Harninkontinenz bei Frauen

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Typisch Frau -
warum Inkontinenz so ungleich verteilt ist

Inkontinenz ist weiblich. Betrachtet man die Personengruppe im Alter zwischen 20 und 75 Jahren sind 80 % der Frauen betroffen und nur 10 % der Männer. Harninkontinenz ist in der weiblichen Bevölkerung die häufigste chronische Erkrankung vor Diabetes, Depression und Hypertonie.1 An dieser Stelle möchten wir Ihnen erläutern, warum Frauen so viel häufiger an Harninkontinenz leiden als Männer und einige Women-only-Themen besprechen.

Gründe für Inkontinenz bei Frauen: Das empfindsame Schließmuskelsystem

Dass Frauen so häufig betroffen sind, liegt vor allem an ihrer Anatomie und Physiologie. Die Beckenboden- und Schließmuskelfunktion hängen eng miteinander zusammen. Da Frauen die Fähigkeit zur Schwangerschaft und Geburt haben, ist der weibliche Beckenboden flexibler und das Schließmuskelsystem empfindsamer.

Schwangerschaft und Geburt

Damit das Köpfchen bei der Geburt genug Platz hat, erschlafft die Beckenbodenmuskulatur während der Schwangerschaft ein wenig und wird flexibler. Bei einer natürlichen Entbindung wird der Muskel bis an sein absolutes Limit gedehnt, was eine große Belastung für das Gewebe darstellt.

Körperliche Belastungen

Auch Übergewicht und schwere körperliche Arbeit sind Risikofaktoren für Beckenbodeninsuffizienz und damit für Harninkontinenz.

Je mehr der Beckenboden tragen muss oder musste,

  • sei es körpereigenes Gewicht,
  • seien es zu tragende Gegenstände
  • oder seien es die eigenen Kinder innerhalb des Bauches oder schon unter der Sonne,

desto höher ist das Risiko dafür, dass er dauerhaft geschwächt wird.

Menopause

In den Wechseljahren – ebenfalls ein weibliches Phänomen – kommt manches aus dem Lot.

Durch den sinkenden Östrogenspiegel wird das Bindegewebe geschwächt. Dieses kann seiner Funktion, die Blase, Gebärmutter, Scheide und Enddarm zu stützen nicht mehr hinreichend nachkommen. Die Organe im Beckenbereich sinken ab. Diese Lageveränderung kann dazu führen, dass der Schließmuskel beeinträchtigt ist.

Darüber hinaus wird die Blase empfindlicher und der pH-Wert sinkt. Das natürliche Scheidenmilieu verliert die Balance. In der Folge wird „Frau“ empfindlicher für Harnwegsentzündungen, die ebenfalls mit (Drang-)Inkontinenz einhergehen können. Hier gilt es Blasenentzündungen vorzubeugen, um die Harninkontinenz in den Griff zu bekommen.

Muskelschwund im Alter

Ganz sicher ist Harninkontinenz keine reine Alterserscheinung. Frauen jeden Alters können von Harninkontinenz betroffen sein.

Tatsächlich steigt das Risiko einer Blasenschwäche mit dem Alter, schon wegen der jahrelangen Belastung des Beckenbodens und dem allgemeinen Muskelschwund im Alter. Aber prinzipiell können auch junge Frauen davon betroffen sein.

Weil die Ursachen der Inkontinenz so unterschiedlich sind, sind es auch die Lebensphasen, in denen Blasenschwäche bei Frauen auftritt.

Koitale Inkontinenz – die Last mit der Lust

Nur weil Inkontinenz per se nicht sexy ist, bedeutet das nicht, dass die Frau, die darunter leidet, nicht wahnsinnig sexy sein kann. Und übrigens von Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin auch so wahrgenommen wird. Stolpern Sie jetzt nicht über Ihre eigenen Gedankenstricke.

Manche Frauen verlieren – z.B. bedingt durch Beckenbodeninsuffizienz oder Hormonveränderungen in den Wechseljahren – auch beim Sex ungewollt Urin. Dieses Phänomen wird als „koitale Inkontinenz“ bezeichnet. Damit Ihnen dennoch nicht die Lust an der Lust abhandenkommt, können Sie vorbeugen.

  1. Offenheit und Kommunikation:
    Das kann herausfordernd sein, schafft aber vertrauen und einen neue Ausgangabasis. Seien Sie offen und sprechen Sie über Ihre Erfahrung und Ihre Ängste. Nur dann versteht Ihr*e Partner*in Sie auch, wenn Sie plötzlich anders lieben möchten.
  2. Safety first: Erstmal leerlaufen lassen:
    Gehen Sie vor dem Liebesspiel zur Toilette. Dann haben Sie schon mal eine gewisse Sicherheit, dass Ihre Blase beim Sex nicht übervoll ist.
  3. Strategisches Stellungsspiel:
    Positionen, die den Beckenboden besonders stark belasten sind nicht so günstig. Sie merken sicher selbst sehr schnell, welche Stellungen Sie als angenehm empfinden und welche nicht. Testen Sie sich aus.

Speziell zur Sexualität bei Querschnittslähmung finden Sie hier ein paar Anregungen.

Formen von Inkontinenz

Generell unterscheidet man Belastungs-, Drang-, und Mischinkontinenz.

Bei Frauen macht die Belastungsinkontinenz gut die Hälfte der Kontinenzstörungen aus. Die nächsthäufige Art ist die Dranginkontinenz gefolgt von der Mischinkontinenz. Aber auch bei den meisten anderen Formen der Harninkontinenz haben Frauen die Nase vorn.

Eine individuell angepasste medizinische Versorgung kann Ihnen bei jeder dieser Formen ermöglichen, dass Sie frei und weitgehend ohne Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Genaueres über die Formen der Harninkontinenz erfahren Sie hier.

Sie haben Fragen zur weiblichen Harninkontinenz?

Wenn Sie Fragen zur Harninkontinenz bei Frauen haben, haben sie sicher Antworten: Andrea Zöbele und ihr Team. Spezialisiert auf Harninkontinenz stehen Ihnen die Pflegeexpertinnen und -experten gratis und unverbindlich zur Seite.

Kontakt

Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin

Quellenangaben: 

1. Hampel C, Wienhold D, Benken, Eggersmann C, Thüroff JW. Defintion of overactive bladder and epidemiology of urinary incontinence. Urology 1997; 50: 4–14, zitiert nach Humburg. Jörg: Die Harninkontinenz der Frau – unterschätzt und unterbehandelt, Deutscher Ärzteverlag ZFA: https://www.onlinezfa.de/fileadmin/user_upload/Heftarchiv/ZFA/article/2013/09/66F34380-8709-4D24-BA9D-57DBE8ACB071/66F3438087094D24BA9D57DBE8ACB071_humburg_die_harninkontinenz_der_frau_1_original.pdf, PDF Seite 1, zuletzt abgerufen am 29.9.2020

2. WHC Versorgungsstudie, Humburg. Jörg: Die Harninkontinenz der Frau – unterschätzt und unterbehandelt, Deutscher Ärzteverlag ZFA: https://www.onlinezfa.de/fileadmin/user_upload/Heftarchiv/ZFA/article/2013/09/66F34380-8709-4D24-BA9D-57DBE8ACB071/66F3438087094D24BA9D57DBE8ACB071_humburg_die_harninkontinenz_der_frau_1_original.pdf, PDF Seite 2, zuletzt abgerufen am 29.9.2020