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Prävention vor Infektion

Neues sektorenübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren soll Wundinfektionen nach stationären oder ambulanten chirurgischen Eingriffen vermeiden.

In der Chirurgie stellen postoperative Wundinfektionen ein Risiko für Patienten, und damit eine kontinuierliche Herausforderung an die Hygiene und den Infektionsschutz, dar. Mit dem neuen sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahren (sQS) zur Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen möchte der Gesetzgeber die Verbreitung nosokomialer Infektionen besser erfassen und Qualitätskriterien ableiten. Im Rahmen des sQS sind Kliniken bereits seit 1. Januar 2017 verpflichtet, jeden stationär aufgenommenen Patienten mit Verdacht auf eine postoperative Wundinfektion zu erfassen. Ambulant operierende Ärzte müssen seit 1. Januar 2018 rückwirkend für 2017 dokumentieren. „Mithilfe eines Fragebogens werden chirurgische Praxen über das bereits notwendige Hygienemanagement hinaus Daten erheben“, beschreibt Dr. Lutz Bader von der Kassenärztlichen Vereinigung der KV Bayerns die mit der sQS verbundenen aktuellen Aufgabe der Praxisinhaber auf dem Bundeskongress Chirurgie am 24. Februar.

„Postoperative Wundinfektionen werden bisher in Surveillancesystemen in Deutschland noch nicht ausreichend erfasst“, ergänzt Bader. Die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus sei oft so kurz, dass sich Infektionen meist erst nach der Entlassung manifestieren. Mit dem neuen sQS-Verfahren werde es erstmals möglich, Patienten länger zu beobachten. Praxisinhaber erfassen postoperative Wundinfektionen nach ambulanten Operationen ohne Implantat über einen Beobachtungszeitraum von 30 Tagen und mit Implantat über einen Beobachtungszeitraum von 90 Tagen - jeweils mit und ohne MRSABesiedelung/-Infektion. Bader empfiehlt den betroffenen Vertragsärzten, für die Befragung die Informations- und Schulungsangebote der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu verwenden.

Praxisbetreiber müssen in dem sQS-Fragebogen beispielsweise den Händedesinfektionsmittelverbrauch, perioperative Antibiotika-Prophylaxe, die präoperative Antiseptik und Standards zu Wundversorgung und Verbandwechsel erfassen. „Alles, was im sQS erhoben wird, dokumentieren Einrichtungsbetreiber längst an anderer Stelle“, meint Dr. Markus Schimmelpfennig aus Kassel. Der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes der Region Kassel kritisiert die Vorgaben des sQS als Überregulierung. Ärzte müssten viel offensiver nach außen tragen, was sie seit vielen Jahren für die Qualitätssicherung leisten und wie viele Dinge sie bereits heute doppelt und dreifach dokumentieren. Fakt sei, dass die Gesundheitsämter und Regierungspräsidien sowie Bezirksregierungen seit Jahrzehnten verpflichtet seien nicht nur die Krankenhäuser sondern auch beraten, beaufsichtigen und zu überwachen. „Und zwar durch Vor-Ort-Begehung und nicht rückwirkend Fragebogen-basiert“ macht Schimmelpfennig deutlich.

Die beiden Experten rechnen mit postoperativen Wundinfektionen von ein bis zwei Prozent der Patienten nach einer stationären Operation. Nach einer ambulanten Operation gehen sie von einer deutlich niedrigeren Infektionsrate im Promille-Bereich aus.

Ausführliche Informationen zum sQS gibt es unter www.bbraun.de/ambulantesoperieren.

Quelle: Workshop B. Braun Melsungen AG „QS postoperative Wundinfektionen - „Sektorenübergreifende Qualitätssicherung“, 24.02.2018, Bundeskongress Chirurgie, Nürnberg.Institutionen im ambulanten Sektor, zum Beispiel auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und des Medizinproduktegesetzes (MPG), zu