Das Tüftler-Gen Ein Porträt

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Das Tüftler-Gen

Vom 19. bis 23. Juni 2017 ist Medtech Week - die europäische Woche der Medizintechnik.

In diesem Rahmen erzählt Sarah Jacobskötter, Produktentwicklerin bei B. Braun, von ihren ganz persönlichen Erfinder-Höhenflügen, Realitäts-Checks und Geduldsproben.

Wenn es eine perfekte Gen-Mischung gibt, um neue Produkte für B. Braun zu entwickeln, dann hat Sarah Jacobskötter diese vermutlich in die Wiege gelegt bekommen: Ihre Mutter ist Ärztin, ihr Vater Maschinenbauingenieur. „Ich schätze, daraus lässt sich tiefenpsychologisch einiges schlussfolgern“, sagt die Einunddreißigjährige – und wenn man ein Augenzwinkern hören könnte, dann hätte es an dieser Stelle deutlich durchgeklungen. 

Doch woher ihr Interesse für Medizintechnik auch rühren mag – ob aus der Gen-Mischung oder der tiefenpsychologischen Prägung – eins ist klar: Sarah Jacobskötter liebt es, zu tüfteln und zu werkeln. Sie wollte schon immer verstehen, wie etwas technisch funktioniert und – falls es das nicht tut – es zum Funktionieren bringen. 

Nice-to-Haves und Must-Haves

Ob sie dann nicht auch Produktentwicklerin für Waschmaschinen-, Flugzeug- oder Fernseh-Technik hätte werden können? 

„Klar ist das von der technischen Seite her spannend“, sagt sie und denkt einen Moment nach. Als sie weiter spricht, ist jegliches Augenzwinkern aus ihrem Tonfall verschwunden: „Aber es ist etwas anderes, ob ich an Nice-to Haves oder an Must-Haves arbeite: Medizintechnische Produkte helfen Menschen, gesund zu werden oder sogar zu überleben – dazu einen Beitrag zu leisten, erfüllt mich.“

Seit August 2013 ist die studierte Wirtschaftsingenieurin bei B. Braun in der Entwicklung tätig und verantwortet als Research & Development Manager die Neuentwicklung eines Infusionsgeräteportfolios zur Anwendung auf Infusionspumpen. Konkret handelt es sich dabei um einen Infusionsschlauch, der mit Tropfkammer und Rollklemme über eine Pumpe die Infusionsflüssigkeit sicher und konstant in den Körper des Patienten leitet.

Ein Hang zum Perfektionismus

Sarah Jacobskötters Arbeitsalltag ist geprägt von Meetings und engen Projektabstimmungen mit ihren Kollegen: Einzelne Teile werden geprüft und vermessen, die nächsten Schritte besprochen und dann geht es mit dem Prototypen direkt zum Anwender. "Das holt uns manchmal von unseren Erfinder-Höhenflügen auf den Boden der Tatsachen zurück", sagt sie und jetzt ist das gehörte Augenzwinkern wieder da. "Wir Ingenieure haben durchaus einen Hang zum Perfektionismus - aber manchmal tut es eben auch die einfache Lösung."

Sarah Jacobskötter gibt zwar zu, ihren Traumjob auszuüben, frei von Schwierigkeiten oder Durststrecken sei er aber nicht. Ihre größte Herausforderung: Geduld! Ich bin ein Mensch, der das Gefühl braucht, voranzukommen. Vermutlich fahre ich deshalb so gerne Fahrrad oder gehe joggen. Produkentwicklung ist aber ein langer Weg - zum Teil mit Rückschlägen und Verzögerungen. Da komme ich manchmal ganz schön an meine Grenzen."

"Das mit der Geduld ist ja nicht so mein Ding"

Der Übergang in ihre Job-freie Zone, wie sie den Beginn ihrer Elternzeit vor wenigen Wochen bezeichnet, sei ihr nicht ganz leicht gefallen. "Ich bin heilfroh, dass unser Baby nicht lange auf sich warten lassen hat, denn wie gesagt: Das mit der Geduld ist ja nicht so mein Ding", und da ist es wieder deutlich zu hören, das Augenzwinkern. Was sie und ihr Mann - ein Mediziner - ihrem ersten Kind für eine Gen-Mischung in die Wiege gelegt haben, dürfte sich in den kommenden Jahren herausstellen. Aber ein gewisses Tüftler-Gen und ein Faible für Medizintechnik würden vermutlich niemanden verwundern.