Stomaversorgung Patienteninformation

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Wieder selbstbestimmt sein: Wie versorge ich mein Stoma?

Die Versorgung des Stoma ist ein sehr intimes Thema. Die meisten Patienten sind froh, wenn Sie diese Tätigkeit selbst übernehmen können und nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sind. Unmittelbar nach der Operation empfinden Betroffene das Stoma häufig noch als eine Art Wundmal. Das ändert sich schnell. Schon bald werden Sie gelernt haben, ganz natürlich mit dem Stoma umzugehen.

Je nach Form des Stomas gibt es wichtige Unterschiede in der Versorgung. Bei der Entscheidung für die optimalen Produkte und beim Erlernen von deren Handhabung unterstützt Sie Ihr Stomatherapeut – in der Klinik und auch zu Hause.

Ausführliche Versorgungsanleitungen mit einzelnen Ablaufschritten erhalten Sie  kostenlos über unser Service-Telefon (0 56 61) 71–33 99.

Die Systeme

Es gibt ein- und zweiteilige Stomasysteme, jeweils in planer (ebener) oder konvexer (gewölbter) Ausstattung.

Plane Systeme kommen bei Stomaanlagen zum Einsatz, bei denen der Darmausgang über Hautniveau (prominent) liegt.
 
Konvexe Systeme werden genutzt, wenn der Darmausgang unter Hautniveau (retrahiert) liegt. 

Einteilige Systeme: Stomabeutel

Bei einteiligen Versorgungssystemen sind Hautschutzplatte und Beutel fest miteinander verbunden. Der Beutel ist zur Neutralisation von Gerüchen mit einem Aktivkohlefilter ausgestattet. Die Beutel sind mit ebenem (planen) oder gewölbtem (konvexen) Hautschutz erhältlich. Sie werden bei entsprechender Füllmenge komplett gewechselt oder entleert.

Zweiteilige Systeme: Basisplatte mit Stomabeutel

Zweiteilige Versorgungssysteme bestehen aus einer Basisplatte mit Hautschutz und mechanischem oder klebendem Verschluss sowie zugehörigem Stomabeutel, der auf der Platte befestigt wird.

Die Stomabeutel haben einen Aktivkohlefilter zur Neutralisation von Gerüchen und ein Verbindungssystem zum Befestigen an der Basisplatte. Die Beutel werden mindestens einmal am Tag oder bei entsprechender Füllmenge gewechselt.

Die Basisplatten sollten nach zwei bis vier Tagen ausgetauscht werden. Sie sind in planer und konvexer Ausführung erhältlich. Unterstützend kann zur Fixierung der Basisplatte ein Gürtel benutzt werden. 

Wählen Sie in Abstimmung mit Ihrem Stomatherapeuten sinnvolles Zubehör aus:

  • Hautschutzpaste
  • Reinigungstücher
  • Geruchsneutralisierer
  • Ileo-Gel

Materialien für einen Versorgungswechesel

Die folgenden Dinge sollten Sie vor einem Versorgungswechsel in Griffnähe zurecht legen: 

  • Vlieskompressen
  • bei Bedarf Einmalrasierer
  • leicht gebogene Schere (Stoma-/Nagelschere)
  • Schablone
  • bei Bedarf Hautschutzpaste
  • entsprechendes Versorgungsmaterial (ein- oder zweiteilig, konvex oder plan)
  • Entsorgungsbeutel
  • bei Bedarf Reinigungstücher

Versorgungswechsel

Nehmen Sie sich für den Versorgungswechsel ausreichend Zeit, um mit der erforderlichen Sorgfalt vorzugehen. Der Versorgungswechsel sollte zu einem festen Bestandteil Ihres persönlichen Tagesablaufs werden.

Die Versorgung ist idealerweise in einem Raum durchzuführen, der über eine Waschgelegenheit, Ablagemöglichkeiten, eine Toilette, eventuell eine Sitzgelegenheit sowie einen Spiegel in Bauchhöhe verfügt.

Der Versorgungswechsel erfolgt vorzugsweise im Stehen vor dem Waschbecken. Ist die Stomaanlage durch die Vorwölbung des Bauches von oben nicht einsehbar, kann ein Spiegel in Bauchhöhe hilfreich sein.

Entfernen der Hautschutzplatte

Das Entfernen der Hautschutzplatte sollte immer vorsichtig von oben nach unten vorgenommen werden. Halten Sie dabei oberhalb der Versorgung die Haut mit der Hand zurück.

Nach dem ersten Lösen (ca. 1 cm) können Sie zum leichteren Entfernen der Hautschutzplatte eine wassergetränkte Vlieskompresse zwischen Haut und Hautschutzplatte einsetzen.

Bitte entsorgen Sie die benutzte Versorgung in einem entsprechenden Entsorgungsbeutel über den Hausmüll und nicht in der Toilette, da dies eine Verstopfung des Abflusssystems verursachen kann.

Reinigung
Reinigen Sie Haut und Stomaanlage mit feuchten Vlieskompressen spiralförmig von außen nach innen, damit Ausscheidungen und Darmbakterien nicht über die Bauchdecke verteilt werden.

Richtige Reinigungsrichtung bei einer Stomaanlage

Bei einem Urostoma reinigen Sie die Haut bitte von innen nach außen. Dies verhindert die Keimeinschleppung in die Nieren.

Anschließend tupfen Sie den gereinigten Bereich mit trockenen Vlieskompressen ab und lassen ihn noch etwas nachtrocknen. Um den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zu erhalten, wird die Reinigung mit Wasser und gegebenenfalls mit einer alkalifreien Waschlotion (bei starker Verschmutzung) oder mit Reinigungstüchern vorgenommen.

Als gebrauchsfertige Reinigungstücher eignen sich am besten Babyfeuchttücher sensitiv ohne Öl. Diese enthalten gleichzeitig Substanzen zur Pflege und zum Schutz der Haut.

Vermeiden Sie Hautirritationen durch Haarentfernung
Befinden sich um das Stoma herum Haare, sollten diese regelmäßig entfernt werden. Selbst bei vorsichtigem Ablösen der Versorgung können sie leicht herausgezogen werden, was zu Hautirritationen führen kann. Zudem kann starker Haarwuchs die Haftung der Versorgung negativ beeinflussen.

Verwenden Sie zum Entfernen der Haare einen Einmalrasierer. Decken Sie das Stoma mit einer feuchten Vlieskompresse ab und führen Sie den Einmalrasierer vorsichtig sternförmig vom Stoma weg. 

Haarentfernung am Soma - sternförmige Rasur

Enthaarungscremes sollten wegen möglicher allergischer Reaktionen nicht verwendet werden.

Anbringen des neuen Versorgungssystems
Narben oder Falten im Stomabereich können bei der Versorgung Schwierigkeiten bereiten. Bei leichten Unebenheiten kann mit einteiligen Versorgungssystemen wie dem Softima® Active oder einem flexiblen zweiteiligen System mit Haftkopplung (Softima® Key) eine gute Abdichtung erreicht werden. Ist dies nicht möglich, so können Vertiefungen mit Hautschutzpaste, Hautschutzringen oder dem Einsatz konvexer Versorgungssysteme ausgeglichen werden.

Anbringen der Hautschutzplatte
Als Erstes passen Sie die Öffnung der Basisplatte Ihrem Stoma an. Hilfreich ist hier eine Schablone, welche die Form und Größe Ihres Stomas wiedergibt. Nachdem Sie die Schutzfolie von der Hautschutzplatte entfernt haben, kann das neue Versorgungssystem angebracht werden.

Bei einer einteiligen Versorgung wird die Hautschutzplatte am unteren Rand der Ausschnittsöffnung nach hinten abgeknickt und von unten an das Stoma positioniert. Anschließend wird der nach hinten abgeknickte Teil des Hautschutzes nach oben hin auf der Haut angebracht.

Bei einer zweiteiligen Versorgung zentrieren Sie die Ausschnittsöffnung über dem Stoma und modellieren den Hautschutz von innen nach außen an den Körper. Anschließend fixieren Sie den Beutel auf der Basisplatte.

Zur besseren Haftung des Versorgungssystems auf der Haut empfiehlt es sich, die Handfläche für zwei bis drei Minuten auf das System aufzulegen. Durch die Hautwärme wird eine sichere und schnelle Haftung erreicht. Während dieses Vorgangs sollten Sie keine körperlichen Aktivitäten ausüben. Bei Bedarf können Sie jetzt die Versorgung zusätzlich mit einem Gürtel fixieren.

Vermeidung bestimmter Materialien und Substanzen

Substanzen / Materialien Mögliche Auswirkungen
Benzin
Äther
Alkohol
Desinfektionsmittel (alkoholhaltig)
Parfümierte Seifen
Sie zerstören den normalen Säureschutzmantel der Haut, verändern die Hautflora, trocknen sie aus und schränken die natürliche Schutzfunktion (z. B. Abwehr von Mikroorganismen) ein.
fetthaltige Salben
Cremes
Öl / Ölbäder
Duschbad 
Sie verhindern die sichere Haftung des Hautschutzmaterials auf der Haut.
Enthaarungscremes Sie besitzen ein hohes allergisches Potenzial und oft rückfettende Substanzen.
Pflegeschaum 
Reinigungsschaum
Rückfettende Inhaltsstoffe beeinträchtigen die Haftung des Hautschutzmaterials.
Waschlappen
Schwämme
Sie bilden einen guten Nährboden für Bakterien und Pilze.
Zellstoff
Watte
Papiertaschentücher
Toilettenpapier
Sie können sehr stark an der Darmschleimhaut haften, krümeln und lassen sich schwer entfernen. 

Zuschnitt der Hautschutzplatte

Korrekter Zuschnitt der Hautschutzplatte

Zum Schutz der stomaumgebenden Haut ist es wichtig, dass die Hautschutzplatte an die Größe Ihres Stomas angepasst wird. Jede Stomaanlage hat ihre individuelle Form. Fertigen Sie sich am besten vor dem ersten Versorgungswechsel eine Schablone an (zum Beispiel aus transparenter Kunststofffolie), die Sie als Vorlage zum Ausschneiden der Hautschutzplatte verwenden.

Entsprechende Schablonen können Sie auch über unser Service-Telefon anfordern.
Service-Telefon: (0 56 61) 71-33 99

Benutzen Sie zum Ausschneiden eine leicht gebogene Schere. Um Hautirritationen zu vermeiden, muss die Ausschnittsöffnung so angepasst sein, dass zwischen Stoma und Hautschutzplatte keine ungeschützte Haut verbleibt, die in Kontakt mit den Ausscheidungen kommen kann. Im Gegensatz zur Darmschleimhaut der Stomaanlage kann die ungeschützte Haut empfindlich mit Veränderungen auf Ausscheidungen reagieren.

Besonders in den ersten Wochen und Monaten nach der Operation verändert das Stoma Form und Größe. Aus diesem Grund ist gerade zu Beginn eine regelmäßige Kontrolle des Stomadurchmessers mit entsprechender Anpassung Ihrer Schablone und Ihrer Versorgung wichtig.

Versorgungswechsel - Wann?

Das Versorgungssystem sollte gewechselt werden, wenn ...

… der Beutel bis zur Hälfte seines Volumens gefüllt ist und nicht entleert werden kann,
… der Aktivkohlefilter erschöpft ist,
… eine Undichtigkeit der Versorgung auftritt,
… sich die Hautschutzplatte von der Haut löst,
… sich ein unangenehmes Hautgefühl unter der Hautschutzplatte einstellt.

Bei einteiligen Versorgungen wird bei Bedarf das komplette System (Hautschutz und Beutel) gewechselt. Dies kann bis zu dreimal täglich, individuell auch häufiger, der Fall sein.
Bei zweiteiligen Versorgungen wird der Kolostomiebeutel mehrfach täglich gewechselt (bis zu dreimal oder individuell auch häufiger), während die Basisplatte mehrere Tage auf der Haut verbleiben kann (Empfehlung: 3 Tage).

Übernahme der Kosten

Die meisten Stomaprodukte fallen in die Kategorie der Hilfsmittel. Sie sind nicht apothekenpflichtig und belasten nicht das Budget des Arztes.

Die Kosten werden mit wenigen Ausnahmen von den Krankenkassen erstattet.

Die Abrechnung der Stomaprodukte mit den Kostenträgern erfolgt nach bundesweiten Festbeträgen. Diese Festbeträge werden von den Spitzenverbänden der Krankenkassen festgelegt und jährlich überprüft.

Pauschalverträge
Immer öfter schließen Krankenkassen mit Hilfsmittellieferanten sogenannte Pauschalverträge ab. Für Sie bedeutet dies, dass Sie Material bis zu einer Summe X erhalten. Die Pauschalversorgung verpflichtet den Lieferanten jedoch zur ausreichenden Grundversorgung.

Zuzahlungsregelungen
Für Produkte, deren Preise über den gültigen Festbeträgen liegen, müssen Patienten die Differenz als private Zuzahlung tragen. Grundsätzlich gilt weiterhin die gesetzliche Zuzahlungsregelung von zehn Prozent je Packung, höchstens jedoch zehn Euro im Monat für alle zum Verbrauch bestimmten Hilfsmittel.

Eigenfinanzierung bei Zubehörprodukten ohne therapeutischen Nutzen
Zubehörprodukte ohne therapeutischen Nutzen, die nicht in den Bereich der Hilfsmittel fallen und somit nicht im Hilfsmittelverzeichnis geführt werden, müssen komplett selbst finanziert werden. Hierzu gehören beispielsweise Vlieskompressen, Geruchsbanner, spezielle Reinigungsmittel und Reinigungstücher, gelbildende Produkte oder Entsorgungsbeutel.
Detaillierte Informationen erhalten Sie unter www.bvmed.de und www.ikk.de.

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