Therapie Harnkontinenzstörung

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Therapie bei Harnkontinenzstörungen

Da es unterschiedliche Formen von Harnkontinenzstörungen gibt, ist zunächst eine genaue Diagnose erforderlich. Sie können Ihren Arzt bei der Diagnose unterstützen, indem Sie ein Trink- und Blasentagebuch (Miktionsprotokoll) führen. Darin notieren Sie über mehrere Tage, wie viel Sie getrunken haben, wann und wie viel Wasser Sie lassen mussten und ob es zu einem unwillkürlichen Harnabgang kam.

Die Behandlung muss individuell angepasst werden – an die Ursache, die Art und das Ausmaß der Beschwerden, aber auch an die jeweilige Lebenssituation. Es wird zwischen operativer Therapie und konservativer bzw. nicht-operativer Therapie unterschieden. Bevor ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen wird, sollten alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Konservative Therapiemöglichkeiten

Bei der konservativen Therapie ist die Eigeninitiative des Betroffenen gefragt, um die Kontinenzstörung zu lindern.

Beckenbodentraining

Eine Kräftigung des Beckenbodens ist eine sehr wirksame Therapieform bei Belastungsinkontinenz oder bei Dranginkontinenz. Das Training bringt oft eine Linderung der Beschwerden. Es sollte unter fachkundiger Anleitung eines Physiotherapeuten erlernt werden, da es sonst womöglich falsch ausgeführt wird und nicht effektiv ist.

Gewichtsreduktion

Starkes Übergewicht wirkt sich ungünstig auf die Harnkontinenzstörung aus. Deshalb sollte nach Rücksprache mit einem Arzt eine Gewichtsreduktion durch Umstellung auf eine vitaminreiche und ballaststoffreiche Ernährung angestrebt werden.

Blasentraining

Bei einer Dranginkontinenz bewährt sich oft ein Blasentraining. Es ist eine gute Methode, den Harndrang besser kontrollieren zu können. Die Patienten gehen nach einem bestimmten Zeitrhythmus zur Toilette und entleeren ihre Blase – unabhängig davon ob gerade Harndrang besteht oder nicht. Ziel dieser Maßnahme ist, die Blase möglichst frühzeitig zu entleeren, bevor sie zu voll wird..

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Viele Menschen, die an einer Harnkontinenzstörung leiden, reduzieren fälschlicherweise ihre Flüssigkeitszufuhr, um damit auch den unwillkürlichen Harnabgang zu verringern. Ca. 1,5 Liter, vorzugsweise Wasser, sind empfehlenswert, um eine gute Durchspülung von Niere und Blase zu gewährleisten und die Gefahr von Blaseninfektionen zu verhindern.

Operative Verfahren

Wenn konservative Behandlungsoptionen nicht mehr ausreichen, um die Krankheit in den Griff zu bekommen, stehen mehrere operative Verfahren zur Verfügung. Die Methoden richten sich nach der Form und der Schwere der Kontinenzstörung sowie nach dem Geschlecht der Betroffenen. Bei einer Belastungsinkontinenz, von der hauptsächlich Frauen betroffen sind, gibt es die meisten operativen Möglichkeiten.

Vordere und hintere Scheidenplastik

Eine operative Scheidenplastik wird oft bei Frauen mit Belastungsinkontinenz durchgeführt. Bei der vorderen Scheidenplastik wird eine Polsterung über die Scheide gesetzt und damit eine Anhebung der Blase erzielt. Ziel ist es, den natürlichen Verlauf der Harnröhre wiederherzustellen. Bei der hinteren Scheidenplastik werden Muskeln im Damm und Beckenboden gestrafft. Dadurch kann sich der Mastdarm nicht mehr in Richtung Scheide bewegen. Oftmals werden die vordere und hintere Scheidenplastik in einem Eingriff zusammengefasst.

Vaginalband

Tritt infolge einer Gebärmuttersenkung eine Belastungsinkontinenz auf, kann eine TVT-Operation (tension free vaginal tape) den betroffenen Frauen helfen. Hierbei wird ein Halteband aus Kunststoff oberhalb des Schambeines um die Harnröhre gezogen. Der Eingriff dauert eine halbe Stunde und führt bei etwa 90 Prozent der Patientinnen zum Erfolg.

Blasenersatz

Bei weiblichen und auch männlichen Patienten mit besonders schweren Harnkontinenzstörungen kann als Blasenersatz ein sogenannter MAINZ-Pouche eingesetzt werden. Dabei wird die Harnblase entfernt und es wird eine neue aus einem Dünndarmsegment gebildet. Diese wird später durch die Katheterisierung mittels Einmalkatheter in der Regel über den Bauchnabel entleert.