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Darmspülung für mehr Lebensqualität

Moderne, hautfreundliche Versorgungsprodukte bieten Kolostomieträgern ein großes Maß an Sicherheit und Komfort. Jedoch stellen die fehlende Kontrolle über Stuhl- und Gasabgang sowie ästhetische und psychologische Faktoren für viele Betroffene eine große Belastung dar. Die Darmspülung, auch Irrigation (Irrigatio, lat. = Bewässerung, Spülung) genannt, soll Stomaträgern helfen, die Kontrolle über Ihre Ausscheidungen zurück zu gewinnen.

Die Darmspülung gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihre Versorgung noch diskreter zu gestalten. Sie profitieren von einem deutlichen Zugewinn an Komfort, Diskretion, Lebensqualität und größtmöglicher Unabhängigkeit.

Ziel

Ziel der Darmspülung: Kontrollgewinn

Ziel der Irrigation ist es, den Darm mit dem regelmäßigen Einlauf körperwarmen Wassers zu einer verstärkten Transportbewegung (Peristaltik) anzuregen. Das Wasser dehnt die Darmwand und regt die Darmmuskulatur zur Tätigkeit an. Zum gewünschten Zeitpunkt wird somit eine vollständige Entleerung des Dickdarms erreicht. Anschließend bleiben bis zur nächsten Entleerung bis zu 48 Stunden Zeit. Die Länge des Zeitraums hängt unter anderem davon ab, wie viel vom Darm noch vorhanden ist und welche Ernährungsgewohnheiten der Kolostomieträger pflegt.

Ein weiterer positiver Effekt: Durch die Darmspülung wird die Zahl der darmgasbildenden Bakterien reduziert und es kommt bei regelmäßiger Anwendung zu deutlich weniger Blähungen.

Die Irrigation enthebt den Darm nicht von seiner Funktion, sondern unterstützt und verstärkt die natürliche Entleerung. Entscheidend für den Erfolg der Irrigation ist die regelmäßige Anwendung.

Weg und Wirkung des Wassers

Das einfließende Wasser gelangt von der Stomaöffnung über die verschiedenen Dickdarmabschnitte im Idealfall bis in den querverlaufenden Teil des Dickdarms. Der Weg in den Dünndarm ist nicht möglich, da hier ein „Ventil“ (Bauhin’sche Klappe) das Eindringen verhindert.

Durch das einfließende Wasser wird der Dickdarm so weit gedehnt, dass sich der Stuhl löst. Der dabei entstehende erhöhte Druck bewirkt eine verstärkte Transportbewegung (Massenperistaltik). In der Folge wird der Darminhalt Richtung Stomaanlage vorgeschoben und über diese nach und nach bis zur vollständigen Entleerung ausgeschieden.

1 Dünndarm, 2 Blinddarm mit Wurmfortsatz, 3 aufsteigender Dickdarm, 4 querverlaufender Dickdarm, 5 absteigender Dickdarm, 6 S-förmiger Dickdarm, 7 Kolostomieanlage

Voraussetzungen

Bevor Sie eine Irrigation vornehmen, müssen Sie das Gespräch mit Ihren behandelnden Ärzten suchen. Nur sie können mögliche Risiken abwägen und entscheiden, ob die Spülung für Sie eine sichere Option ist.

Haben Ihre Ärzte die schriftliche Anweisung gegeben, können Sie beginnen, die Darmspülung unter Anleitung einer geschulten Fachkraft (z. B. eines Stomatherapeuten) zu trainieren. Sobald Sie mit Technik und Handhabung vertraut sind, können Sie die Irrigation selbstständig durchführen.

Als Kolostomieträger ist die Irrigation nur für Sie geeignet, wenn noch eine ausreichende Länge an Restdarm vorhanden ist. In der Regel ist dies immer der Fall, wenn das Stoma im absteigenden Darmteil angelegt wurde. Bei Kolostomien, deren Versorgung durch Hautfalten, Narben oder eine ungünstige Position erschwert ist, bietet die Irrigation sogar oft die einzig sichere Versorgung.

Bedingungen

  • Indikationsstellung durch den Arzt
  • Es liegt eine „normale“ Darmfunktion mit regelmäßigen, geformten Stuhlausscheidungen vor
  • Sie sind mit der Handhabung der normalen Versorgung vertraut und in der Lage, diese selbst durchzuführen
  • Entsprechende sanitäre Voraussetzungen sind gegeben
  • Die Irrigation kann und muss regelmäßig durchgeführt werden

Gegenanzeigen

Nicht ohne Grund muss die Irrigation von den behandelnden Ärzten schriftlich angeordnet werden. Verschiedene Rahmenbedingungen können die Darmspülung erschweren oder auch ausschließen.

Bei diesen Krankheitsbildern ist eine Irrigation kontraindiziert:

  • Prolaps (Stomavorfall)
  • Hernie (Bauchwandbruch)
  • Siphonbildung (Darm verläuft nicht geradlinig zur Bauchdecke)
  • entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Stenose (Stomaausgangsverengung)
  • Bestrahlung oder Chemotherapie
  • schlechter Allgemeinzustand
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen

Wie lange muss ich nach der OP warten?

Wenn keine Kontraindikation vorliegt, können Sie bereits zwei bis drei Wochen nach der Operation mit der Irrigation beginnen.
Voraussetzung ist, …

… dass Ihr Arzt die schriftliche Anordnung erteilt hat.
… dass das Stoma gut eingeheilt ist.
… dass Sie die Anwendung der herkömmlichen Beutelversorgung sicher beherrschen.
… dass Sie von einer ausgebildeten Fachkraft beim Erlernen begleitet werden.

Der richtige Zeitpunkt im Tagesablauf

Den Zeitpunkt für die Durchführung der Irrigation sollten Sie dem vor der Operation gewohnten Entleerungsrhythmus des Darms anpassen. Er ist bei jedem Menschen individuell verschieden.
Wichtig ist, dass Sie diesen Moment zu einem regelmäßigen Bestandteil des Tagesablaufs werden lassen.
 
Für den gesamten Ablauf der Irrigation sollten Sie anfangs einen Zeitraum von bis zu 90 Minuten einplanen. Bei regelmäßiger Anwendung kann sich die Dauer auf ca. 30-45 Minuten verkürzen.

Durchführung

Die Irrigation kann mittels eines Schwerkraftsystems oder mit Hilfe einer elektrischen Irrigationspumpe durchgeführt werden. Beide Irrigationssysteme sowie alle Zubehörteile sind als Hilfsmittel anerkannt und werden von den Krankenkassen erstattet. 

Schwerkraftsysteme

Bei Verwendung eines Schwerkraftsystems fließt das Wasser mittels Schwerkraft in den Körper ein. Hierfür ist eine Aufhängevorrichtung für den Wasserbehälter (Auslass mindestens in Schulterhöhe) erforderlich, um einen entsprechenden Spüldruck zu erzeugen.

Iryflex® Set - Schwerkraft Irrigationsset

Elektrische Irrigationspumpen

Bei einer elektrischen Pumpe wird der Spüldruck individuell gesteuert. Sie kann überall platziert werden – neben der Toilette, auf dem Boden, auf einem Stuhl etc. – und fördert unabhängig von ihrer Platzierung immer mit konstantem Druck.
Bevor die Irrigation mittels einer Pumpe durchgeführt wird, sollte die Schwerkraftirrigation beherrscht werden.

IryPump® S - Elektrische Irrigationspumpe zur Irrigation bei Kolostomie