht dann weniger Insulin als vorher, um gute Werte zu erzielen*. Sport kann deshalb bei einigen Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sogar bewirken, dass die eigentlich zu niedrige eigene Insulinproduktion doch wieder genügt. Selbst wer sich nur im Alltag mehr bewegt – etwa statt des Fahrstuhls die Treppe benutzt – tut etwas für seinen Körper.

Geeignete Sportarten sind zum Beispiel Schwangerschaftsgymnastik, Rad fahren, Walken, Schwimmen und Spazierengehen. Welcher Sport sich für Dich eignet und ob Du dabei Unterzuckerungen vorbeugen musst, solltest Du mit Deinem Arzt besprechen. Regelmäßige Bewegung kann übrigens auch Blutfettwerte und Blutdruck verbessern.

Und nicht zuletzt gilt:
Wer sich regelmäßig bewegt, fühlt sich einfach wohler.

* Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Patientenleitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge, Zugriffsdatum: 13.03.2018, unter: 
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/057-008p_S3_Gestationsdiabetes-mellitus-GDM-Diagnostik-Therapie-Nachsorge_2018-03.pdf

Blutzuckerselbstkontrolle/Insulintherapie

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt? 

Um festzustellen, ob Du mit der Ernährungstherapie die Blutzuckerwerte erreichst, die für das optimale Wachstum Deines Kindes wichtig sind, musst Du den Blutzucker regelmäßig selbst messen.
Besonders aussagekräftig sind Messungen vor Beginn der Hauptmahlzeiten und eine Stunde danach. Manche Ärzte empfehlen auch die Messung zwei Stunden nach dem Essen. Wann und wie oft Du messen sollst, legt der Diabetologe mit Dir zusammen fest.

Notiere die Messwerte in einem Tagebuch. Sollten Ernährungsumstellung und Bewegung für gute Ergebnisse nicht genügen, dann musst Du zusätzlich Insulin spritzen. So kannst Du den Blutzucker auf normale Werte senken und hohe Werte verhindern, die Deinem Kind schaden können.

Hab keine Angst vor Insulin!
Die Injektion ist schmerzarm, leicht zu erlernen und für das Baby ungefährlich – auch wenn Du unter die Bauchhaut spritzt. In unserem Ratgeber „Tipps und Tricks zur sicheren Insulininjektion“ zeigen wir Dir, wie es geht.

Vor der Entbindung - Kontrollen

Welche Kontrollen führt der Frauenarzt durch? 

Der Frauenarzt kann mit der Ultraschall-Untersuchung des Kindes feststellen, ob – bedingt durch zu hohe kindliche Blutzuckerwerte – das Wachstum des Babys gesteigert ist. Typisch ist in dieser Situation, dass der Bauchumfang des Babys erhöht ist, während der Kopfumfang normal ist. Diese Information ist nun wieder für den behandelnden Diabetologen sehr wichtig, da er dann die Blutzuckerwerte der Mutter stärker absenkt und somit wieder für eine Normalisierung des kindlichen Wachstums sorgen kann.

Der Frauenarzt wird deshalb ab der 24. Schwangerschaftswoche alle 2 bis 4 Wochen Ultraschall-Untersuchungen durchführen. Die Herzton-Wehen-Schreibung (CTG) wird ab der 36. Woche regelmäßig durchgeführt, bei Insulintherapie bereits zumeist ab der 32. Woche. Besonders wichtig sind auch regelmäßige Blutdruckkontrollen sowie die Bestimmung der Eiweißausscheidung im Urin. Hierdurch lässt sich eine Prä-Eklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“) – die bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes etwas häufiger auftritt – frühzeitig erkennen.

Vor der Entbindung

Was soll ich bei der Entbindung beachten?

  • Bitte teile den behandelnden Ärzten bei der Erstvorstellung im Krankenhaus mit, dass bei Dir ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.
  • Wenn Du mit Insulin behandelt wirst, sollte die Entbindung in Zentren mit  Erfahrung in der Betreuung von Schwangeren mit Diabetes stattfinden, dies sind Perinatalzentren der Versorgungsstufe 1 und 2.
  • Bitte bringe Deine Blutzuckeraufzeichnungen zur Entbindung mit.
  • Bei reiner Ernährungstherapie sind Blutzuckermessungen während der Entbindung nicht notwendig.
  • Der Schwangerschaftsdiabetes ist kein Grund für einen Kaiserschnitt.
  • Bei Insulinbehandlung empfiehlt der Gynäkologe evtl. eine Geburtseinleitung, wenn der Geburtstermin überschritten wird.
  • Am zweiten Tag nach der Entbindung sollen zur Kontrolle die Blutzuckerwerte der Mutter vor dem Frühstück und 2 Stunden nach dem Frühstück bestimmt werden.

Nach der Entbindung

Wird der Diabetes nach der Schwangerschaft verschwinden? 

Bei den meisten Frauen normalisiert sich der Blutzucker sofort nach der Entbindung (das sollte durch Messungen kontrolliert werden). Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben aber ein hohes Risiko, später an Diabetes zu erkranken. So entwickelt nahezu jede zweite innerhalb von zehn Jahren nach der Entbindung einen Diabetes. Deshalb wird empfohlen, 6–12 Wochen nach Entbindung und dann in ein- bis dreijährigem Abstand einen „großen“ Zuckerbelastungstest durchzuführen.

Wichtig ist für Dich:
Dieses hohe Risiko für einen späteren Diabetes kannst Du durch Deine Ernährung und durch Bewegung sehr wirksam beeinflussen.

So sollte nach dem Abstillen Normalgewicht angestrebt werden. Wenn Du Deine gesunde Kost aus der Schwangerschaft nach der Geburt beibehälst, dann unterstützt dies nicht nur das Abnehmen, sondern sichert letztlich auch Deinem Kind eine gesunde Ernährung.

Übrigens ist es zu empfehlen, vier bis sechs Monate lang zu stillen: Das Risiko für Übergewicht bei Mutter und Kind wird so günstig beeinflusst. Außerdem wird dadurch auch das Risiko der Mutter einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln um bis zu 40 % verringert. Eine Stillberatung kann gegebenenfalls bei Schwierigkeiten helfen.

Wissenswertes

Wo kann ich mich weiter informieren?

Liebe werdende Mutter,

natürlich kannst Du trotz Schwangerschaftsdiabetes ein gesundes Kind bekommen. Wichtig ist, dass Du gut für Dich sorgst:

  • Arbeite mit Deinem Gesundheitsteam (Gynäkologen, Diabetesberater, Hebamme) eng zusammen
  • Achte auf eine gesunde Ernährung
  • Bewege Dich regelmäßig
  • Teste selbst regelmäßig Deinen Blutzucker

Patienten-Leitlinie der Deutschen Diabetesgesellschaft DDG
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/patienten-leitlinien.html

Diabetes-Informationsdienst des Helmholtz-Zentrum München
https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/schwangerschaftsdiabetes/index.html

Wir sind für Dich da!

Ratgeber

Beschreibung Dokument Link
Ratgeber Schwangerschaftsdiabetes Was Sie für sich und Ihr Baby tun können
pdf (2.5 MB)