Neue Freiheit

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Neue Freiheit

Immer mehr Menschen führen Therapien zu Hause selbst durch, die bislang mit intensiven Krankenhausaufenthalten verbunden waren. Viele Patient*innen gewinnen damit die Macht über ihr Leben zurück – und schonen gleichzeitig die Ressourcen des Gesundheitssystems.

Therapien zu Hause: Schneller wieder gesund? 

Claudia und Matthias Hatscher haben ein spezielles Hobby: Das Ehepaar in den Vierzigern liebt Marvel-Filme. Also gingen die beiden früher sehr oft ins Kino und sahen zusammen „Iron Man“ oder „Der unglaubliche Hulk“. Außerdem besuchten sie jedes Jahr die Kölner Spielemesse Gamescom. Ab 2018 wurde das fast unmöglich. 

 
 
Claudia und Matthias Hatscher

Nach einem Herzinfarkt und aufgrund verschiedener Vorerkrankungen schwächelten Matthias’ Nieren. Die Transplantation einer gesunden Niere schlug fehl, er wurde dialysepflichtig. „Bevor so etwas passiert, kann man sich nicht ausmalen, was das heißt“, sagt Claudia Hatscher. Dialyse bedeutet vor allem: Zeitverlust. Mindestens drei Mal in der Woche muss der Patient in ein medizinisches Dialysezentrum – die Termine kann er sich nicht selbst aussuchen. Dort harrt er vier bis sechs Stunden aus, bis Maschinen sein Blut von giftigen Stoffen gereinigt haben. Eine Prozedur, die bei gesunden Menschen die Nieren übernehmen. Muss ein Dialysepflichtiger Geld verdienen, besteht sein Leben nur noch aus Dialyse und Arbeiten. „Und dazwischen hin und her fahren“, fügt Claudia Hatscher hinzu. „Es war kein normales Familienleben mehr möglich. Unsere drei Kinder waren gerade erwachsen und wir wollten eigentlich wieder mehr Zeit für uns haben.“ Stattdessen war das Ehepaar aus Baesweiler im vergangenen Jahr am Ende der Kräfte. 

 

Doch dann hörten die Hatschers von der Möglichkeit einer Heimdialyse und wandten sich an B. Braun. Ein medizinisches Team übernahm die Umbauten in der Wohnung für die Geräte, die Hatschers nahmen mehrere Wochen an intensiven Schulungen teil. Matthias Hatscher reinigt sein Blut nun mit Hilfe seiner Frau und mobilen Pflegern zu Hause – in einem eigens dafür umgebauten Zimmer.

 

„Entscheidend für ein Gelingen einer Behandlung zu Hause ist, dass die Menschen nicht alleine sind. Es ist unabdingbar, dass sie Familie oder Freunde haben, die mithelfen und außerdem kompetente Pflegekräfte, die die Behandlung überwachen.“

– Prof. Dr. Heike Spaderna, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Trier

B. Braun: Sichere & hochwertige Heimtherapien

Immer mehr Therapien sind heute so weit entwickelt, dass Patient*innen sie mit kompetenter Hilfe selbst durchführen können. B. Braun baut verschiedene Programme aus, um diesem Trend gerecht zu werden und sichere und hochwertige Heimtherapien anzubieten. Dazu gehören unter anderem ein Programm für Chemotherapie zu Hause in Thailand, häusliche Stoma-Pflege in Irland, heimparenterale Ernährung in Großbritannien und Heimdialyse in Deutschland. Menschen zu Hause in ihren Wohnzimmern behandeln, anstatt im Krankenhaus – dieser Ansatz verbessert die Lebensqualität vieler Patient*innen. „Menschen mit schweren und chronischen Erkrankungen leiden oft unter Depressionen und Ängsten. Sie haben das Gefühl, ausgeliefert zu sein und wenig Einfluss auf ihr Leben zu haben“, sagt Heike Spaderna, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Trier. Die Uhrzeit für die Therapie selbst bestimmen zu können, mehr Zeit für sich und die Familie zu haben – das macht einen großen Unterschied für das psychische Wohlbefinden. 

 

„Entscheidend für ein Gelingen ist allerdings, dass die Menschen nicht alleine sind. Es ist unabdingbar, dass sie Familie oder Freunde haben, die mithelfen und außerdem kompetente Pflegekräfte, die die Behandlung überwachen“, betont die Gesundheitspsychologin. Sei dies der Fall, profitierten Menschen psychisch enorm von einer Behandlung zu Hause. 

 

Claudia und Matthias Hatscher bestellen alle wichtigen Materialien mit einer speziellen App. Regelmäßig bekommen sie Besuch vom B. Braun Daheim Service für die Wartung der Geräte oder zur Unterstützung bei Fragen. Ihre Dialysemaschine ist mit dem Internet verbunden und übermittelt alle wichtigen Daten wie Gewicht oder Blutdruck an die Ärzte des Dialysezentrums. Bei Problemen oder Unstimmigkeiten können die Hatschers ihre Dialysetrainerinnen von B. Braun anrufen. Erreichen sie diese nicht, bietet eine B. Braun Servicehotline rund um die Uhr Sicherheit. Nur noch einmal monatlich fährt Matthias Hatscher zur Kontrolle in das Dialysezentrum nahe Erftstadt bei Köln.  

 

„Die Heimdialyse hat auch aus medizinischer Sicht große Vorteile. Menschen, die ihre Therapie zu Hause machen, können fitter sein und bessere Werte haben als Patient*innen in Dialysezentren.“

– Simone Klein, bei B. Braun verantwortlich für den Heimhämodialyse Service in Deutschland

Aber ist eine Behandlung zu Hause auch genauso wirksam und sicher wie in einer Klinik? Manche Patient*innen befürchten, zu Hause nur eine Art Schmalspur-Behandlung zu bekommen. Das Gegenteil ist der Fall, die Erfahrungen aus allen Heimtherapie-Projekten sind ermutigend. „Die Heimdialyse hat auch aus medizinischer Sicht große Vorteile. Menschen, die ihre Therapie zu Hause machen, können fitter sein und bessere Werte haben als Patient*innen in Dialysezentren“, berichtet Simone Klein, verantwortlich für den Heimhämodialyse Service in Deutschland. Der Grund dafür ist einleuchtend: Im Zentrum werden die Patient*innen drei Mal wöchentlich dialysiert. Besonders während der langen Pause über das Wochenende sammeln sich vermehrt Giftstoffe im Blut an, den Patient*innen geht es schlechter. „Zu Hause können die Patient*innen öfter oder länger dialysieren und die Pause am Wochenende entfällt. Sie können die Dialysen ideal in ihren Alltag integrieren. Mehr Zeit für die Dialyse und weniger Stress im Ablauf ist schonender für den Körper und laugt ihn nicht so aus.“ Ein großer Anteil der Dialysepatient*innen kann nicht mehr arbeiten. Ihre Körper sind zu erschöpft von der Dialyseprozedur, die oft möglichst schnell durchgezogen werden muss. Matthias Hatscher konnte seine Arbeitskraft erhalten: Er arbeitet Vollzeit als kaufmännischer Angestellter. 

 
 

„Patient*innen, die von uns zu Hause betreut werden und ihre Infusionen selbst durchführen, haben nicht nur eine bessere Lebensqualität, sie leiden auch seltener unter Rückfällen ihrer jeweiligen Erkrankung, seltener unter Komplikationen und genesen insgesamt schneller.“

– Zbigniew Zapalowski, Business Manager B. Braun Sheffield und verantwortlich für das Projekt heimparenterale Ernährung in Großbritannien

Auch bei der parenteralen Ernährung genesen Patient*innen zu Hause besser als bei einer Behandlung im Krankenhaus. Menschen, die von dieser Ernährungsform abhängig sind, leiden unter Erkrankungen des Verdauungssystems, wie zum Beispiel Darmverschluss oder Speiseröhrenkrebs. Sie müssen mit Infusionen in die Blutgefäße ernährt werden, weil ihr Verdauungssystem diese Aufgabe nicht mehr leisten kann – das kann bei einigen lebenslang erforderlich sein. „Patient*innen, die von uns zu Hause betreut werden und ihre Infusionen selbst durchführen, haben nicht nur eine bessere Lebensqualität, sie leiden auch seltener unter Rückfällen ihrer jeweiligen Erkrankung, seltener unter Komplikationen und genesen insgesamt schneller“, berichtet Zbigniew Zapalowski, der das B. Braun-Projekt für heimparenterale Ernährung im englischen Sheffield betreut. Im Vergleich zu den Patient*innen in Kliniken zeigten Heimpatient*innen außerdem eine bessere Compliance. Das bedeutet, dass sie eher bereit sind, die Behandlung durchzuhalten und zum Beispiel seltener Medikamente eigenmächtig absetzen. „Gerade Patient*innen, die lebenslang eine so unangenehme Prozedur wie die parenterale Ernährung auf sich nehmen müssen, sind unglaublich froh, wenn sie ansonsten ein möglichst normales Leben führen können“, betont Zapalowski. 

 

Krankenhaus-Ressourcen besser nutzen

Neben der besseren Lebensqualität für Patient*innen haben Heimtherapien noch einen weiteren Vorteil: Sie sparen Ressourcen und helfen, sie an die richtigen Stellen zu verteilen. Dies wird besonders im Krebstherapie-Projekt in Thailand deutlich. Die Ärzte des Bangkoker Ramathibodi-Universitätsklinikums behandeln einen Teil der Krebspatient*innen seit einigen Jahren zu Hause und profitieren von der Erfahrung und Infrastruktur von B. Braun. Die Patient*innen müssen nicht, wie es in Thailand ansonsten noch immer üblich ist, für die Chemotherapie wochenlang im Krankenhausbett liegen. „Leider nimmt auch in Thailand die Zahl der Krebsfälle drastisch zu“, sagt Phichai Chansriwong, Chef der Onkologie-Abteilung. Rund 1000 Fälle behandeln die Ärzte des Klinikums derzeit im Jahr. „Eigentlich würden im Schnitt 300 Menschen mehr eine Chemotherapie benötigen.“ Das Klinikum kann aber nicht noch mehr Personal und mehr Betten bereitstellen. Die Ärzte mussten also einige Patient*innen unbehandelt nach Hause schicken. 

 
Behandlung eines Patienten im Ramathibodi-Klinikum in Bangkok

Eine Behandlung im Krankenhaus ist teuer, der Personalaufwand hoch. Für das Ramathibodi-Klinikum musste also eine Lösung her, die sowohl eine gute und bezahlbare Behandlung gewährleistete als auch Ressourcen sparte. In den westlichen Industrienationen wie USA oder Deutschland lösen die Gesundheitssysteme das Problem mit einer effizienteren Behandlung: Die durchschnittliche Verweildauer in den Krankenhäusern schrumpfte zum Beispiel in Deutschland von rund 13 Tagen im Jahr 1992 auf rund sieben Tage 2018.  Wenn es geht, kommen Kranke möglichst früh nach Hause und lassen sich ambulant weiterbehandeln. So lassen sich die Ressourcen besser nutzen und in vielen Fällen ist eine frühere Entlassung für die Gesundheit der Patienten von Vorteil, wie Studien belegen. Vor drei Jahren starteten Chansriwong und der Klinikdirektor Surasak Leelaudomlipi das neue Homecare-Programm in der Onkologieabteilung: Die Patienten erhalten im Krankenhaus oder einer Apotheke ihre Ration Medikamente, die sie brauchen, und gehen dann wieder nach Hause. In manchen Fällen bekommen sie das Medikament auch direkt dort. Für Rückfragen und Probleme stehen speziell ausgebildete Krankenschwestern und -pfleger bereit, die stets per App und Telefon erreichbar sind. Vor der Behandlung müssen die pflegenden Familienangehörigen einen kleinen Lehrgang in der Klinik absolvieren.

Rund 600 Patient*innen des großen Klinikums werden derzeit zumindest teilweise zu Hause behandelt. „Seit Projektbeginn befragen wir die Patient*innen nach ihrer Lebensqualität und vergleichen die Behandlungsergebnisse mit den Patient*innen, die weiterhin im Krankenhaus bleiben“, berichtet Chansriwong. Die Homecare-Patient*innen geben eine höhere Zufriedenheit an und die Behandlungsergebnisse seien genauso gut wie bei der stationären Therapie. „Bei den Patient*innen, deren Erkrankung nicht heilbar ist, verlängert sich bei der Behandlung zu Hause die Lebenszeit sogar durchschnittlich um einige Monate.“ Durch die Kosten- und Platzersparnis könnten außerdem mehr Menschen eine passende ärztliche Versorgung bekommen. Mehr Betten in der Klinik stehen dabei für die Patient*innen bereit, die sie dringend brauchen. Die Erfahrungen sind so gut, dass Klinikdirektor Leelaudomlipi noch viel vorhat: „Unser Ziel ist es, das Programm zunächst im Nachbarkrankenhaus, dann landesweit einzuführen.“ 

 

Auch in Deutschland ist das Dilemma offensichtlich: Pflegepersonal ist knapp, Kliniken leiden unter Kostendruck – dennoch benötigen Patient*innen eine gute und sichere Behandlung. Heimtherapien können beitragen, diese für die Menschen zu gewährleisten. Wie zum Beispiel für den Dialysepatient*innen Matthias Hatscher und seine Frau. „Wir haben jetzt unser Leben zurück“, sagt Claudia Hatscher. „Und morgen gehen wir ins Kino.“