Meine Harninkontinenz

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Harninkontinenz hat viele Gesichter

Blasenschwäche oder auch Harninkontinenz ist eher weiblich als männlich, trifft alle Altersgruppen und hat so viele Erscheinungsformen wie Ursachen. Entsprechend breit gefächert sind die Therapieformen. Wer davon betroffen ist, befindet sich in guter Gesellschaft. Man schätzt, dass jeder 10. Deutsche mehr oder minder von einer Form der Inkontinenz betroffen ist.

Weil niemand gern über Blasenschwäche redet, denken dennoch die meisten Menschen, sie stünden allein mit dieser Herausforderung.

Gemeinsam mit Ihnen nähern wir uns der Thematik Blasenschwäche an. Wir identifizieren Risikofaktoren, klären, welche Formen von Harninkontinenz es gibt und welche therapeutischen Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Risikofaktoren

Warum? Risiken für Harninkontinenz

Blasenschwäche kann viele Ursachen haben. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Risikofaktoren zusammengestellt.

Formen der Harninkontinenz

Harninkontinenz ist nicht gleich Harninkontinenz. Generell unterscheidet man Belastungs-, Drang-, und Mischinkontinenz sowie einige besondere Formen der Blasenschwäche.
Im Folgenden erklären wir, worin sich diese Inkontinenzformen unterscheiden und wie man sie therapieren kann.

Belastungsinkontinenz

Belastungsinkontinenz / Stressinkontinenz
Wenn dem „Hatschi“ ein „Upps“ folgt

Von Belastungsinkontinenz – oft auch Stressinkontinenz genannt – spricht man, wenn schon bei geringen Belastungen ein unwillkürlicher Urinverlust erfolgt. Beim Niesen, Husten, Lachen, schweren Heben oder auch beim Pressen versagt der Schließmuskel tröpfchenweise seinen Dienst. Auch dann, wenn man zuvor keinen Drang verspürt hat, auf die Toilette zu müssen.

Bei dieser Form der Blasenschwäche kann die Beckenbodenmuskulatur, den Blasenausgang nicht ausreichend stützen.

Schweregrade der Belastungsinkontinenz

1. Grad Harnverlust bei starker Druckerhöhung im Bauchraum z.B. Husten, Niesen, Lachen
2. Grad Harnverlust bei mäßiger Druckerhöhung im Bauchraum z.B. Heben, Treppensteigen, Aufstehen
3. Grad Harnverlust bei geringer Druckerhöhung im Bauchraum z.B. beim Liegen im Bett

Von Belastungsinkontinenz sind primär Frauen betroffen. Die Ursachen sind häufig

  • Eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur (Beckenbodeninsuffizienz), die vor allem nach Geburten auftreten kann,
  • eine Senkung der Gebärmutter,
  • Östrogenmangel
  • oder eine allgemeine Muskelschwäche.

Männer, die sich einer Prostataentfernung unterziehen mussten, können ebenfalls von Belastungsinkontinenz betroffen sein.

Therapie der Belastungs- / Stressinkontinenz

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt werden ein Behandlungskonzept erstellen, dass individuell auf Sie zugeschnitten ist. Die Belastungs- bzw. Stressinkontinenz kann konservativ (ohne Operation) behandelt werden. Mögliche Maßnahmen sind:

Konservative Therapie

Gezieltes Training stärkt die Beckenbodenmuskulatur nachhaltig und wirkt so der Blasenschwäche entgegen.

Beim Biofeedback wird eine Sonde in den After oder die Scheide eingeführt. Wird ein Muskel angespannt, erhalten die Betroffenen eine akustische oder optische Rückmeldung. Dadurch lernen Sie, den Muskel besser wahrzunehmen und zu steuern.

Bei der Elektrostimulation wird eine Sonde in den After oder die Scheide eingeführt, um dort die Muskulatur zu stimulieren. Ziel ist es, die Betroffenen für ihre Muskulatur zu sensibilisieren und diese zu stärken.

Pessare werden in die Scheide eingeführt, um den Organen Halt zu geben. Es gibt sie in unterschiedlichen Formen: Ringe, Würfel etc. Wichtig ist, sie regelmäßig ärztlich zu kontrollieren, regelmäßig zu wechseln und immer gut zu reinigen.

Die Anwendung von Vaginaltampons ähnelt dem Einführen von Tampons für die Periode und geben den Organen Halt.
Anwenderinnen können diese selbstständig einführen und entfernen. In der Regel handelt es sich um Einmalprodukte.

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Für die Pharmakotherapie kommen unterschiedliche Wirkstoffe infrage. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt werden sie individuell auf Ihre Symptomatik abstimmen.

Gegebenenfalls wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin eine operative Therapie gegen die Blasenschwäche vorschlagen. Hierzu zählen beispielsweise:

operative Therapie

Bei dieser minimalinvasiven Methode wird ein spannungsfreies Vaginalband hinter dem Schambein eingesetzt, das dort den Schließmuskelapparat wie ein anliegendes Sicherheitsnetz stützt.

Beim Implacement wird ein Gel in die mittlere Harnröhre eingespritzt, welches die Harnröhre verengt und so den unfreiwilligen Urinverlust verhindert. Das Implacement wird in einem minimalinvasiven operativen Eingriff durchgeführt.
Eine Wiederholung des etablierten Verfahrens nach ca. vier Jahren kann erforderlich sein.

Schließlich besteht sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Möglichkeit, einen künstlichen Schließmuskel zu implantieren.

Dranginkontinenz

Dranginkontinenz (Reizblase / Überaktive Blase) – immer in letzter Sekunde

Sie haben fast nichts getrunken und dennoch haben Sie ständig das Gefühl, zur Toilette zu müssen? Auch wenn sich die Toilette nur über den Flur befindet, fühlt es sich an, als müssten Sie den Äquator überqueren? Es bis dorthin zu schaffen, ist oft ein Ding der Unmöglichkeit?

Dann wissen Sie, wie sich Dranginkontinenz anfühlt. Nicht umsonst wird die Dranginkontinenz auch als Urge-Inkontinenz bezeichnet: Hier ist Eile geboten.

Bei der Dranginkontinenz ist die Blase nicht in der Lage, angemessene Mengen von Urin zu speichern. Schon bei geringstem "Füllstand" wird dem Gehirn vermittelt, die Blase sei voll.

Die Ursachen sind vielfältig: Irritationen der Blasenschleimhaut durch Infektionen, Abflussbehinderungen im Bereich des Schließmuskels, Blasensteine, Diabetes mellitus, eine vergrößerte Prostata oder Tumore. Aber auch neurologische Erkrankungen wie ein Schlaganfall, Morbus Parkinson und Alzheimer, können zu einer Dranginkontinenz führen.

Therapie der Dranginkontinenz

Wir haben gute Nachrichten. Bei der Dranginkontinenz gibt es sehr erfolgreiche Therapieoptionen:

Gewichtsreduktion Hierdurch wird der Druck auf die Blase reduziert
Blasentraining Die gezielten Übungen helfen, den Harndran hinauszuzögern.
Pharmakotherapie Zur medikamentösen Behandlung stehen unterschiedlichste Wirkstoffe zur Verfügung.
Botulinumtoxin-Injektion Geben Sie es zu: Sich dachten an Schönheits-OPs. 
Botox wird auch erfolgreich zur Behandlung von Drankinkontinenz eingesetzt.

Darüber hinaus stehen sehr spezielle operative Methoden zur Therapie der Dranginkontinenz zur Verfügung.

Mischinkontinenz

Mischinkontinenz – ein bisschen von beidem

Bei der Mischinkontinenz treten Symptome von Drang- und Belastungsinkontinenz auf. Meistens dominiert dabei eine der beiden Inkontinenzformen.

Die Ursachen sind vielfältig: Beckenbodeninsuffizienz, Blasenoder Gebärmuttersenkung, Morbus Alzheimer, Diabetes mellitus oder Reizungen der Blase … Auch psychosoziale Faktoren können eine Rolle spielen.

Ebenso vielfältig wie die Ursachen sind auch die Behandlungsformen. So, wie sich die Mischinkontinenz aus zwei Spielarten der Blasenschwäche zusammensetzt, führt in den meisten Fällen eine Kombination unterschiedlicher therapeutischer Maßnahmen zum Erfolg. Insbesondere wenn keine organische Ursache vorliegt, können auch psychotherapeutische Maßnahmen oder Autogenes Training helfen, die Mischinkontinenz zu lindern.

Überlaufinkontinenz

Überlauf-Inkontinenz – wie der Berg auf dem Wasserglas

Als Überlaufinkontinenz bezeichnet man den unkontrollierten Urinverlust bei voller Blase, ohne eine Blasenentleerung willentlich auslösen zu können. Die Blase läuft im wahrsten Sinne des Wortes über.

Die Überlaufinkontinenz kann durch eine Verengung des Blasenausgangs, z. B. bei Prostatavergrößerung oder Harnsteine, sowie als Folge einer Schwäche des Schließmuskels entstehen.

Eine Blasenüberdehnung sowie eine unzureichende Blasenkontraktion sind die Folge.

Da sich die Harnblase nicht mehr vollständig entleeren kann, verbleibt ein Restharn in der Blase, der zu aufsteigenden Harnwegsinfekten und Schädigungen der Nieren führen kann.

Die Therapie ist abhängig von der Ursache der Überlaufinkontinenz. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird dieser auf den Grund gehen und Ihnen entsprechende Behandlungsoptionen aufzeigen.

Reflexinkontinenz

Reflexinkontinenz

Bei der Reflexinkontinenz unterscheidet man zwischen spinaler und supraspinaler Reflexinkontinenz. In beiden Fällen geht es bei therapeutischen Maßnahmen primär darum, die Niere zu schützen. Dies erfolgt meist durch Katheterisierung. Manchmal werden unterstützend Medikamente oder Elektrostimulation eingesetzt.

Supraspinale Reflexinkontinenz – Kontrollverlust

Bei dieser Form ist eine Steuerung der Blasenentleerung aufgrund von Leistungsstörungen des Gehirns (z. B. Demenz, Morbus Alzheimer, Schlaganfall, Parkinson) nicht mehr möglich.
Der Betroffene leidet unter unkontrolliertem Harnabgang. Häufig ist vorher kein Harndrang zu spüren und es kommt zur plötzlichen Blasenentleerung.

Spinale Reflexinkontinenz – verletztes Rückenmark

Die Ursache für eine spinale Reflexinkontinenz kann in einer unfallbedingten Schädigung des Rückenmarks, wie z. B. einer Querschnittlähmung oder einer Rückenmarkserkrankung, liegen.

Das Gehirn hat hierbei keine Möglichkeit, steuernd auf die Blasenentleerung einzuwirken. Die Blase entleert sich unkontrolliert, wenn sie eine bestimmte Füllmenge erreicht hat. Oftmals wird die Ausscheidung des Urins über einen zufälligen Reiz, wie z. B. Husten, ausgelöst.

Extraurethrale Harninkontinenz

Extraurethrale Harninkontinenz - außerhalb der Harnröhre

Bei dieser Form der Blasenschwäche tritt ein Urinverlust außerhalb der Harnröhre auf „extra“ steht für „außerhalb“, „Urethra“ ist der lateinische Name für Harnröhre. Urin wird über die Haut, den Anus und die Scheide abgegeben.

Ursachen sind meist angeborene Harnröhrenmissbildungen oder Fistelgänge, die sich aufgrund von Entzündungen oder als Folge einer Bestrahlung gebildet haben.

Therapie der extraurethralen Harninkontinenz

Sind Fistelgänge die Ursache, wird im Rahmen einer Operation der Fistelgang verschlossen und der „Urzustand“ wiederhergestellt.

Liegen angeborene Harnröhrenmissbildungen vor, ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig.

Enuresis

Enuresis

Unter Enuresis versteht man das nächtliche Einnässen beim Kind. Mehr Informationen zur kindlichen Blasenschwäche finden Sie hier.

Blasenschwäche – alles andere als Unisex

Unisex sagt man, wenn Dinge für Frauen und Männer gleichermaßen Gültigkeit haben. Bei Blasenschwäche sind die Geschlechterunterschiede groß. Deshalb haben wir hier für Sie noch mal ein paar geschlechtsspezifische Themen zusammengestellt.

Gebührenfreie Beratungshotline

Sie haben Fragen zum Thema Blasenschwäche? Wir begleiten Sie und geben Antworten. Sie erreichen unser Team um Pflegeexpertin Andrea Zöbele täglich Montag bis Freitag von 9:00 bis 16:00 Uhr. Telefonnummer: +49 800 2272022

Kontakt

Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin

Quellenangaben:

1 Meinecke Andree. Inkontinenz – Hilfe bei Blasenschwäche finden. https://www.inkontinenz-information.de/