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Stoma: Was passiert mit mir und meinem Körper?

Tausend Fragen im Kopf 
Man erkennt sie nicht. Aber sie sind da. Mitten unter uns: Circa 160.000 Menschen in Deutschland leben mit einem Stoma. Manche von ihnen hatten viel Zeit, sich auf die Operation vorzubereiten. Viele hatten eine Wahl. Einige mussten vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Sie konnten nicht länger OHNE Stoma leben. Aber sie konnten lernen, MIT Stoma zu leben.

Wissen über Stoma

Was genau ist eigentlich ein Stoma?  

Das Wort Stoma kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Mund“ oder „Öffnung“. Mediziner verstehen unter einem Stoma eine operativ geschaffene Öffnung, meist zur Ableitung von Stuhl- oder Urin. Dabei unterscheidet man den künstlichen Darmausgang  (Enterostoma) von der künstlichen Harnableitung (Urostoma).

Bei den Enterostomata wiederum werden Kolostoma und Ileostoma unterschieden. Der Name gibt darüber Auskunft, an welcher Stelle des Verdauungstraktes das Stoma gelegt wurde.

Stomaträger sind viel weniger selten, als man denkt. Allein in Deutschland geht man von ca. 160.000 Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung aus. 

Stomata retten Leben

Manche Patienten denken zunächst, sie können nicht MIT einem Stoma leben. Die Wahrheit ist, dass viele vor allem nicht länger OHNE Stoma leben können. Für viele Menschen bringen Stomata aber vor allem Lebensqualität zurück. 

Mehr Lebensqualität 

Stomaträger mit einer entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa) verspüren nach der Operation nicht mehr den anhaltenden Drang, auf Toilette zu gehen. Sie können wieder aktiv am Leben teilnehmen. Weniger leidvolle Erkrankungsphasen, weniger Krankenhaus-Aufenthalte, mehr ‚Normalität’ im Alltag.

Manchmal sind Stomata auch Lebensretter. Wie eine Art „Notausgang“ erfüllen sie zwei überlebenswichtige Funktionen:

Stomata schützen den Darm

Manche Stomata werden gelegt, um einen operierten Teil des Darms vor Darminhalt zu schützen. Wenn Darminhalt vor der betroffenen Stelle über das Stoma ausgeleitet wird, kann der Operationsbereich in Ruhe ausheilen. Diese Stomata werden nach der Heilung des Darms oft wieder zurück verlegt.

Stomata schützen vor Verschluss

Es kann auch vorkommen, dass der Darm an einer Stelle dauerhaft so geschädigt ist, dass der Speisebrei nicht mehr ungehindert hindurchläuft. Dann wird das Stoma so gesetzt, dass der Darminhalt vor der Schädigung abfließen kann.

Stoma - Für immer?

Fast die Hälfte aller Kolostomien sind nur relativ kurzzeitige Helfer im Heilungsprozess. Sie werden auch ‚temporäre’ oder ‚protektive’ Stomata genannt. ‚Protektiv’, weil sie sie den Darm ‚schützen’. ‚Temporär’, weil sie dieses auf ‚Zeit’ tun. 

Die Tragedauer der Stomaanlage ist individuell abhängig von der Indikation und gegebenenfalls von dem Heilungsprozess.

Bei Betroffenen, die sich einer Darmoperation unterziehen mussten, kann das Stoma zurückverlegt werden, wenn der Darm sich erholt hat und nicht mehr entlastet werden muss.

Je nach Therapieziel entscheidet sich der Arzt für ein endständiges oder doppelläufiges Stoma.

Endständiges Stoma (Transversostomie)

Bei einem endständigen Stoma wird der von der Magenseite kommende Darmabschnitt durch die Bauchwand nach außen geführt und bildet damit das Darmende.

Der „stillgelegte“ Teil des Darms, der zum After führt, wird entweder entfernt oder er verbleibt verschlossen im Körper, um eine spätere Rückverlegung zu ermöglichen. 

An der Bauchoberfläche sieht man nur eine einzige Öffnung.

Endständige Stomata findet man häufiger am Dickdarm.

Das Hartmann-Stoma kann rückverlagert werden

Das Hartmann-Stoma ist eine Sonderform des endständigen Stomas. Es kann rückverlagert werden.

Hierbei wird der Darm durchtrennt und ein Teil entfernt. Der letzte Darmabschnitt bleibt als Stumpf erhalten. 

Je nach Heilungsprozess kann frühestens nach drei Monaten an eine Rückverlagerung gedacht werden. Im Rahmen einer eher aufwändigen Bauchoperation werden die bestehenden Darmteile miteinander verbunden.

Doppelläufiges Stoma

Bei der doppelläufigen Anlage wird eine Darmschlinge über die Bauchdecke nach außen gezogen. Dort wird sie halb eingeschnitten und nach außen umgestülpt. Es entstehen zwei sichtbare und zusammenhängende Darmöffnungen.

Der aus Richtung Magen kommende Stuhlgang wird aus der ersten Öffnung ausgeleitet. So kann der nachfolgende Abschnitt vor Darminhalt geschützt werden, um besser zu heilen.

Oft als temporäres Stoma angelegt 

Ein doppelläufiges Stoma ist oft nur eine vorübergehende Maßnahme, um ideale Voraussetzungen für den Heilungsprozess zu schaffen. Ist dieser abgeschlossen, werden die beiden Darmöffnungen zusammengenäht. Die Organe werden dann zurück in die Bauchhöhle gelegt. Der Darm kann seine natürliche Funktion wiederaufnehmen.

Die Gründe für eine Stomaanlage

Für eine Stomaanlage kann es viele Gründe geben: chronische und akute Krankheiten und auch Fehlbildungen. Die häufigsten Ursachen sind die folgenden: 

Tumore 

In den allermeisten Fällen werden Stomata durch Krebserkrankungen notwendig. Hier führen Darm- und Blasenkrebs die Statistik an. Es kann aber auch vorkommen, dass Darm oder Blase durch eine bösartige Erkrankung benachbarter Organe geschädigt wurden. 

Entzündliche Darmerkrankungen

Auch chronische entzündliche Darmerkrankungen können der Notwendigkeit eines Stomas zugrunde liegen. Hier sind vor allem Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn zu nennen. In seltenen Fällen liegt eine Divertikulitis zu Grunde. 

Adenomatosis coli

Auch eine Familiäre Polyposis kann die Anlage eines Stoma erforderlich machen. In vielen Fällen sind bei dieser Grunderkrankung nur temporäre Stomata notwendig.

Stoma-Arten

Stoma-Komplikationen

Damit es runder läuft

Ja, es gibt sie – die Komplikationen am Stoma. Die gute Nachricht ist: Sie haben auch selbst einige Möglichkeiten, das Risiko, dass Komplikationen auftreten, zu senken. Wenn Sie sich gut versorgen, auf die Hygieneregeln achten und Ihren Körper nicht zu stark belasten, ist schon viel gewonnen. Gehen Sie achtsam mit sich um und seien Sie sensibel für Veränderungen an Ihrem Stoma. So können Sie schnell reagieren, wenn es tatsächlich Auffälligkeiten geben sollte.

Eine allergische Kontaktreaktion erscheint immer mit einer scharf umgrenzten Rötung der Haut. Im weiteren Verlauf kann es zu einer diffusen Rötung rund um die betroffene Stelle kommen. Wahrscheinlich juckt es oder Sie verspüren sogar Schmerzen. 

Jetzt kommt es vor allem darauf an, die allergische Reaktion als solche zu erkennen und den auslösenden Stoff zu identifizieren, damit Sie nicht mehr damit in Kontakt kommen. 

Informieren Sie Ihre betreuenden Mediziner und Therapeuten von Anfang an über bestehende Allergien. Um allergischen Reaktionen vorzubeugen, sollten Sie latexfreie Produkte für Ihre Versorgung wählen. Dazu zählt z. B. die Softima®-Produktfamilie.

Blutungen sind nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge. 

Das Reinigen des Stomas kann schnell zu leichten oberflächlichen Schleimhautblutungen führen – insbesondere, wenn sie Antikoagulantien einnehmen (Wirkstoffe, die die Blutgerinnung hemmen, z. B. Heparin). 

Nichtsdestotrotz sollten Sie aufmerksam sein: Notieren Sie sich, wenn Blutungen auftreten und ziehen Sie Ihren Stomatherapeuten oder Arzt zu Rate. Bei schwereren Blutungserscheinungen sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Unter einer Follikulitis versteht man eine fleckige, entzündliche Veränderung der Haut. Hervorgerufen wird sie durch eine Haarbalgentzündung. Damit zählt die Follikulitis zu der Gruppe der infektiösen Hautkomplikationen.

Bei solch einer Hautreaktion ist vor allem eine gute Hautpflege wichtig. Behandeln Sie aber eine Follikulitis nicht mittels Cremes. Denn dann haftet Ihre Basisplatte nicht mehr.

Bei Erkennung der Follikulitis gilt es, die parastomale Haut sorgfältig zu rasieren. Haare, die direkt am Übergang von Haut und Schleimhaut wachsen, werden mit der Schere vorsichtig gekürzt. Wichtig ist jetzt eine sorgfältige Hauthygiene. Prontosan® reinigt und fördert die Abheilung der entzündeten Follikel.

Um einer neuen Entzündung vorzubeugen sollten Sie Basisplatten mit komplettem Hautschutz wählen (z. B. Softima®-Produktfamilie).

Die Hernie ist die häufigste Stomakomplikation. 40–50 % aller Kolostomieträger sehen sich damit konfrontiert. Der Begriff „Hernie“ bezeichnet einen Bruch der Bauchwand.

Neben der Bauchdeckenwölbung treten Stuhlentleerungsstörungen bis hin zum Darmverschluss auf. Im Verlauf berichten die Patienten über zum Teil starke Schmerzen.

Bei Verdacht auf eine Hernie müssen Sie den Arzt hinzuziehen! 

Tragen Sie bei einer Hernie keine konvexe Versorgung. 

Das können Sie tun, um Hernien vorzubeugen:

  • Belasten Sie Ihre Bauchdecke nicht zu früh und zu stark
  • Vermeiden Sie es, schwere Dinge zu heben. 
  • Optimieren Sie Ihr Körpergewicht wenn nötig 
  • Wenn Sie eine Gewebsschwäche haben: Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen eine Bandage zur Unterstützung der Bauchmuskulatur zu verordnen.

Unter einer Mykose versteht man eine Pilzinfektion der um das Stoma herum befindlichen Haut. 

Eine Mykose erkennen Sie an einzelnen, kleinen roten Papeln und Pusteln. Zusätzlich sind weiße schuppige Hautveränderungen zu beobachten. Die Streuung auf der Haut ist meist sternen- oder satellitenartig. Weitere Symptome sind Juckreiz, Brennen oder Schmerzen unter der Haftplatte.

Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie den Verdacht haben, an einer Pilzinfektion zu leiden. Wahrscheinlich werden Sie mit antimykotischen Suspensionen behandelt werden. 

Eine sorgfältige Stomahygiene ist ebenso unabdingbar. Dazu zählt vor allem die exakte Anpassung der Versorgung. Je nach Schwere und Ausbreitung der Mykose kann eine Mitbehandlung des Magen-Darm-Traktes nötig sein.

Viele Faktoren, die zu einer Mykose führen, können Sie nicht wirklich beeinflussen. Vorbeugen können Sie am besten durch eine sehr sorgfältige Hygiene, eine angemessene Tragedauer der Versorgung und Pflegeprodukte, die den Säureschutzmantel Ihrer Haut schonen.

Die Nahtdehiszenz gehört zu den postoperativen Komplikationen. In seltenen Fällen kommt es nach dem Eingriff zu einer teilweisen bis kompletten Ablösung des Stomas von der Haut. Die Wundränder klaffen auf. Sie müssen unbedingt einen Arzt informieren.

Da eine Nahtdehiszenz in der Regel durch Wundheilungsstörungen oder operative Faktoren bedingt ist, haben Sie leider wenig Möglichkeiten vorzubeugen.

Auch bei Nekrosen handelt es sich um eine postoperative Komplikation. 

Durch Membrandefekte tritt der Zellinhalt in seine Umgebung aus und verursacht eine Entzündungsreaktion.

Im Falle einer Nekrosenbildung ist der Operateur zu informieren. 

Bei Nekrosenbildung sollte das Stoma mehrmals täglich kontrolliert werden. Gemeinsam mit dem behandelnden Mediziner werden Sie die Stomaversorgung überdenken und gegebenenfalls optimieren. 

In gravierenden Fällen muss ein nekrotisiertes Stoma operativ revidiert und ggf. neu angelegt werden.

Sie haben leider keine Möglichkeit, einer Nekrosenbildung vorzubeugen.

Polypen sind beerenartige Wucherungen an der Darmschleimhaut oder aber auch am Übergang von Haut zu Schleimhaut. Differenzialdiagnostisch werden Pseudopolypen unterschieden.
Diese erscheinen glasig und beerenartig. Pseudopolypen können eine weißliche Plaque auf der Schleimhaut bilden.

Mit einer schonenden Reinigung und einer sorgfältigen, gut angepassten Versorgung können Sie der Polypenbildung vorbeugen. Denn Ursachen sind vor allem ein Scheuern bei der Reinigung oder mechanische Reize durch das Versorgungsmaterial. Eine zu eng ausgeschnittene, nicht entgratete Basisplatte begünstigt die Polypenbildung ebenfalls.

Als Prolaps wird das „Vorfallen“ des Darms aus seiner physiologischen Lage bezeichnet. Der Darm schiebt sich durch das Stoma nach außen, diese Ausstülpung ist in der Regel gut erkennbar.

Hierbei muss zwischen einem „echten“ Prolaps und einer physiologischen Mukosavorwölbung unterschieden werden. Handelt es sich um einen „echten“ Prolaps, bildet sich die Darmvorwölbung in der Regel nicht zurück.

Die Versorgung des Stomas ist jetzt erschwert. Darüber hinaus besteht die Gefahr, einer Einklemmung (Inkarzeration) mit Nekrosenbildung. Auch die Blutungsneigung erhöht sich.

Vorbeugen können Sie, indem Sie schweres Heben vermeiden.

Die Vergrößerung des Organs oder Gewebes durch Zunahme der Zellzahl wird als Hyperplasie bezeichnet. Man erkennt sie an weißen, aufgequollenen Hautarealen. Zusätzlich finden sich braun-bläuliche, manchmal auch graue, harte Beläge. Diese Gebiete sind in der Regel nicht schmerzempfindlich, können aber leicht bluten.

Sollten Sie an einer Hyperplasie leiden, werden Ärzte und Stomatherapeuten Ihre Versorgung anpassen.
Durch eine zweiteilige Versorgung kann die Reizung der Haut minimiert werden. In bestimmten Fällen kann eine konvexe Versorgung angezeigt sein. Darüber hinaus empfehlen sich sogenannte Matrixverstärker (Stomapaste, Hautschutzringe, Modellierstreifen etc.).

Mögliche Ursachen sind u.a. chronische Hautfeuchtigkeit (z. B. durch zu großen Hautschutzausschnitt), undichte Versorgungen, starke Schweißbildung, Anlagen auf Hautniveau und zu lange Wechselintervalle. Die beste Vorbeugung ist daher eine gute Versorgung Ihres Stomas.

Von einer Stoma-Retraktion spricht man, wenn sich das Stoma unter das Hautniveau einzieht. Diese postoperative Komplikation kann eine Peritonitis verursachen.

Geringe Retraktionen können durch eine konvexe Basisplatte ausgeglichen werden. Bei starker Retraktion ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Vorbeugen können Sie einer Retraktion nicht.

Die Stenose beschreibt eine Verengung des Stomas bis zum Verschluss. Sie zeichnet sich vor allem durch das Absetzen sogenannter „Bleistiftstühle“ aus. Dazu kommen paradoxe Diarrhöen (Dyschezie = isolierter Stuhlverhalt) oder Stuhlentleerungsstörungen. Die Patienten verspüren oftmals eine vermehrte Gasbildung, explosionsartige Stuhlgänge und dünnflüssige Stuhlabgänge.

Das Stoma lässt sich in der Regel nicht mehr mit dem kleinen Finger des Betroffenen palpieren. Der Gesamtdurchmesser verringert sich auf unter 10-15 mm. Wenn Sie Ihr Stoma sehr gut beobachten, haben Sie die Chance, die Stenosenbildung rechtzeitig zu erkennen.

Vorbeugen können Sie einer Stenose leider nicht.

Beim Stomaödem bildet die Darmwand nach der Operation eine ödematöse Schwellung aus. Diese sollte binnen vier bis sechs Tagen abschwellen, spätestens nach Extraktion der Fremdkörper (Nahtmaterial, Reiter etc.).

Sie erkennen das Ödem an der glasigen, aufgequollenen, glänzenden, aber nicht schmerzhaften Schleimhaut. Diese ist in der Regel gut durchblutet. Es kommt gegebenenfalls zu einem Lymphstau.

Vorbeugen können Sie einem Stomaödem nicht.

Manche Krankheitsbilder, zum Beispiel eine Krebserkrankung, machen die Entfernung eines bestimmten Darmabschnittes erforderlich. Die verbleibenden Enden werden durch Nahtmaterial oder Klammern wieder chirurgisch miteinander verbunden. Die neu geschaffene Verbindung nennt man Anastomose. Wird die Verbindung undicht, spricht man von einer Anastomoseninsuffizienz.

Symptome einer Anastomoseninsuffizienz sind Schmerzen, Fieber und einen Anstieg der Entzündungswerte.

Eine Vorbeugung ist leider nicht möglich.

Tipps von der Stomatherapeutin

Je eher, je besser: bei Stoma-Komplikationen früh reagieren

Im Idealfall läuft alles prima. Wenn Sie jedoch Auffälligkeiten an Ihrem Stoma bemerken, sollten Sie sich schnell und offen an Ihren Arzt oder Stomatherapeuten wenden. „Selbstmedikation ist selten eine gute Idee“, findet Stomatherapeutin Anke Drube ...