3D-Technologie in der Laparoskopie

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Die 3D-Laparoskopie – Neue Technologie auf dem Prüfstand

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Grimminger, Oberarzt Allgemeinchirurgie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Vorwort

Die Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie der Universität Köln bietet das gesamte Spektrum der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Ergänzt wird dies durch die Transplantationschirurgie (Niere, Pankreas und Leber), die Chirurgie des morbiden Übergewichtes und die Kinderchirurgie. Proktologie und zahlreiche Spezialsprechstunden runden das Spektrum ab. Als Haus der Supramaximalversorgung ist unsere Klinik in der Lage auch Schwerstverletzte rund um die Uhr interdisziplinär adäquat zu behandeln.
Ein Schwerpunkt besteht in der Behandlung von Tumoren des gesamten Verdauungstraktes und der endokrinen Drüsen. Als Exzellenzzentrum für die Behandlung von Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens genießt die Klinik internationalen Ruf.
Die Patienten werden von einem ärztlichen Team aus einem Direktor, 8 Oberärzten, 20 Fach- und Assistenzärzten versorgt.
Dies findet im interdisziplinären Rahmen – bettseitig ebenso wie in gemeinsamen Konferenzen – statt. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Patient und eine auf ihn zugeschnittene, individualisierte Therapie nach dem jüngsten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis. Mit der klinikeigenen Forschung arbeiten wir an diesem Erkenntnisgewinn mit. In der an der Klinik abgehaltenen Lehre geben wir diese Erkenntnisse an medizinische und nichtmedizinische Berufsgruppen weiter.

Anwendungsmöglichkeiten

Die Anwendungsmöglichkeiten des EinsteinVision® 3D decken sich grundsätzlich mit denen der bisherigen (2D) Laparoskopie. Bildauflösung und Bilddarstellung ermöglichen den Einsatz des EinsteinVision® 3D auch bei sämtlichen zuvor in 2D-Technik durchgeführten Operationen. Allerdings erfordert der kleinere Bildausschnitt durch die Vergrößerung des EinsteinVision® 3D zunächst eine Umgewöhnung. Dieses kann insbesondere für den laparoskopisch weniger erfahrenen Chirurgen anfänglich schwierig sein. An dieser Stelle wäre für die Zukunft eine Möglichkeit des „Zoomens“ wünschenswert und technisch sicher realisierbar. [Anm. d. Red.: Das Thema wurde seitens Aesculap aufgenommen und in Form eines elektronischen Zooms umgesetzt]
Auch eine Blickwinkelveränderung im Sinne einer Neigung der 30° Optik muss man mit dem EinsteinVision® 3D in Kauf nehmen, da ein Neigen der 30° 3D-Optik nicht möglich ist. Dafür kann man jedoch die Optik um 180° rotieren. An das Tragen von 3D-Brillen und die Verwendung eines einzelnen, jedoch großen 3D-Monitors gewöhnt man sich problemlos. Die in den Operationssälen fest installierten Monitore sind – zumindest in unserer Klinik-, nicht 3D-fähig und können somit allenfalls das Bild nur zweidimensional übertragen. Auch dies wird nicht als störend empfunden.
Da sich der Einsatzaufwand des EinsteinVision® 3D nicht von den anderen 2D laparoskopischen Systemen unterscheidet, haben wir den EinsteinVision® 3D für nahezu alle in unserer Klinik durchgeführten Operationen erfolgreich eingesetzt, von der laparoskopischen Appendektomie bis zur thorakoskopischen Ösophagektomie.

Nutzen und Vorteile für den Anwender

Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung ist die Handhabung des EinsteinVision® 3D sehr einfach. Sehr überzeugend und vorteilhaft ist die besondere Bildschärfe auf dem großen Monitor. Aufgrund der 3-dimensionalen Darstellung auch von feinsten anatomischen Strukturen und auch weit in der Tiefe des Situs, ist es möglich die anatomischen Strukturen präzise und exakt zu präparieren und feine Nähte intrakorporal zu legen und zu knoten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass insbesondere bei der an unserer Klinik sehr häufig durchgeführten laparoskopischen Gastrolyse (Mobilisierung des Magens im Rahmen der Ösophagusresektion beim Ösophaguskarzinom) die feine Präparation zur Lymphadenektomie entlang des Truncus coeliacus, der Arteria hepatica communis und der Arteria lienalis und die Präparation der großkurvaturseitigen Gefäßarkade durch die 3-Dimensionalität und sehr guten Bildauflösung äusserst vorteilhaft ist. Damit ist eine systematische und vollständige Lymphadenektomie in diesem Gebiet mit großer Sicherheit möglich. Auch bei anderen Operationen, bei denen die Präzision der Präparation aufgrund leichter Verletzungsmöglichkeiten umliegender Strukturen sehr wichtig ist, ergeben sich durch die Verwendung des EinsteinVision® 3D deutliche Vorteile. Dieses erweitert die Indikation zur laparoskopischen 3D-Operation für entsprechende Erkrankungen.

Abb. 1: Intrathorakaler Situs bei der Enukleation eines großen Ösophagusleiomyoms

Als Beispiel sei der intraoperative Situs einer Patientin mit einem 8x6x2 cm messendem Leiomyom des oberen thorakalen Ösophagus dargestellt, welches thorakoskopisch mittels EinsteinVision® 3D exstirpiert wurde (siehe Abbildung 1). Bei dieser Präparation ist besonders aufgrund der feinen Adhäsionen des Leiomyoms zu der Ösophagusmukosa und der daraus resultierenden Gefahr einer Perforation, sowie der engen topographischen Lagebeziehung zur Pars membranacea der Trachea, dem Nervus Vagus und dem Ductus thoracicus höchste Vorsicht geboten.
Auch bei Erkrankungen wie der Achalasie ist die laparoskopische Präparation der Ösophagusmucosa bei der Myotomie durch die 3D-Optik von großem Vorteil. Durch das exzellente Bild ist die Operation zudem für den Operateur – nach unserer Erfahrung – deutlich weniger ermüdend und anstrengend.

Nutzen und Vorteile für Patienten

Mit der EinsteinVision® 3D-Laparoskopie bzw. -Thorakoskopie ergeben sich selbstredend für die Patienten durch erhöhte OP-Sicherheit Vorteile. Zum einen bestehen aufgrund der technischen Überlegenheit des 3D-Bildes bei der feinen Präparation von fragilen und sensiblen Strukturen technische Möglichkeiten die vorher eventuell nur durch offene Operationen mit Lupenbrille zu erreichen waren. Weiter hat sich die Patientensicherheit aufgrund des räumlich genau kontrollierbarem Präparieren und Handeln weiter erhöht. Besonders bei Tumoroperationen ist durch den EinsteinVision® 3D eine sichere Resektion des Primärtumors und des Lymphabflußgebietes entlang der Gefäße möglich.

Nutzen für die Klinik

Die Verwendung des EinsteinVision® 3D hat für die Klinik ein abgerundetes Konzept ergeben. Durch die 3D-Laparoskopie bzw. -Thorakoskopie kann unsere Klinik heute technisch auf dem höchsten Niveau liegende minimalinvasive Operationen anbieten. Die Anschaffungskosten sind aufgrund der gleichbleibenden Betriebskosten eine akzeptable Belastung des Etats. Die Verwendung von sterilen Schutzfolien über Kamera und Kamerakabel lässt es zu, dass die Kamera nicht sterilisiert werden muss und vermeidet das Anschaffen von mehreren Kameras. Der statistische Nachweis der Reduktion postoperativer Komplikationen durch die Verwendung des EinsteinVision® 3D steht jedoch noch aus und bleibt bis jetzt spekulativ.

Vorteile für die Aus- und Weiterbildung

Besonders für unsere Studentinnen und Studenten in der Ausbildung jedoch auch Assistenten und Assistentinnen in Weiterbildung ist die Visualisierung der Anatomie und der pathologischen Befunde in situ eine besondere Erfahrung. Das operative und anatomische Verständnis wird durch die 3D-Operation für Lernende einfacher und schneller begreiflich. Besonders für Ärzte mit wenig Erfahrung und geringer Fähigkeit vom 2D-Bild auf die 3-dimensionale (= reale) Situation zu schließen ist die Verwendung des EinsteinVision® 3D von erheblichem Vorteil.

Fazit

Zusammenfassend kann man sehr viele positive Erfahrungen und nur wenige negative Aspekte in der Anwendung des EinsteinVision® 3D schildern. Lediglich die Einschränkung der Kameraführung bei Veränderung des Betrachtungswinkels und der etwas kleinere Bildausschnitt sind nachteilig, ansonsten birgt die 3D-Video-Laparoskopie bzw. -Thorakoskopie erhebliche Vorteile. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase – besonders bei langjähriger Verwendung von 2D-Systemen – stellt das Operieren mit dem EinsteinVision® 3D eine neue Ära dar, mit der sich die Sicherheit und Präzision der Operation deutlich steigern lassen. Der EinsteinVision® 3D ist unserer Ansicht nach die Zukunft des laparoskopischen und thorakoskopischen Operierens.

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Grimminger
Oberarzt Allgemeinchirurgie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
Deutschland