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Wenn Teilen Leben rettet

Schon lange bevor Larisa Ipolitova ihr Medizinstudium abgeschlossen und den hippokratischen Eid geschworen hat, war sie besessen davon, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Und zwar nicht nur durch ihren Einsatz als Medizinerin, sondern auch durch etwas, das sie einfach teilte: Die Rede ist von ihrem Blut. Mittlerweile hat die 31-Jährige 41 Mal gespendet. An kleine Babys, an Mütter während der Geburt oder an schwer verletzte Unfallopfer. Genau dafür ist sie in diesem Jahr von der Russischen Föderation mit einer Verdienstauszeichnung geehrt worden. Doch wie ist sie dazu gekommen, Blut zu spenden, und was hat sie dazu motiviert?

„Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag im Jahr 2004, als ich zum ersten Mal bewusst auf das Thema  Blutspenden aufmerksam wurde“, sagt Larisa. Heute arbeitet sie im B. Braun Dialyse-Zentrum in Khabarovsk – einer Stadt im äußersten Osten Russlands, ganz nah der chinesischen Grenze – damals hatte sie gerade angefangen, an der Far East State Universität Medizin zu studieren.
„Mein Traum vom Medizinstudium war auf einmal Realität und ich lief in einem Zustand aus Begeisterung und Schüchternheit durch meine neue Welt.“ An diesem Tag schnappte sie ein Gespräch zwischen ein paar älteren Studenten auf, die vor einem Poster standen, das zum Blutspenden aufrief. Einige von ihnen hatten bereits Blut gespendet, andere hatten Zweifel, ob sie das für eine gute Idee hielten, und einer war dabei, der Schauergeschichten von fiesen Nadelstichen und Ohnmachtsanfällen erzählte.

Die Freude danach war unglaublich intensiv

„Obwohl ich durchaus Respekt und auch ein bisschen Angst vor der Prozedur hatte, war ich aus irgendeinem Grund sofort fasziniert. Im Nachhinein kann ich das gar nicht rational erklären.“
Am liebsten wäre sie sofort in die Universitätsbibliothek gelaufen, wo an diesem Tag eine mobile Spendenstation aufgebaut worden war, und hätte selbst gespendet. „Ich wollte alles darüber wissen: Wie es sich anfühlte, wie der Prozess technisch ablief, und wie es einem ging, wenn man wusste, dass das eigene Blut einem anderen Menschen das Leben retten konnte. Das Dumme war nur: ich durfte nicht“, erinnert sich Larisa lachend. Der Grund: Sie war noch nicht volljährig und bis zu ihrem 18. Geburtstag musste sie sich noch einige Monate gedulden.
„Als ich dann endlich zum ersten Mal zum Spenden ging, war ich nervös, wie vor einer Prüfung.“
Die Prozedur habe sie allerdings als angenehm unspektakulär empfunden, und die Freude danach als unglaublich intensiv.

Entscheidung über Leben und Tod

Richtig spannend sei es allerdings geworden, als sie erfuhr, dass sie die Blutgruppe Rhesus negativ 0 besitzt. „Ich habe mich in dem Moment durchaus gefragt, ob das ein Zufall sein kann“, sagt Larisa. Denn als Medizinstudentin war ihr klar, dass nur zwölf Prozent der Menschen weltweit diese seltene Blutgruppe besitzen, die sich zudem noch mit allen anderen Blutgruppen verträgt. Das spielt vor allem dann eine entscheidende Rolle, wenn sich Blutungen ­– zum Beispiel bei Unfallopfern – nicht schnell stoppen lassen. Bis die Blutgruppe ermittelt ist, haben Patienten oftmals schon lebensbedrohlich viel Blut verloren. Dann entscheidet die Verabreichung von Rhesus negativ 0 über Leben und Tod. „Als ich dann auch noch erfuhr, dass alle meine Verwandten positive Blutgruppen haben, und in meinem Fall die Wahrscheinlichkeit mit Rhesus negative 0 zur Welt zu kommen, bei nicht einmal zehn Prozent lag, habe ich einfach entschieden, dass das kein Zufall sein kann. Von da an ging ich regelmäßig spenden.“ Manchmal einfach aus einem plötzlichen Impuls heraus. Manchmal aber auch, weil man sie anrief und bat, zu kommen.

Teilen, um Leben zu retten

Auf die Frage, ob sie stolz auf die Auszeichnung sei, die sie im Rahmen einer feierlichen Zeremonie verliehen bekommen hat, schüttelt sie den Kopf. Stolz sei sie nicht. Aber sehr froh. Denn eine solche Auszeichnung könne dabei helfen, auf die Wichtigkeit von Blutspenden aufmerksam zu machen und Menschen inspirieren, ebenfalls zu spenden. „Es gibt immer jemanden, der Blut braucht. Auch jetzt, in genau diesem Moment. Und es liegt an uns, ob wir bereit sind, zu teilen, um Leben zu retten.“

Von Christin Bernhardt