Partnerschaft, Intimität und Schwangerschaft

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Partnerschaft, Intimität und schwanger werden mit Stoma

Auch wenn die Hemmschwelle höher sein mag, stellt ein Stoma kein Hindernis für Partnerschaft, Intimität und Sexualität dar. Besteht ein Kinderwunsch in Ihrer Beziehung, können Sie auch mit Stoma schwanger werden und das Kind im Regelfall auf natürliche Weise entbinden. Auf der folgenden Seite erhalten Sie nützliche Infos über Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft mit Stoma. 

Akzeptanz des eigenen Körpers und Partnerschaft mit Stoma

Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder Scham sind natürliche Empfindungen, unter welchen viele Menschen leiden – auch ohne Stoma. Stomaträger*innen stehen allerdings unter einer besonderen Herausforderung und fühlen sich nach ihrer Stoma-Operation oft fremd im eigenen Körper. Daher gilt: Es dauert seine Zeit, bis Sie sich an die Veränderung gewöhnen und Ihren Körper so akzeptieren, wie er jetzt ist. Selbstakzeptanz ist ein wichtiger Schritt für ein glückliches und zufriedenes Leben. Erst, wenn Sie sich und Ihren Körper positiv wahrnehmen, werden Sie sich auf eine Beziehung einlassen können. 

Und denken Sie daran: Wenn Sie selbstbewusst sind, wird das auch von außen positiv wahrgenommen. 

Menschen haben Speckrollen, Zellulitis, unreine Haut, schiefe Nasen – und manche haben eben auch ein Stoma. Wir möchten diesen Umstand nicht verharmlosen. Schließlich ist Ihr Stoma mit deutlichen Einschränkungen und Risiken verbunden. Es gibt jedoch keinen Grund, sich als Stomaträger*in weniger attraktiv zu fühlen.

Das Schlagwort Body Positivity (auf Deutsch: positive Einstellung zum Körper) soll Sie dazu inspirieren, Ihren Körper in einem anderen Licht zu sehen: Die Gegenbewegung zum Beauty-Wahnsinn plädiert für Selbstliebe und einen gelasseneren Blick in den Spiegel. So manches, was uns nicht perfekt scheint, ist vielleicht einfach nur eine individuelle Besonderheit.

Partnerschaft und Intimität sind wichtig für ein erfülltes Leben. Möglicherweise braucht es mehr Zeit, sich nach der Operation auf eine Partnerin oder einen Partner einzulassen. Doch Sie werden sehen, dass auch eine Beziehung mit Stoma problemlos möglich ist. Verlieren Sie nicht den Mut und lernen Sie, gemeinsam mit der veränderten Situation umzugehen.

Denken Sie immer daran: Ihr Leben wird nicht von Ihrem Stoma bestimmt, sondern von Ihren individuellen Bedürfnissen. Erfahrungen von Stomaträger*innen zeigen, dass es hilft, das Thema mit der Partnerin bzw. dem Partner offen zu kommunizieren. Teilen Sie Ihrem Gegenüber Ihre Sorgen, Bedürfnisse und Gefühle mit. Das sorgt in den meisten Fällen für Verständnis und schafft Vertrauen.

Hier sind einige Tipps, wie Sie mit Ihrer neuen Situation umgehen können:

  • Offene Kommunikation über Ihre Sorgen, Gefühle und Bedürfnisse hilft Ihnen und Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner dabei, sich an den neuen Alltag mit Stoma zu gewöhnen.
  • Geben Sie sich und einander Zeit, um sich auf die veränderten Umstände einzustellen. Ein offener Umgang aller Beteiligten hilft, das Verständnis füreinander zu erhöhen.
  • Stomatherapeut*innen oder Psycholog*innen können Ihnen dabei helfen, professionell mit dem Thema Stoma umzugehen. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen!

Intimität und Verhütung mit Stoma

Eine Stoma-OP verändert Ihr Leben in vielen Bereichen – auch die Themen Intimität und Sexualität werfen bei Ihnen möglicherweise Fragen auf. Es ist völlig normal, wenn Sie in der ersten Zeit nach Ihrer Operation körperlichen Kontakt vermeiden, um sich an die Veränderung Ihres Körpers zu gewöhnen. Doch ein Stoma ist kein Grund für Enthaltsamkeit! Setzen Sie sich hier nicht unter Druck und gehen Sie die Sache in Ihrem ganz persönlichen Tempo an. 

Viele Stomaträger*innen berichten, dass Sie sich mit ihrem Stoma zunächst weniger attraktiv gefühlt haben. Ein paar Tricks beim Thema Kleidung und Versorgung können dabei helfen, sich freier zu fühlen. 

  • Die richtige Kleidung: Es gibt beispielsweise besonders attraktive Bandagen und Stoma-Gürtel zum Schutz und zur Fixierung der Versorgung, die während des Geschlechtsverkehrs einfach anbehalten werden können. Manchen Stomaträgerinnen hilft es, beim Geschlechtsverkehr spezielle Unterwäsche zu tragen, die im Schritt geöffnet ist und gleichzeitig den Stomabeutel vollständig verdeckt. Einige Stomaträger ziehen es vor, ihr Oberteil beim Geschlechtsverkehr weiter zu tragen, damit das Stoma nicht sichtbar ist. Die Wahl der Kleidung ist ohnehin ein wichtiger Faktor für Stomaträger*innen, schließlich sollen Sie sich in Ihrer Haut rundum wohlfühlen. Hier erfahren Sie mehr über das Thema Stoma-Kleidung.
  • Die richtige Versorgung: Auch Ihre Stoma-Versorgung kann Ihnen helfen, sich wieder attraktiv zu fühlen. Es gibt beispielsweise extra kleine Stomabeutel, die weniger auffallen und sich leichter verdecken lassen. Für Kolostomie-Träger eignet sich die Be 1® Stomakappe besonders gut, da der Stomabeutel in der Kappe integriert ist und erst entfaltet wird, wenn Sie es möchten. 

Prinzipiell können Sie als Stomaträger*in auf jede Form der Verhütung zurückgreifen. Aber Achtung: Wenn Sie ein Ileostoma haben, sollten Sie sich eine Alternative zur Antibaby-Pille suchen, denn orale Verhütungsmittel werden von einem verkürzten Dünndarm häufig nur ungenügend absorbiert. Damit ist die Pille keine sichere Verhütungsmethode und die Chance einer ungewollten Schwangerschaft steigt. Sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzt*innen, welche Verhütungsmethode für Sie am besten geeignet ist.

Nach der Stoma-Operation können beim Geschlechtsverkehr Schmerzen auftreten. Sprechen Sie deshalb mit Ihrer Stomatherapeutin bzw. Ihrem Stomatherapeuten über Ihre Probleme.

Diese Probleme können bei Stomaträgerinnen auftreten:

  • Manchmal kann sich nach der OP Ihre Vagina zu eng oder zu trocken anfühlen. Auch ein stärkerer Scheidenausfluss ist möglich. Oft helfen schon einfache Mittel, wie spezielle Dehnübungen, Zäpfchen oder Gleitgels, um die Beschwerden loszuwerden. Ihre Ärzt*innen werden Ihnen die richtige Behandlungsmethode empfehlen.  
  • Bei auftretenden Harnproblemen kann ein regelmäßiges Beckenbodentraining helfen. Sprechen Sie auch hierzu mit Ihren medizinischen Ansprechpartner*innen.
  • Eine Chemo- oder Strahlentherapie kann ebenso Auswirkungen auf Ihr Sexualleben haben. Betroffen sind u.a. der Menstruationszyklus, die vaginale Schleimhaut oder Narbenbildung. Konsultieren Sie bei Problemen Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.


Diese Probleme können bei Stomaträgern auftreten:

  • Stomaträger können manchmal unter Schmerzen bei Erektion und Samenerguss leiden. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge und sollte mit der Zeit verschwinden. Ansonsten sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzt*innen und fragen Sie nach Behandlungsmöglichkeiten.
  • Auch eine fehlende Erektion, zeitweilige Impotenz oder ein ausbleibender Samenerguss sind mögliche Folgen einer Stoma-OP. Ist dies bei Ihnen der Fall sprechen Sie mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt über mögliche medizinische Behandlungsmethoden.
  • Auch eine Strahlen- bzw. Chemotherapie kann Komplikationen auslösen. Probleme bei der Aufrechterhaltung eine Erektion und die erhöhte Empfindlichkeit der Geschlechtsteile können für mehrere Monate auftreten. 
  • Hilfreiche Vorbereitungen: Am besten entleeren Sie Ihren Beutel vor dem Geschlechtsverkehr und verzichten ca. eine Stunde zuvor auf Essen und Trinken. So vermeiden Sie Entleerungen zu ungünstigen Momenten.
  • Halt der Versorgung: Hier können Sie ganz beruhigt sein. Ein sorgfältig befestigter Beutel bleibt auch während des Geschlechtsverkehrs an Ort und Stelle.
  • Stellungen und Hilfsmittel: Verlassen Sie sich beim Geschlechtsverkehr ganz auf Ihr Gefühl. Was fühlt sich gut an und was weniger gut? Hilfsmittel (z.B. Kissen oder Gleitgel) können Sie dabei unterstützen, den Geschlechtsverkehr auch mit Stoma zu genießen.
  • Humor und Vertrauen: Auch ohne Stoma kann einiges schieflaufen. Setzen Sie sich nicht unter Druck und lachen Sie gemeinsam über kleine Stolpersteine. Eine vertrauensvolle Beziehung ist der Schlüssel, um sich wohlzufühlen.

Stoma und Kinderwunsch – trotz Stoma schwanger werden

Wächst in Ihnen der Wunsch nach einem eigenen Kind und damit einer Schwangerschaft, haben wir gute Nachrichten für Sie! Denn grundsätzlich hindert Sie ein Stoma nicht daran, schwanger zu werden und das Kind auf natürliche Weise auszutragen. Ebenso ist das Ungeborene während einer Schwangerschaft mit Stoma keinem besonderen Risiko ausgesetzt.

Prinzipiell spricht einer Schwangerschaft mit Stoma nichts entgegen – der Zeitpunkt ist allerdings entscheidend: Sie sollten nach Ihrer Stoma-OP mindestens zwei Jahre warten, bevor Sie versuchen, schwanger zu werden. Wichtig ist außerdem, dass Sie zu Beginn Ihres Kinderwunsches mit Ihrer Stomatherapeutin oder Ihrem Stomatherapeuten in Kontakt treten und sich von Ihren behandelnden Ärzt*innen beraten lassen. Um eine weitgehend komplikationsfreie Schwangerschaft zu gewährleisten, sollten mögliche Risiken bereits zu diesem Zeitpunkt erörtert werden.

Bringen Sie Zeit mit! Ob mit Stoma oder ohne – es kann bis zu 12 Monate dauern, bis Sie schwanger werden, ohne dass es dafür einen konkreten medizinischen Grund gibt. Dennoch sollten Sie prüfen lassen, ob Ihre Fruchtbarkeit seit Ihrer Stoma-Operation beeinträchtigt ist. Eine umfassende Blasen- oder Darmoperation kann aufgrund von Verwachsungen oder einer Verschiebung der Gebärmutter eine Verringerung der Zeugungsfähigkeit zur Folge haben.

Die Schwangerschaft selbst und die damit einhergehenden Veränderungen Ihres Körpers sind dagegen kein Problem für das Stoma. Die Lage des Stomas kann sich mit wachsendem Bauchumfang etwas verändern. Zur Versorgung und Pflege kann deshalb ein Spiegel nützlich sein. Für regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen sollten Sie außerdem Ihren Facharzt bzw. Ihre Fachärztin aufsuchen.

Kontakt

Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin