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Selbstbestimmt leben bis zuletzt

Palliative Begleitung ist für viele Bewohner stationärer Altenpflegeeinrichtungen und ihre Angehörigen von großer Bedeutung. Inzwischen erfährt sie einen höheren Stellenwert.

Denn eine kurative Behandlung ist aufgrund ihrer Multimorbidität und ihres hohen Lebensalters häufig nicht mehr angezeigt oder wird von den Betroffenen abgelehnt. Eine Krankenhauseinweisung zu vermeiden, entspricht dem großen Bedürfnis vieler Heimbewohner und ist das Ziel der weiteren Begleitung dieser Menschen. Begründet durch die gesetzliche Novellierung des Hospiz- und Palliativgesetzes von 2015 erfährt die palliative Versorgung in stationären Altenpflegeeinrichtungen inzwischen einen höheren Stellenwert.

Die Philosophie in der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier bei Düren fühlt sich der palliativen Versorgung ihrer Bewohner schon seit mehreren Jahren verpflichtet. Nicht zuletzt durch das eigens entwickelte HoLDe-Konzept der Einrichtung. Es steht fü

Ho     – Hospiz
L        – Lebenswelt
De     – Demenz

Das Konzept orientiert sich an den Wünschen des einzelnen Bewohners, insbesondere an seinem Lebensende. Eine würdige, respektvolle Begleitung der Menschen und ihres Umfeldes erhält eine besondere Bedeutung. Selbstbestimmt zu leben und Selbstbestimmung im Sterbeprozess zu wahren, sind Ziele der hospizlich-palliativen Begleitung der Einrichtung.

Jeder Bewohner erhält die Möglichkeit – unabhängig von einer Erkrankung – seine Wünsche schriftlich in einer Patientenverfügung niederzulegen. Die Wohnanlage Sophienhof bietet dazu jedem das Angebot zur Beratung bezüglich einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung an. Die Gewissheit, sein Selbstbestimmungsrecht in einer Phase des Lebens wahren zu können, in der man selber keine Einwilligungsfähigkeit mehr hat, gibt vielen Bewohnern eine Sicherheit. Das therapeutische Team des Sophienhofes kennt den Inhalt der Dokumente und kann daraus ableiten, welche Maßnahmen in einer vorab genau beschriebenen Situation nicht mehr ergriffen oder ergriffen werden sollten.

Um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen schnellen Überblick über die inhaltliche Ausrichtung der einzelnen Patientenverfügung, insbesondere in Notfallsituationen, zu verschaffen, bietet die Wohnanlage Sophienhof in Ergänzung eine individuelle Notfallleitlinie an. Durch eine farbliche Kodierung wird sofort ersichtlich, ob der Bewohner:

  • eine Krankenhauseinweisung mit Maximaltherapie in jedem Fall wünscht (rot),  
  • eine Krankenhauseinweisung in bestimmten, von dem Bewohner vorher festgelegten Fällen, wie beispielsweise bei einer Fraktur, möchte (gelb) oder
  • gar keine Krankenhauseinweisung mehr wünscht (grün).

Die individuelle Notfallleitlinie ist die Basis für die hospizlich-palliative Begleitung.

Bevor ein Bewohner in die Einrichtung zieht, wird er nach Möglichkeit im gewohnten Umfeld zu Hause besucht. Im Gespräch werden Wünsche und Bedürfnisse des zukünftigen Bewohners geklärt. Möglichkeiten der Pflege und Betreuung werden veranschaulicht. Gegebenenfalls werden im Vorfeld schon Maßnahmen getroffen, um den Übergang in die Einrichtung reibungslos zu gestalten. Hierzu gehört beispielsweise die Kontaktaufnahme zu Fachärzten oder Sanitätshäusern, um nötige Hilfsmittel bereitstellen zu können. Falls sich beim Hausbesuch herausstellt, dass eine Heimaufnahme nicht zwingend notwendig ist und eine ambulante Betreuung zu Hause möglich ist, erhält der Betroffene Informationen über entsprechende Angebote.

Eine gute Kooperation und Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Professionen sind zusätzliche Pfeiler einer palliativen Versorgung. Die Zusammenarbeit mit den Haus- und Fachärzten wird durch Kooperationsverträge, wie sie im Hospiz- und Palliativ- Gesetz vorgesehen sind, sichergestellt. Eine über Jahre entwickelte Visitenkultur in unserer Einrichtung fußt auf einem guten und regelmäßigen Austausch im therapeutischen Team. Hausärzte kommen in der Regel einmal wöchentlich zur Visite. Zu den hausärztlichen Visiten kommen Besuche von Fachärzten wie z. B. Neurologen, Psychiater, Urologen, Augenärzte und Dermatologen. Ziel ist es, ein individuelles Therapiekonzept für den einzelnen Bewohner, orientiert an seinen Bedürfnissen, zu erstellen.

Um die medizinische Versorgung und die Kooperation mit den Ärzten optimal zu gestalten, gibt es in der Wohnanlage Sophienhof ein Arztzimmer, ausgerüstet für diagnostische Maßnahmen wie Sonografie und EKG. Die Bewohner des Sophienhofes hatten sich gewünscht, für solche Untersuchungen nicht ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Diagnostische und gegebenenfalls therapeutische palliative Schritte können vor Ort erfolgen. Das Arztzimmer liegt direkt in einem der beiden Wohnbereiche. Weiterhin hält die Einrichtung zur Unterstützung der Diagnostik bestimmte Medizinprodukte wie venöse Zugänge, Fadenziehsets und Blutabnahmesysteme vor. Ist zur symptomkontrollierten, palliativmedizinischen Behandlung eine Infusionstherapie notwendig, sind entsprechende Geräte wie Infusomat und Perfusor vorhanden.

Trotz Patientenverfügung sind nicht alle Situationen oder Wünsche des Bewohners in der akuten Situation zweifelsfrei zu erkennen. Dies führt innerhalb des therapeutischen Teams zu ethischen Diskussionen, beispielsweise über die Ablehnung der Nahrungsaufnahme. In solch einem Fall kommt es in einem geschützten Rahmen zu einem ethischen Konsil-Gespräch mit allen Beteiligten – Betroffenen, Angehörigen, Pflegekräften und Ärzten. Die daraus resultierenden Empfehlungen oder Lösungsvorschläge werden schriftlich fixiert und dienen der Handlungsorientierung.

Auch ohne schwerwiegende Problemstellungen werden professionell Pflegende im Berufsalltag mit ethischen Dilemmata konfrontiert, die sie persönlich belasten können. Deshalb treffen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Wohnbereiches jeden Vormittag nach der Pflege zur sogenannten Moment-mal-Ethik. Im Austausch werden ethische Fragen besprochen und Vorgehensweisen geklärt. Die Moment-mal-Ethik betrachtet die Perspektiven der eigenen Person, der Bewohner und der Einrichtung. Dabei geht es auch darum zu fragen, wie es den Pflegenden geht und wie sie mit der Situation zurechtkommen. Die Moment-mal-Ethik ist nicht zu verwechseln mit einer pflegerischen Übergabe.

Tägliches Programm: Moment-mal-Ethik im Sophienhof

Einmal monatlich werden in Fallbesprechungen spezielle Situationen einzelner Bewohner näher beleuchtet. Die Besprechungen werden von Fachärzten geleitet. Möglichst alle Mitarbeiter eines Wohnbereiches nehmen daran teil. Innerhalb des Jahres werden zusätzliche Fortbildungen, die im hospizlich-palliativen Kontext stehen, angeboten. Diese gelten nicht nur für den Pflegenden, sondern für alle Professionen von der Verwaltung bis hin zum Hausmeister. Fachweiterbildungen in Bereichen Palliative Care, Gerontopsychiatrie und Wundbehandlung gehören ebenfalls zum Angebot.

Das Pflegeteam wird von ehrenamtlich Tätigen ergänzt. Hierzu zählt auch die Kooperation mit der örtlichen Hospizbewegung Düren-Jülich. Dadurch wird für bestimmte Bewohner während des gesamten Aufenthaltes im Sophienhof eine persönlich angepasste Einzelbetreuung durch ein und dieselbe feste Bezugsperson möglich. Intensive Gespräche, Spaziergänge oder Unternehmungen sind feste Bestandteile der Einzelbetreuung.

Ist mit der palliativen Betreuung vor Ort keine ausreichende Symptomlinderung zu erzielen oder liegt eine besonders aufwendige Versorgungssituation vor, kann eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung angefordert werden – additiv als Beratungs-, Teil- oder Vollversorgung. Ein SAPV-Team betreut den Bewohner dann zusätzlich zu den Pflegefachkräften vor Ort. Die individuelle Behandlung und Erreichbarkeit rund um die Uhr innerhalb eines multiprofessionellen Teams sind wesentliche Elemente der SAPV. Dies beinhaltet auch die 24-Stunden-Rufbereitschaft eines qualifizierten Palliativarztes (QPA).

Die palliative Versorgung in stationären Altenpflegeeinrichtungen stellt hohe Ansprüche an alle Beteiligten. Eine optimale Versorgung und Begleitung ist nur in einem multiprofessionellen Team gegeben. Dieses zeichnet sich durch gegenseitige Akzeptanz aus, in denen Eigeninteressen fehl am Platz sind. Die Bewohner wahrzunehmen, größtmögliche Autonomie auch oder gerade im Sterben zu ermöglichen, sind die grundlegenden Charakteristika. Dabei werden nicht nur Menschen mit Tumorerkrankungen von der Palliativpflege begleitet, sondern sie ist Teil der allgemeinen Gesundheitsversorgung älterer Menschen. Die Wohnanlage Sophienhof möchte einen Beitrag dazu leisten.

Die Mentalität der Wohnanlage Sophienhof

Die Philosophie der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier ist es, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohner zu berücksichtigen und damit die Übergänge in ihrem Leben bewusst zu begleiten. Je nach Bedarf kann der Einzelne unter verschiedenen Dienstleistungen auswählen: ambulante Pflege, betreutes Wohnen oder stationäre Pflege. In der Wohnanlage werden demenziell Erkrankte betreut. Das Team der SAPV kümmert sich um Schwersterkrankte. Mit Hospizarbeit werden Menschen am Ende ihres Lebens unterstützt. Alle Mitarbeiter orientieren sich immer am Leitbild der Einrichtung und handeln nach christlichen Wertvorstellungen.

Im Rahmen ihres HoLDe-Konzeptes unterstützt der Sophienhof Forschungsprojekte. Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft ist ein besonderes Anliegen, um die Bedürfnissevon alten und kranken Menschen so in die Gesellschaft zu integrieren, dass sie dokumentiert werden und bedarfsorientiert auf zukünftige Entwicklungen Einfluss nehmen können. Im aktuellen Projekt geht es um die Weiterentwicklung der Angehörigenarbeit.

Im Rahmen ihres HoLDe-Konzeptes unterstützt der Sophienhof Forschungsprojekte. Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft ist ein besonderes Anliegen, um die Bedürfnissevon alten und kranken Menschen so in die Gesellschaft zu integrieren, dass sie dokumentiert werden und bedarfsorientiert auf zukünftige Entwicklungen Einfluss nehmen können. Im aktuellen Projekt geht es um die Weiterentwicklung der Angehörigenarbeit.

Die Autorinnen Janine Lörken (B.A.) und Sonja Schmidt (M.Sc.) sind Palliative-Care-Fachkräfte und kommen aus der Krankenpflege. Sie arbeiten in der Einrichtung als Qualitätsbeauftragte.

www.wohnanlage-sophienhof.de

Eindrücke aus der Wohnanlage Sophienhof

 Von Janine Lörken und Sonja Schmidt