Krebs & Ernährung Die Therapie

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Die Therapie

Ernährung ist ein wichtiger Baustein für die gesamte Krebstherapie.

Ein guter Ernährungszustand unterstützt die Krebstherapie. Sie können zusätzliche Kraft für die medizinischen Therapien sammeln, Nebenwirkungen und Risiken reduzieren und damit Ihre Lebensqualität verbessern.

Ernährung als begleitende Therapie

Ernährung liefert Energie, stützt das Immunsystem und gibt Kraft.

Essen und Trinken ist lebensnotwendig. Darüber hinaus ist es ein sinnliches Vergnügen und gemeinsam zu speisen, stärkt die sozialen Kontakte.

Die Nährstoffe aus Lebensmitteln sind Bausteine für unser Leben. Der Körper nutzt sie, um z. B. Energie zu bekommen, Zellen aufzubauen und Reparaturen durchzuführen. Auch körperliche Abläufe wie Atmung, Herzschlag, Wärmeregulation und Blutdruck funktionieren nur reibungslos, wenn sie durch passende Nährstoffe unterstützt werden.

Das alles gilt für Gesunde genauso wie für Kranke. Auch bei Krebserkrankungen ist die Ernährung ein wichtiger Bestandteil der gesamten Therapie. Sie hilft, die unversehrten Körperzellen optimal zu versorgen und neue, gesunde Zellen aufzubauen. Sie liefert Energie, stützt das Immunsystem und gibt Kraft.

Jeder Nährstoff hat bestimmte Funktionen, doch nur gemeinsam können sie ihre volle Stärke zeigen. Es ist immer eine Mischung aus Eiweißen, Fetten, Kohlenhydraten, Wasser, Vitaminen und Mineralstoffen, die wir benötigen. Sie spielen zusammen wie ein großes Orchester. Es gibt zwar keine spezielle Krebsdiät, doch mit einer gezielten und ausgewogenen Ernährung sind Sie in der Lage, die gesamte Therapie zu unterstützen. Welche Ernährungsweise im Verlauf der Therapie am besten für Sie ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.
Einige anerkannte Möglichkeiten sind im folgenden erläutert.

Klinische Ernährungsformen

Die klinische Ernährung hilft, in schwierigen Zeiten den Körper beständig und gut mit Nährstoffen zu versorgen.

Oft genug gibt es im Verlauf der Krebserkrankung Zeiten, in denen unbeschwerte Mahlzeiten seltener werden oder gar nicht mehr möglich sind. Der Körper muss jedoch genügend Nährstoffe bekommen, um zu funktionieren und sich gegen den Krebs zu wehren. Reichen die Nährstoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden, nicht aus, wird der Organismus immer schwächer.

Was ist aber, wenn Patienten nicht genug essen und trinken können, oder sie es nicht dürfen oder wollen? Wenn z. B. dauerhafte Appetitlosigkeit, Magenprobleme oder eine Operation die Nahrungsaufnahme verhindern?

In dieser Situation hilft die Klinische Ernährung den Patienten. Sie baut eine Brücke zwischen der normalen Ernährung und der Medizin und ist damit ein überaus wichtiger Bestandteil der gesamten Therapie. Da es sich nicht um herkömmliche Lebensmittel, sondern um Nährstoffmischungen handelt, wird sie manchmal „künstliche Ernährung“ genannt. Ihre Bausteine werden jedoch überwiegend aus natürlichen Lebensmitteln gewonnen.

Ziel ist es, in der schwierigen Zeit den Körper beständig und gut mit Nährstoffen zu versorgen. Je früher mit einer entsprechenden Ernährungstherapie begonnen wird, umso besser ist der Erfolg.

Klinische Ernährung gibt es in drei Formen:

  • Orale Zusatz-Ernährung
  • Enterale Ernährung
  • Parenterale Ernährung

Patienten werden nur so lange klinisch ernährt, wie es nötig ist. Sobald die Menge an nährstoffreichen Lebensmitteln langfristig wieder ausreicht, findet der Übergang zur normalen Ernährung statt.

Orale Zusatz-Ernährung

Trinknahrungen enthalten alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine und helfen Lücken zu schließen.

„Oral“ bedeutet in diesem Zusammenhang „durch den Mund“. Das heißt: Alles, was wir essen und trinken ist orale Ernährung.

Es gibt spezielle Aufbauprodukte, die zusätzlich zur normalen Nahrung verzehrt werden können. In diesen Zusatznahrungen sind in wenig Volumen viele Nährstoffe enthalten. Es sind also hoch konzentrierte kleine Kraftpakete.

Je nach Bedarf sind alle wichtigen Nährstoffe in unterschiedlicher Menge kombiniert. Welche Zusatznahrungen für Sie am besten geeignet sind, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt oder mit einer Ernährungsfachkraft.

Diese sogenannte Trinknahrung, die auch als „Astronautenkost“ bekannt ist, gibt es in verschiedenen Arten und Geschmacksrichtungen. Sie wird trinkfertig in Fläschchen oder Tetrapaks angeboten. Man kann sie auch pulverförmig bekommen und dann in Speisen oder Getränken auflösen.

Die Zusatznahrungen sind in der Regel erstattungsfähig. Das heißt, Ihr Arzt kann sie Ihnen verschreiben, die Krankenkasse erstattet die Kosten.

Wenn Sie es nicht schaffen sollten, die notwendige Menge an Nährstoffen durch Essen, Trinken und mit Hilfe von Aufbaunahrungen zu sich zu nehmen, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt. Gemeinsam können Sie dann ernährungstherapeutische Alternativen überlegen.

Enterale Ernährung

Können Lebensmittel nicht ausreichend gekaut oder störungsfrei geschluckt werden, ist es ratsam, Nährstoffe über eine Sonde zuzuführen.

Bei der enteralen Ernährung wird eine vorgefertigte flüssige Nährstoffmischung mittels eines dünnen Schlauchs (Ernährungssonde) direkt in den Magen oder Darm geleitet.

Die Gründe (Indikationen) für den Einsatz von Sondennahrung sind bei Krebspatienten z. B. Schmerzen beim Kauen, wunde Stellen im Mund oder Rachen, Verengungen in der Speiseröhre oder häufiges Verschlucken. Diese Probleme können auch durch die Chemotherapie, Operationen oder Bestrahlungen hervorgerufen werden. Daher sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt rechtzeitig besprechen, ob die enterale Ernährung eine hilfreiche Möglichkeit ist.

Alle Sondennahrungen sind so zusammengesetzt, dass man sich davon vollständig ernähren kann. Sie können die enterale Ernährung als komplette Nährstoffquelle nutzen oder nur unterstützend für eine Basisversorgung. Zusätzlich können Sie dann essen und trinken, was Ihnen schmeckt und Freude macht.

Um die Sondennahrung sicher und verträglich in den Magen oder Darm zu leiten, sind einige technische Hilfsmittel notwendig. Über eine Ernährungssonde, die meistens durch die Bauchwand und seltener durch die Nase gelegt wird, gelangt die Sondennahrung in den Magen oder den Darm. Über einen Schlauch (Überleitgerät) fließt die Sondennahrung vom Behälter zur außen sichtbaren Sonde und tropft über das Sondenende, das im Körper liegt, in den Magen oder den Darm.

Welche Nahrung die beste Wahl für Sie ist, in welcher Art und für wie lange sie gegeben (appliziert) wird, ob Sie zusätzlich essen oder trinken können – es ist wichtig, dies mit Ihren Therapeuten zu besprechen und in einem Therapieplan festzulegen.

Parenterale Ernährung

Wenn der Körper über den Magen-Darm Bereich nicht mehr ausreichend versorgt werden kann, kommt die parenterale Ernährung zum Einsatz.

In parenteralen Ernährungslösungen sind die Nährstoffe in kleinste Teilchen gespalten und in Wasser gelöst. Diese flüssige Nährstofflösung fließt durch einen dünnen Schlauch direkt in die Blutbahn.

Die parenterale Ernährung kann als alleinige Ernährungsform den gesamten Nährstoffbedarf decken. Es ist aber auch möglich sie als Grundversorgung zu nutzen und zusätzlich zu essen und zu trinken. Als Patienten befragt wurden, äußerten sie ihre Zufriedenheit mit der parenteralen Ernährung: Sie waren erleichtert, „die Quälerei mit dem Essen“ beendet zu haben, und spürten mehr Energie, Kraft und Lebensfreude.

Parenterale Ernährungslösungen sind Arzneimittel und müssen vom Arzt verordnet werden. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Es gibt verschiedene Zusammensetzungen, die vorgefertigt sind und sofort eingesetzt werden können.

Die Nährstofflösung wird entweder in eine Armvene oder in eine Herzvene geleitet (Infusion). Wenn für eine Chemotherapie bereits ein spezieller Katheter (Port) unter die Haut gelegt wurde, können die Nährstoffe auch darüber in die Blutbahn fließen. Mit einer Pumpe, die an das Ernährungssystem angeschlossen ist, lässt sich die Tropfgeschwindigkeit der Infusionslösung genau steuern.

Da bei dieser Ernährungsweise die Immunabwehr des Körpers teilweise umgangen wird, muss nach medizinischer und pflegerischer Anordnung äußerst hygienisch und korrekt gearbeitet werden. Während im Krankenhaus besonders geschulte Pflegekräfte dafür zuständig sind, kann das zuhause ein speziell ausgebildeter Pflegedienst übernehmen. Wenn Sie möchten, können Sie sich von den Spezialisten auch anleiten lassen und nach umfassender Schulung die Therapie selbst durchführen.

Sie sollten mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob für Sie eine parenterale Ernährung sinnvoll ist. Je besser Sie informiert sind, desto sicherer können Sie mit der ungewohnten Situation umgehen.

Trinken

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist Bestandteil einer gesunden Ernährung.

Der größte Teil des menschlichen Körpers besteht aus Wasser. In uns findet ein stetiger Wasserkreislauf statt, bei dem die Körperflüssigkeit durch die Gefäße und Organe transportiert wird.

Wasser ist lebensnotwendig, denn es …

  • löst und transportiert Nährstoffe, Abbauprodukte und Medikamente
  • reguliert den Blutfluss und die Körpertemperatur
  • lässt den Speisebrei quellen und macht ihn damit verdaulich

Gleichzeitig verlieren wir ständig Flüssigkeit: Über die Haut als Schweiß, über die Lunge als feuchte Atemluft, über den Darm als Stuhl und über die Nieren als Urin. Besonders hohe Verluste entstehen z. B. durch vermehrtes Schwitzen bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall. Flüssigkeitsmangel kann innerhalb weniger Stunden entstehen oder sich über Tage einschleichen.

Sinkt der Wasseranteil des Körpers zu stark, meldet sich als Warnsignal der Durst. Die Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel richten sich danach, wie viel Wasser verloren gegangen ist. Sie reichen von Müdigkeit und trockenen Schleimhäuten über Kopfschmerzen und Verstopfung bis zu Kreislaufproblemen und Verwirrtheit.

Um den Wasserverlust auszugleichen, ist Trinken die erste Wahl. Aber auch feste Lebensmittel und die klinische Nahrung enthalten Wasser. Wie viel Sie täglich zu sich nehmen sollten, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Bekommen Sie (Ernährungs-)Infusionen, sorgen die medizinischen Fachkräfte dafür, dass Sie ausreichend Flüssigkeit erhalten.

Symptome des Wasserverlustes bei einem Erwachsenen (> 70 Kilogramm)

Wasserverlust in Prozent Wasserverlust in Liter Symptom
1 % des Körpergewichts ca. 0,8 Liter Leichtes Durstgefühl
2 % des Körpergewichts ca. 1,5 Liter Verminderung der Ausdauerleistung
3-5 % des Körpergewichts ca. 2-4 Liter Trockene Haut / Schleimhäute, verminderter Speichel-/ Harnfluss, Abbau der Kraftleistung
über 5 % des Körpergewichts ca. 4 Liter Kreislaufsymptome (Puls hoch, Blutdruck runter)
über 10 % des Körpergewichts ca. 7,5 Liter Psychische Störungen (Verwirrtheit, Desorientierung, später Krampfanfälle)
über 15 % des Körpergewichts ca. 11 Liter Tod durch multipes Organversagen

Dokumentation

In diesem Bereich finden Sie verschiedene Vorlagen zum Ausdrucken. Während die Zuweisung zu einem Ernährungstherapeuten („Ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung“) vom Arzt ausgefüllt wird, sind die weiteren Vordrucke für Ihre persönlichen Notizen bestimmt. Versehen mit Ihren eigenen Aufzeichnungen können diese Unterlagen auch wichtige Entscheidungshilfen für Ihren Arzt oder weitere Therapeuten sein. Je aktueller Sie die Einträge halten, desto wertvoller sind die Inhalte für Sie und Ihre Therapiebegleiter.

Ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung
Es ist Ihnen wichtig, durch die richtige Ernährung Ihre medizinische Behandlung zu unterstützen. Sie möchten sich deshalb von einem Ernährungstherapeuten individuell beraten lassen. Sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt einfach darauf an, Ihnen eine „Ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung“ auszustellen. Einen beispielhaften Vordruck und die einzuleitenden Schritte dazu finden Sie unter Kosten der Ernährungstherapie.

Frageliste „Ernährungstherapie“ für das Arztgespräch
Die Diagnose und Therapie einer Krebserkrankung kann Betroffene schnell überfordern. Es müssen viele Entscheidungen getroffen werden, z.B. zu den Behandlungswegen, der Therapieplanung und praktischen Vorgehensweisen. Oft erinnert man sich erst nach dem Gespräch mit einem Arzt, was man noch hätte fragen wollen. Am besten ist es daher, Sie bereiten sich zu Hause in Ruhe auf die Gespräche mit Ihrem behandelnden Arzt vor.

Was können Sie vor und während des Arztgespräches tun?

  • Schreiben Sie vor dem Termin alle Ihnen wichtig erscheinenden persönlichen Fragen auf.
  • Nehmen Sie bei Bedarf eine Person Ihres Vertrauens zu dem Gespräch mit.
  • Gehen Sie die Liste im Gesprächstermin Punkt für Punkt durch.
  • Wenn Sie etwas nicht genau verstehen, fragen Sie bitte nach. Lassen Sie sich Ihnen unbekannte Fremdwörter erklären.
  • Notieren Sie die Antworten.
  • Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie die Aussagen richtig erfasst haben, wiederholen Sie sie mit Ihren eigenen Worten („Habe ich Sie richtig verstanden, dass…“).
  • Bitten Sie um patientengerechte, schriftliche Informationen (z.B. Broschüren), um Auskünfte und Erklärungen zu Hause in Ruhe nachlesen zu können.
  • Wir haben Ihnen hier in der rechten Anzeige-Box eine Liste zusammengestellt, die Ihnen helfen kann, wichtige Fragen zur Ernährungstherapie zu stellen.

Dokumentationshilfe für Ihre Therapien und Medikamente
Das Dokumentationsblatt können Sie ausfüllen, um sich und anderen einen Überblick zu verschaffen, welche Therapien Sie gerade durchlaufen. Dazu gehört auch, welche verordneten Medikamente Sie derzeit einnehmen. Nutzen Sie ergänzende Wirkstoffe, wie z.B. Nahrungsergänzungsmittel, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt darüber informieren. Es gibt vielfältige Wechselwirkungen zwischen den Präparaten. Daher sollte der Arzt entscheiden, ob die Substanzen und Dosierungen die Therapie stören können oder sinnvoll sind. Am besten, Sie nehmen Ihr Dokumentationsblatt zu Gesprächen rund um Ihre Therapie immer mit. Einen entsprechenden Vordruck können Sie ebenfalls in der rechten Anzeige-Box entnehmen.