Allgemeines Multiresistente Erreger

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Multiresistente Erreger – Daten und Trends

In Deutschland treten laut Bundesgesundheitsministerium schätzungsweise 400.000 bis 600.000 nosokomiale Infektionen pro Jahr auf – 10.000 bis 15.000 Patienten sterben daran.

An dieser Morbiditätsrate tragen antibiotikaresistente Erreger einen Anteil. Anhand der Daten der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des RKI und der Prävalenzstudie lässt sich schätzen, dass 2013 circa 11.000 Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), 4.000 Infektionen durch Vancomycin-resistente Enterokokken (Enterococcus faecalis und faecium), 8.000 Infektionen durch multiresistente Escherichia coli, 2.000 Infektionen durch multiresistente Kebsiella pneumoniae und etwa 4.000 Infektionen durch Pseudomonas aeruginosa verursacht wurden.1

Die wichtigsten multiresistenten Erreger führten damit zu etwa 29.000 Infektionen. Somit waren 2013 schätzungsweise ca. 6 % der nosokomialen Infektionen durch multiresistente Erreger bedingt. 1.500 Fälle bzw. 0,3 % aller nosokomialen Infektionen in Deutschland gehen auf multiresistente Erreger zurück, die gegen fast alle Antibiotika-Klassen resistent sind – mit steigender Tendenz.1 Schauen Sie auch bei der Deutschen Initiative DART (Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie).

Weltweite Zunahme von Antibiotika-Resistenzen

Nicht nur der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in Human- und Veterinärmedizin beschleunigt die Entwicklung von Resistenzen. Vielmehr tragen auch mangelhafte Hygienemaßnahmen dazu bei, dass sich resistente Krankheitserreger weltweit ausbreiten.

Die europäischen Resistenz-Daten, die seit 1998 vom europäischen Überwachungssystem EARS-Net (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network) für Isolate vom Menschen erfasst werden, zeigen für Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) sehr niedrige Resistenz-Raten in den skandinavischen Staaten und den Niederlanden.2

Südeuropäische Länder liegen im europäischen Vergleich mit den höchsten Resistenz-Raten bei diesen Erregern weit vorn. Deutschland nimmt bei MRSA eine Mittelfeldposition ein.

Während die Resistenz-Raten insgesamt bei grampositiven Erregern (z. B. Staphylokokken, Enterokokken) relativ stabil bleiben und in einigen Ländern sogar abnehmen, steigen die Resistenz-Raten für gramnegative Erreger europaweit deutlich an. Zu diesen gehören beispielsweise Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa. Deutschland liegt auch hier im Mittelfeld.2

Die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen gegen Antibiotika hat sich weltweit zu einem gravierenden Problem der öffentlichen Gesundheit entwickelt. Dabei lässt sich die Selektion und Weiterverbreitung von resistenten Krankheitserregern insbesondere durch eine sachgerechtere Verordnung von Antibiotika minimieren.

Entwicklung der ambulanten Antibiotika-Verordnungen

In einer Studie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung wurde 2014 erstmalig die Entwicklung der Antibiotika-Verordnungen im ambulanten Versorgungssektor in Deutschland nicht nur beschreibend, sondern auch analytisch untersucht.

Für die Studie wurden Arzneiverordnungen aus Arztpraxen zwischen 2008 und 2012 ausgewertet. Dabei haben sich signifikante rückläufige Trends bei der Verordnung von Antibiotika gezeigt, wobei es regionale und altersabhängige Unterschiede gibt.

Der Anteil von Antibiotika-Verordnungen bei Kinderärzten sank demnach deutlich. Lag der Anteil 2008 noch bei 39,9 Prozent und 2009 sogar bei 41,2 Prozent, sank er bis 2011 auf 37,6 Prozent.

Die Studie ergab außerdem ein West-Ost-Gefälle. Spitzenreiter bei den Verordnungen durch niedergelassene Ärzte sind Rheinland-Pfalz und das Saarland. In den neuen Bundesländern verordnen die Ärzte hingegen weniger Antibiotika. Aber auch in Schleswig-Holstein und Bayern sind die Verordnungszahlen vergleichsweise niedrig.

Auch wenn die Untersuchung einen insgesamt rückläufigen Trend bei der Verordnung von Standard-Antibiotika verzeichnet, wurde ein unveränderter Einsatz von Fluorchinolonen und eine zunehmende Bedeutung von Cephalosporinen, beides Reserve-Antibiotika, festgestellt. Die Wirkstoffgruppen sind insbesondere an der Entstehung multiresistenter Erreger im gramnegativen Bereich beteiligt.

Um der bakteriellen Resistenzbildung entgegenzuwirken, sollte zukünftig eine Reduzierung der Verordnung dieser Stoffgruppen in der ambulanten Versorgung in Deutschland angestrebt werden.

1 (Quelle: RKI, Stand: 24.7.2015).
2 (Quelle: BMG)

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