Maßnahmen Multiresistente Erreger

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Maßnahmen zur Infektionskontrolle

Nur durch rechtzeitige und angemessene Maßnahmen zur Infektionskontrolle lassen sich Übertragungen von MRE verhindern und die Entstehung endemischer Situationen abwenden sowie auch zusätzliche Kosten für die betroffenen Einrichtungen vermeiden.

Screening

Bei der Prävention von MRE kommt dem Screening von Patienten bei der Aufnahme in Krankenhäuser eine zunehmende Bedeutung zu.

In Anlehnung an die Empfehlungen des RKI zur Prävention und Kontrolle von MRSA wird ein Aufnahmescreening auf MRSA empfohlen, in ausgewählten Fällen auch auf weitere MRE.

Ein Screening umfasst Kontrollabstriche der vorderen Nasenvorhöfe, des Rachens, der Perinealregion, der Leistenregion und von eventuell vorhandenen Wunden.

Das Screening sollte druchgeführt werden bei:

1. Patienten mit bekannter MRSA Anamnese,
2. Patienten aus Regionen/Einrichtungen mit bekannt hoher MRSA-Prävalenz (z. B. Einrichtungen in Ländern mit hoher MRSA-Prävalenz oder Einrichtungen mit bekannt hoher MRSA-Prävalenz in Deutschland),
3. Dialysepatienten,
4. Patienten mit einem stationären Krankenhausaufenthalt (> 3 Tage) in den zurückliegenden 12 Monaten (in einem Krankenhaus in Deutschland oder in anderen Ländern),
5. Patienten, die regelmäßig (beruflich) direkten Kontakt zu MRSA haben, wie z. B. Personen mit Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren (Schweine, Rinder, Geflügel),
6. Patienten, die während eines stationären Aufenthaltes Kontakt zu MRSA Trägern hatten (z. B. bei Unterbringung im gleichen Zimmer),
7. Patienten mit chronischen Hautläsionen (z. B. Ulkus, chronische Wunden, tiefe Weichgewebeinfektionen),
8. Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit (z. B. Immobilitat, Störungen bei der Nahrungsaufnahme/ Schluckstörungen, Inkontinenz, Pflegestufe) und einem der nachfolgenden Risikofaktoren:
- Antibiotikatherapie in den zurückliegenden 6 Monaten,
- liegende Katheter (z. B. Harnblasenkatheter, PEG-Sonde, Trachealkanüle)

Wenn bei einem Patienten ein MRE nachgewiesen wurde, müssen von den Mitpatienten im selben Krankenzimmer ebenfalls Abstriche gemacht werden. Bei gehäuftem Auftreten von MRE, die in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang stehen und bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist, können Untersuchungen bei den Mitarbeitern des betroffenen Bereiches erforderlich sein.

Isolierungsmaßnahmen

Zur Verhinderung der Keimverbreitung muss der betroffene Patient von Nicht-Keimträgern isoliert werden, sofern das Bakterium in den Atemwegen und/oder auf der Haut nachgewiesen wurde. Befindet sich der Erreger in einer Wunde, so ist eine Isolierung nicht notwendig, wenn der Verband die Wunde gut abdeckt und die hygienischen Grundregeln beim Verbandwechsel eingehalten werden.

Eine Isolierung umfasst folgende Maßnahmen:

  • Gekennzeichnetes Einzelzimmer für den betroffenen Patienten.
  • Kontaktpersonen (Ärzte, Pflegepersonal, Angehörige) sollten auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden.
  • Bei direktem Kontakt mit dem Patienten sind Schutzkittel und Einmalhandschuhe zu tragen.
  • Bei MRSA ist insbesondere wegen des Risikos der nasalen Besiedelung bei der Patientenpflege ein Mund-Nasen-Schutz anzulegen. 
  • Die Wäsche und persönlichen Utensilien des Patienten sind während der antiseptischen Sanierungsphase täglich zu wechseln bzw. zu desinfizieren. 
  • Alle einer möglichen Kontamination ausgesetzten patientennahen Kontaktflächen müssen desinfiziert werden.

Trotz Isolierungsmaßnahme hat ein Patient mit MRE-Besiedelung generell das gleiche Anrecht auf adäquate Therapie und Behandlung wie jeder andere Patient auch. Elektive Eingriffe sollten jedoch verschoben werden, bis eine Dekolonisierung durchgeführt wurde. 

Für MRSA-kolonisierte oder -infizierte Patienten kann die Isolierung aufgehoben werden, wenn frühestens drei Tage nach Abschluss der Behandlung an drei aufeinanderfolgenden Tagen MRSA-negative Abstriche den Sanierungserfolg bestätigen.

Desinfektionsmaßnahmen

Im Gegensatz zum Operationssaal ist die Übertragungsmöglichkeit auf den Stationen von Krankenhäusern wesentlich höher. Deshalb müssen hier die vorgeschriebenen Desinfektionsmaßnahmen nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) konsequent eingehalten werden, um MRE zu reduzieren.

Dazu zählen folgende Maßnahmen:

  • Händedesinfektion
    Die Händedesinfektion ist die wichtigste Desinfektionsmaßnahme. 90 % aller nosokomialen Infektionen werden über die Hände übertragen.
  • Instrumentendesinfektion
    Für die Instrumentendesinfektion sind gelistete aldehydische bzw. alkoholische Präparate einzusetzen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist.
  • Raum- und Flächendesinfektion
    Die Kontakt- und Oberflächen des Zimmers sind mindestens einmal täglich einer Scheuer-Wischdesinfektion zu unterziehen.
  • Reinigungsutensilien
    Die Utensilien für die Wischdesinfektion sind zimmergebunden. Sie sind täglich sicher zu entsorgen bzw. sachgerecht wieder aufzubereiten.
  • Schlussdesinfektion
    Bei Verlegung oder Entlassung des Patienten ist das Zimmer einer abschließenden umfassenden Scheuer-Wischdesinfektion zu unterziehen.

Sanierungsmaßnahmen

In Abhängigkeit vom MRE, seiner Lokalisation und seiner Bedeutung als kolonisierender bzw. infizierender Erreger muss die Sanierung antiseptisch, systemisch antibiotisch oder kombiniert durchgeführt werden.

Die Praxis der Sanierung bzw. Dekolonisierung von MRE-Patienten, insbesondere von MRSA-Patienten, richtet sich nach den Empfehlungen für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Instituts.

Ziel einer Sanierung ist es, die Keimanzahl des betreffenden Keimes weitesgehend zu verringern. Des Weiteren ist eine Rekontaminierung des Patienten zu vermeiden.

Zur Sanierung einer nasalen MRSA-Besiedelung ist die Applikation von Prontoderm® Nasal Gel (dreimal täglich über mindestens drei Tage in beide Nasenvorhöfe) zu empfehlen. Eine nasale Sanierung reduziert in der Regel auch die Kolonisation an anderen Körperstellen.

Zur Sanierung einer Besiedelung der Haut mit MRSA sind bei intakter Haut antiseptisch wirkende Seifen und Lösungen mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Ganzkörperwaschung unter Einschluss der Haare zu empfehlen.

Nase, Mund und Rachen müssen unbedingt in das Dekolonisierungskonzept einbezogen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt polihexanidhaltige Produkte zur Ganzkörperwaschung (z. B. Prontoderm®). Dabei ist es wichtig, bestimmte Hygienestandards einzuhalten sowie die Produkte und Hilfsmittel richtig einzusetzen.

Die genaue Abfolge der einzelnen Handlungsschritte bei der Dekolonisierung sind auf dem Schaubild „MRE-Dekolonisation mit dem Prontoderm ® System“ anschaulich dargestellt. Sie können sich das PDF am Ende dieser Seite herunterladen.

Zur Verhinderung von Rekolonisierungen ist während der Sanierungsmaßnahmen ein täglicher Wechsel von Bettwäsche, Bekleidung und Utensilien der Körperpflege (Waschlappen u. ä.), insbesondere nach keimlastreduzierender Ganzkörperwaschung, durchzuführen. Persönliche Gegenstände (Brillen, Rasierer, Zahnbürsten etc.) sind im Zimmer zu belassen und zu desinfizieren bzw. auszutauschen.

Behandlungsabschluss

Diese Maßnahmen können die Keimlast beim Patienten nach 2 bis 6 Tagen reduzieren. Die Isolationsmaßnahmen werden jedoch erst aufgehoben, wenn dies auch gesichert ist. Hierzu werden frühestens am ersten Tag nach Ende der Sanierung Kontrollabstriche abgenommen. Folgende Abstriche werden benötigt: Nase, Rachen, Achseln, Stirn-Haar-Grenze. Es können auch noch (nach nachgewiesener Besiedelung) folgende Abstriche gefordert sein: Wunden, bestimmte Hautbereiche und/oder eine Urinkultur. Die letzte Serie kann auch in Absprache mit der Hygienefachkraft als PCR-Schnelltest laufen. Wenn drei negative Befunde der Abstriche vorliegen, darf die Isolationsmaßnahme aufgehoben werden.

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Beschreibung Dokument Link
Prontoderm® zur keimlastreduzierenden Waschung (auch MRE) Anwendungshinweise
pdf (1.7 MB)