Harninkontinenz bei Männern

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Blasenschwäche als Männersache

Bei der kindlichen Blasenschwäche – der Enuresis – haben Jungen noch den Vorsprung. Sobald sie das Erwachsenenalter erreichen, wendet sich das Blatt. Ab dann ist Blasenschwäche überwiegend ein Frauenthema. Aber nicht zu früh freuen! Im Alter steigt der Herrenanteil.

Vor welchen Herausforderungen Sie als Mann stehen und was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier. 

Sind Männer das stärkere Geschlecht?
Was den Beckenboden betrifft wahrscheinlich ja.

Gendergerechtigkeit hin oder her: der männliche Beckenboden ist anatomisch anders geformt als der weibliche. Die Beckenbodenmuskulatur ist bei Männern sehr viel stabiler. Wohl auch diesen anatomischen Voraussetzungen geschuldet, liegt der Anteil an Männern bei Belastungs- beziehungsweise Stressinkontinenz bei weniger als 10 %.

Bei jungen Männern ist die Ursache von Blasenschwäche häufig eine schwere Erkrankung bzw. eine Unfallfolge.

Dazu zählen:

  • Diabetes Mellitus
  • Multiple Sklerose
  • Querschnittslähmung
  • Operationsfolgen

Blasenschwäche beim Mann: Die Prostata-Problematik

Insgesamt kann man sagen, dass Blasenschwäche erst im Alter von ca. 50 Jahren für den Mann zum Thema wird. Dieser Fakt ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass dann die Prostata zickig wird.

Der Arbeitskreis Benignes Prostatasyndrom der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. sagt:

„Rund 40 Prozent der über 50-jährigen Männer in Deutschland leiden an behandlungsbedürftigen Problemen beim Wasserlassen. Gut ein Viertel von ihnen hat eine vergrößerte Prostata.“

– Vgl. Literaturangabe 1
Altersgruppe Anzahl der Männer mit Harninkontinenz
Alle Altersgruppen etwa 10 von 100
18 bis 40 Jahre etwa 4 von 100
41 bis 60 Jahre etwa 7 von 100
> 60 Jahre etwa 18 von 100

Vergleiche: Beutel et al. (2005), © Stiftung Gesundheitswesen 2019

Gleichzeitigkeit der Ereignisse: Mit den Lebensjahren steigt die Zahl der Männer, die von Blasenschwäche betroffen sind.2

Dass die Prostata wächst, ist ganz normal, das Gewebe ist in der Regel gutartig. Man spricht deshalb auch vom benignen (gutartigen) Prostatasyndrom.

Warum beeinträchtigt die Prostata die Kontinenz?

Die Prostata liegt unterhalb der Blase und umgibt die Harnröhre. Wächst die Prostata, drückt sie auf die Harnröhre und verengt sie.

Woran merkt Man(n), dass die Prostata wächst?

Verschiedene Symptome, die mit Blasenschwäche zu tun haben, zeigen an, dass die Prostata sich vergrößert hat:

  • häufiger Harndrang – Man(n) muss generell öfter zur Toilette
  • Nykturie – Man(n) muss nachts öfter zur Toilette
  • der Drang wird dringender
  • es tröpfelt nach
  • die Blase fühlt sich nicht vollständig entleert an
  • Man(n) muss warten, bis es „läuft“
  • Der Urin ist nicht mehr aufzuhalten (Inkontinenz)
  • Harnverhalt, der Urin kann nicht mehr abfließen und muss per Katheter abgeleitet werden

Eine vergrößerte Prostata kann theoretisch unbehandelt bleiben, insofern sie gutartig ist. Entwickeln Männer jedoch eine Blasenschwäche oder treten schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Wie werden Prostatavergrößerung und Blasenschwäche therapiert?

Es gibt konservative Methoden, um die Prostatavergrößerung und ihre Nebenwirkungen zu behandeln. Bewährt hat sich bei Harnröhrenverengung die medikamentöse Therapie mit Alphablockern, die die Harnröhre erweitert, indem die Muskelfasern der Prostata entspannt werden.

Ist die Blase in Folge der Prostatavergrößerung überaktiv, werden eventuell Anticholinergika zur Behandlung eingesetzt.

Blasenschwäche als Operationsfolge

Wird die Prostata operiert, so kann eine Blasenschwäche (Harninkontinenz) bei Männern auch die Folge der Operation sein, zum Beispiel, wenn der Schließmuskel verletzt wurde.

Die dann zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen reichen von physikalischer Therapie bis zur Implantation eines neuen Schließmuskels.

Ihre Ärztin oder ihr Arzt wird Ihnen geeignete Therapieoptionen aufzeigen.

Wann ist ein Mann ein Mann?
Von Vorbildern und Vorlagen.

Blasenschwäche ist mit dem traditionellen Bild vom „starken Mann“ nicht kompatibel. In diesem veralteten Narrativ gilt Kontrollverlust als ebenso wenig männlich wie die Verwendung von Vorlagen (die in der Monatshygiene von Frauen ja sowieso etabliert ist).

In der Folge verweigern viele von Blasenschwäche betroffene Männer die Verwendung von Inkontinenzhilfsmitteln, was es ihnen noch schwerer macht, Ihr Leben normal weiterzuführen.

Blasenschwäche: Seien Sie ein Mann!

Wenn wir schon bei Männlichkeitsidealen sind, dann beziehen wir uns doch auf das „ein Mann sein“. Das bedeutet nämlich auch, sich mutig mit Herausforderungen auseinanderzusetzen.
Blasenschwäche ist so eine Herausforderung.

Und wer couragiert ärztlichen Rat sucht, kann auch der Inkontinenz gut in die Augen sehen.

Die schüchterne Blase

„MÜSSEN WOLLEN KÖNNEN“ lautet der Slogan der deutschen Inkontinenzgesellschaft. Wie treffend! Denn er sagt aus, dass es darum geht, dann müssen zu können, wenn man will. Quasi als Herr seiner Blase: Jetzt. Jetzt nicht!

Im Fall der „schüchternen Blase“ verweigert diese den Gehorsam bei Gesellschaft anderer Geschlechtsgenossen auf der Herrentoilette.

Schotten dicht.

Mediziner haben natürlich auch dafür einen Fachbegriff: Paruresis.
Für manchen Betroffenen heißt das, es dauert halt, bis der Urin läuft. Andere entleeren die Blase nicht vollständig. Sie stoppen das Urinieren in dem Moment, in dem ein anderer Mann die Toilette betritt. In ihrer gravierendsten Form macht es die Phobie vorm Pissoir dem Herrn gänzlich unmöglich, auf öffentlichen Toiletten zu urinieren.

Das ist für die eine Millionen unter Paruresis leidenden Männer tatsächlich nicht witzig. Bietet die Männertoilette den Luxus einer Einzelkabine, haben sie einen Plan B. Gibt es keinen solchen Rückzugsort, müssen Sie wohl oder übel unverrichteter Dinge weiterziehen.

Viele massiv Betroffene richten sich Ihr Leben danach ein. Das aber bedeutet: soziale Isolation, eingeschränkte berufliche Möglichkeiten, Das Zuhause als Rückzugsort, wann immer es geht.

Der bessere Weg wäre der zum Arzt. Doch den scheuen die Betroffenen. Ihre Scheu vor fremden Blicken auf hochfrequentierten, gar nicht stillen Örtchen ist ebenso groß wie die Scheu, über ihre Scheu zu sprechen.

Muss man das denn behandeln lassen?

Wenn Sie zu den 30% der Männer gehören, die angeben, dass ihnen das „schon mal“ passiert ist: sicher nicht.

Wenn Ihnen das öfter passiert, Sie aber einen Weg für sich finden – z.B. den in die Kabine: wahrscheinlich nicht.

Aber wenn Sie Leidensdruck verspüren, wenn Sie Ihr berufliches und soziales Leben „um öffentliche Toiletten herum“ arrangieren, aushäusige Aktivitäten vermeiden, auf die Sie eigentlich Lust haben, nur weil Sie dann den lokalen Lokus aufsuchen müssen, wenn Sie also Lebensqualität einbüßen: suchen Sie sich Unterstützung.

Und was ist mit ihr?

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es auch Frauen mit Paruresis gibt. Die jedoch finden auf öffentlichen Toiletten meist Kabinen vor – effektive Fluchtwege für schüchterne Blasen.

Kurzweiliges Infotainment zum Thema schüchterne Blase finden Sie hier: https://youtu.be/lar9PUL3roU

Sie haben Fragen zum Thema Harninkontinenz beim Mann?

Unser Team ist für Sie da: offen, kompetent und mit Sicherheit hilfreich.

Kontakt

Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin