Hygienemanagement Gefahrstoffverordnung

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Die neue GHS/CLP-Verordnung – Was wirklich wichtig ist!

Auf einem globalisierten Markt Risiken zu reduzieren, war das Ziel der Vereinten Nationen, als sie beschlossen, ein weltweit einheitliches System zur Klassifizierung und Kennzeichnung von Chemikalien zu entwickeln.

Ergebnis war das Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS), auf dessen Basis für Europa die Regulation on Classification, Labelling and Packaging of Substances and Mixtures (CLP-Verordnung) entwickelt wurde.

Seit Juni 2015 ist diese Verordnung vollständig in Kraft getreten. Die Gefahrstoffverordnung wird nun in einer Neufassung veröffentlicht.

Die positiven Effekte der Harmonisierung liegen vor allem in der Erhöhung des Schutzniveaus von Gesundheit und Umwelt. Für Unternehmen besteht der Hauptvorteil sicherlich in der signifikant vereinfachten Teilnahme am Welt- und Binnenhandel.

Mit der CLP-Verordnung verbinden sich vielfältige Verpflichtungen für Hersteller, Importeure und Händler. Aber auch für alle Arbeitgeber, deren Mitarbeiter mit potenziellen Gefahrstoffen arbeiten, sind die neuen Verordnungen von hoher Relevanz.

Wir möchten Sie mit den wichtigsten Neuerungen vertraut machen und zur Begriffsklärung beitragen. Hier finden Sie Informationen zu folgenden Inhalten:

  • GHS und CLP
  • Die wichtigsten Neuerungen
  • Handlungsbedarf und Fristen
  • Gefahrenpiktogramme, Gefahrenklassen und Gefahrenhinweise im Überblick

GHS und CLP

In eigener Sache: CLP-Kennzeichnung bei B. Braun

Seit dem 01.06.2015 produziert B. Braun Desinfektionsmittel mit Etiketten, auf denen neue Gefahrenpiktogramme, Signalwörter, Gefahren- und Sicherheitshinweise aufgeführt werden. Die Anpassung der Sicherheitsdatenblätter und Betriebsanweisungen mit den neuen Angaben ist umgesetzt.

Für eine Übergangszeit bis zum 01.06.2017 können Produkte mit Etiketten der bisherigen Kennzeichnung weiterhin verkauft und eingesetzt werden. Daher sind auch weiterhin Betriebsanweisungen mit den alten Gefahrenhinweisen notwendig. Sicherheitsdatenblätter und Betriebsanweisungen stehen auf unserer Website zum Download bereit.  Betriebsanweisungen mit neuen Angaben haben den Zusatz „CLP“. Betriebsanweisungen mit den alten Kennzeichnungen sind mit dem Zusatz "DPD" gekennzeichnet. Bitte beachten Sie außerdem das Merkblatt zur Betriebsanweisung.

GHS: Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals

Das global harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) ist eine Modellvorschrift der Vereinten Nationen (UN), die die Einstufung von Chemikalien standardisiert und deren Kennzeichnung in Sicherheitsdatenblättern sowie auf Produktverpackungen regelt.

Das System wurde von den Vereinten Nationen vor allem initiiert, um die Risiken bei der Herstellung, dem Transport und der Anwendung von Gefahrstoffen zu minimieren.

CLP-Verordnung bzw. Verordnung (EG) Nr. 1272/2008

Die CLP-Verordnung bzw. Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates regelt die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen und basiert auf dem global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien der UN. Die Verordnung trat schrittweise in Kraft. CLP steht für Classification, Labelling and Packaging – Klassifizierung, Etikettierung und Verpackung.

Die wichtigsten Neuerungen

Die durch das Inkrafttreten der CLP-Verordnung entstehenden Neuerungen umfassen formal die Terminologie und die Darstellung der Gefahrenstufen sowie inhaltlich die Einstufung der Gefährdung einiger Chemikalien nach Gefahrenklassen. Im Folgenden bieten wir Ihnen Informationen über:

  • Die neue Terminologie
  • Die neue Visualisierung
  • Die neuen Gefahrenklassen
  • Die neuen Gefahren- und Sicherheitshinweise (H- und P-Sätze)
  • Die Verschärfung der Kriterien
  • Die neue Kennzeichnung am Beispiel

Die neue Terminologie

Neue Begriffe
Alte Bezeichnungen
„Gemische“ „Zubereitungen“
„Gefahrenpiktogramme“ „Gefahrensymbole“
„Sicherheitshinweise“ „Sicherheitssätze“ (Sicherheitsratschläge)
Signalworte:
„Gefahr“ für höhere und
„Achtung“ für niedrigere Gefahreneinstufungen
Gefahrenbezeichnungen

Die neue Visualisierung

In der neuen CLP-Verordnung treten neue, rot umrahmte Gefahrenpiktogramme an die Stelle der früheren orangefarbenen Gefahrensymbole.

Alt: die bisherigen Gefahrensymbole in Orange, Neu: die rot umrahmten Gefahrenpiktogramme

Neue Gefahrenklassen

Die bisherigen 15 Gefahrenmerkmale werden durch insgesamt 29 Gefahrenklassen ersetzt, die wiederum eingeteilt werden in:

  • 16 physikalisch/chemische Gefahrenklassen,
  • 10 Gesundheitsgefahrenklassen,
  • 2 Umweltgefahrenklassen und
  • 1 Klasse für weitere Gefahren.

H- und P-Sätze formulieren Gefahren- und Sicherheitshinweise

Hazard Statements, kurz: H-Sätze, beschreiben sehr differenziert die von den Chemikalien ausgehenden Gefahren. Sie ersetzen die früher geltenden R-Sätze (Risikosätze).

Precautionary Statements, kurz: P-Sätze, formulieren Sicherheitshinweise zu Prävention, Reaktion, Lagerung und Entsorgung. Sie ersetzen die früher geltenden S-Sätze (Sicherheitssätze).

Durch die strengeren Kriterien werden alle atemwegssensibilisierenden Stoffe im Rahmen der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 als gefährlich eingestuft. Sie müssen mit dem Piktogramm des menschlichen Umrisses gekennzeichnet werden.

Neu: Verschärfung der Kriterien

Die neue CLP-Verordnung legt zum Teil strengere Kriterien für die Klassifizierung der Chemikalien an. Bei gleichbleibender Rezeptur werden Stoffe und Gemische nun meist höher eingestuft als bisher.
Einige Produkte, die bisher keiner Kennzeichnungspflicht unterlagen, müssen im Rahmen des Inkrafttretens der Verordnung eine Kennzeichnung erhalten, obgleich sich an den Inhaltsstoffen und deren Zusammensetzung nichts verändert hat.

So wurde der Schwellenwert für die akute orale Toxizität abgesenkt, wodurch die Klassifikation von „gesundheitsschädlich“ auf „akute Toxizität“ steigt.

Neben dem Flammpunktkriterium wird bei dem Aspekt Brennbarkeit von Flüssigkeiten nun auch deren Siedepunkt berücksichtigt, was zu einigen Verschärfungen in der Einstufung führt.

Die Einstufungsgrenzen für reproduktionstoxische Stoffe sowie für Haut und Augen reizende und ätzende Stoffe in Mischungen wurden gesenkt.  

Bitte beachten Sie:
Aus den Änderungen ergeben sich teilweise Auswirkungen auf den Mutterschutz!

Die neuen Kennzeichnungen im Überblick

Im Folgenden finden Sie ein Musteretikett mit allen wesentlichen Bestandteilen der neuen CLP-Verordnung.

Die neuen Kennzeichnungselemente im Überblick

Handlungsbedarf

Was zu tun ist

Alle Unternehmen sind aufgefordert, sich fristgerecht auf die neue Gefahrstoffkennzeichnung ein- und umzustellen – als Erzeuger, Händler, Importeur oder allgemein als Arbeitgeber.

Handlungsbedarf für Hersteller, Importeure und Händler

Unternehmen sind verpflichtet, Ihre Gefahrstoffkennzeichnung an die neue Rechtsgrundlage anzupassen und ihr Gefahrstoffverzeichnis zu aktualisieren.

Die Gefährdungsbeurteilung muss ajouriert und um die neuen H- und P-Sätze ergänzt werden

Genereller Handlungsbedarf für Arbeitgeber

Die neue CLP-Verordnung ist auch für Unternehmen interessant, die nicht Händler, Importeure oder Erzeuger von Chemikalien sind. Für sie sind primär zwei Faktoren wesentlich:

1. Die Anpassung der betriebsinternen Kennzeichnung:  
Betriebe, in denen entsprechende Chemikalien verwendet werden, sind verpflichtet, Betriebsanweisungen, Handlungsanweisungen und die Gefahrstoffkennzeichnung betriebseigener Behältnisse zu adaptieren.

2. Die Gefährdungsbeurteilung:
Darüber hinaus sollten Arbeitgeber prüfen, ob ihre Mitarbeiter jetzt – gemäß der neuen, z.T. strengeren Verordnung(!) – mit als Gefahrstoffen eingestuften Substanzen arbeiten und gegebenenfalls entsprechend reagieren. Insbesondere der Mutterschutz kann von den Regelungen betroffen sein. Gemäß § 6 Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen haben Unternehmen die Pflicht zur „Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung“. Daraus ergibt sich, dass Arbeitgeber feststellen müssen, ...

„ (...) ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben oder ob bei Tätigkeiten Gefahrstoffe entstehen oder freigesetzt werden können. Ist dies der Fall, so hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen:

1. gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Zubereitungen, einschließlich ihrer physikalisch-chemischen Wirkungen,
2. Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit insbesondere im Sicherheitsdatenblatt,
3. Art und Ausmaß der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege; dabei sind die Ergebnisse der Messungen und Ermittlungen nach § 7 Absatz 8 zu berücksichtigen,
4. Möglichkeiten einer Substitution,
5. Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich der Arbeitsmittel und der Gefahrstoffmenge
6. Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte,
7. Wirksamkeit der ergriffenen oder zu ergreifenden Schutzmaßnahmen,
8. Erkenntnisse aus arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.“

(Quelle: § 6 der Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen)

Laut § 7, Absatz 3 der Gefahrstoffverordnung ist die Prüfung der Möglichkeit einer Substitution (§6, Absatz 1 Satz 2, Nummer 4 GefStoffV) allen anderen Maßnahmen vorzuziehen. Arbeitgeber sind verpflichtet, wenn möglich Gefahrstoffe durch Stoffe zu ersetzen, die nicht oder weniger gefährlich sind.

Fristen

Für das Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 gelten folgende Fristen und Übergangsfristen:

20.01.2009: Inkrafttreten der CLP-Verordnung
01.12.2010: Inkrafttreten der Kennzeichnungspflicht für Stoffe
01.12.2012: Ende der Abverkaufsfrist für Stoffe
01.06.2015: Inkrafttreten der Kennzeichnungspflicht für Gemische
01.06.2017: Ende der Abverkaufsfrist für Gemische mit alter Kennzeichnung.

Jetzt müssen alle Produkte vollständig auf die CLP- Kennzeichnung umgestellt sein. Bereits erworbene lagernde oder angebrochene Produkte dürfen von Endkunden auch noch nach diesem Zeitraum verwendet und aufgebraucht werden.

Erläuterung zu den Übergangsfristen

Bei der Gefahreneinstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Gemischen gelten Übergangsfristen für Erzeuger und Handel. Produkte die vor den Stichtagen hergestellt wurden, dürfen für die Dauer von zwei Jahren mit der alten Kennzeichnung vertrieben werden.
Bis 2015 durften die Sicherheitsdatenblätter die Einstufung nach altem und neuem Recht enthalten. Verpackungen und Labels mussten entweder nach neuem oder nach altem System erfolgen: Doppelkennzeichnungen waren nicht gestattet.

Überblick

H-, EUH- und P-Sätze zum Download

Beschreibung Dokument Link
Liste der H-Sätze H200-REIHE: Physikalische Gefahren, H300-REIHE: Gesundheitsgefahren, H400-REIHE: Umweltgefahren
pdf (637.6 KB)
Liste der EUH-Sätze Manche Gefahrenhinweise des ehemaligen EU-Kennzeichnungssystems wurden nicht direkt in die CLP integriert. Die dreistelligen Ziffern der EU-Gefahrenhinweise verweisen auf den früher geltende R-Sätze. EUH-Sätze haben nur in den Ländern der EU Gültigkeit.
pdf (24.8 KB)
Liste der P-Sätze P100-REIHE: Allgemeines, P200-REIHE: Prävention, P300-REIHE: Gegenmaßnahme, P400-REIHE: Aufbewahrung, P500-REIHE: Entsorgung
pdf (35.9 KB)

Weiterführende Informationen

Beschreibung Dokument Link
Leitlinien der European Chemicals Agency (ECHA) zur CLP-Verordnung
link
GHS-Broschüre des Bundesumweltamtes
link
Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS)
link
Plakat Gefahrstoffe – Kennzeichnung und Einstufung nach GHS/CLP der bgw
link
Plakat Orientierungshilfe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
link
Übersicht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien in der EU
link