Stomaversorgung Meine Rechte

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Worauf ich Anspruch habe!

Sie haben als Stomaträger Anspruch auf viele Hilfen. So kommen neben medizinischen Fragen einige sozialrechtliche Fragen auf Sie zu. Wer kümmert sich um mich, wenn ich wieder zu Hause bin? Welche Leistungen kann ich beantragen? Wer finanziert die Stomaversorgung und die Therapie? Welche Kosten muss ich selbst tragen? Im Folgenden haben wir einige wichtige Informationen zusammengefasst.

Entlassmanagement

Anspruch auf Durchführung des Entlassmanagements

Manchmal ist es nicht ganz leicht, die Schnittstelle von der Stoma-Operation hin zu der Versorgung zu Hause zu bewältigen. Wir unterstützen Sie mit unserem ambulanten Versorgungsnetzwerk. 

Hier haben wir verschiedene, für Ihre Versorgung wichtige Teams unterschiedlicher Disziplinen zusammengeführt: Ärzte,  Stomatherapeuten, Sanitätshäuser etc. Weitere Informationen finden Sie hier.

Gut zu wissen: Seit 2017 haben Sie ein gesetzlich geregeltes Anrecht darauf, während ihrer gesamten Behandlung kontinuierlich betreut zu werden – auch auf dem Weg von der stationären in die ambulante Versorgung. 

Um diesen Anspruch zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber das Entlass- und Versorgungsmanagement in den Paragraphen 11 und 39 des Sozialgesetzbuches V geregelt.

In den Paragraphen wird festgelegt, dass das Krankenhaus dafür Sorge tragen muss, dass die sich an die Stoma-Operation und den Krankenhausaufenthalt anschließende Versorgung eingeleitet wird. Dazu zählen: 

  • die Information des weiterbehandelnden Arztes und des nachversorgenden Unternehmens (z.B. Sanitätshaus) 
  • Reha-Maßnahmen und Kuren 
  • wichtige Anschluss-Untersuchungen in der Arztpraxis 
  • physiotherapeutische Behandlungen und die Begleitung durch den Stoma-Therapeuten 
  • die Ausstattung mit Materialien, die Sie für die Versorgung Ihres Stomas benötigen  

Sie als Patient haben allerdings die Möglichkeit, diese Weiterbehandlung abzulehnen. 

Der GKV-Spitzenverband stellt auf seiner Internetseite ein PDF zur Aufklärung der Patienten zur Verfügung, welches das Entlassmanagement in verständlicher Sprache erläutert. 

Finanzierung

Finanzierung der Stomaversorgung

Die gute Nachricht zuerst: Die Grundversorgung von Stomaträgern finanzieren die Krankenkassen. 

Das Unternehmen, das ihre Versorgung übernimmt (Homecare-Unternehmen, Sanitätshaus, Apotheke) erhält monatlich eine fixe Summe, die eine Versorgung gemäß § 5 SGB V abdeckt. 

Sollten Sie weiteres Zubehör wie Pflasterentferner, Reinigungslotion, Vliessstoffkompressen benötigen, müssen Sie für die Kosten in der Regel selbst aufkommen.

Gemäß den Mengenempfehlungen vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) von 2016 gibt es folgende Regelungen für den monatlichen Bedarf:

Bei Kolostomie

Bei zweiteiliger Versorgung und Kolostomie zahlen die Krankenkassen 10 Basisplatten und 60–90 Auffangbeutel

Bei einteiliger Versorgung werden die Kosten für 60–90 Wechselsysteme übernommen. 

Bei Ileostomie

Bevorzugen Sie die zweiteilige Versorgung, werden 10 Basisplatten und 30 Auffangbeutel finanziert. 

Für die einteilige Versorgung übernimmt die Krankenkasse die Kosten für 30 Wechselsysteme

Bei Urostomie

Für die zweiteilige Versorgung übernimmt die Krankenkasse 10 Basisplatten und 30 Auffangbeutel

Für die einteilige Versorgung sind es 30 Wechselsysteme

Zusätzlich werden 30 Bein- oder Bettbeutel mit Ablauf finanziert. 

Besteht die Notwendigkeit des Einsatzes einer Ausgleichspaste, werden im Normfall 20 Gramm pro Wechsel von der Krankenkasse übernommen. 

Sollten Sie aufgrund der Stomaanlage oder der Grunderkrankung mehr Versorgungsmaterial benötigen, muss für diesen Mehrbedarf eine Begründung, idealerweise von Ihrem behandelnden Arzt/Stomatherapeuten vorliegen und mit Ihrer Krankenkasse abgestimmt werden. 

Die Kosten für Mehrbedarf, der nicht durch diagnostizierte Gründe verursacht wurde, müssen Sie in der Regel selber tragen.

Für die Versorgung mit Stoma-Produkten gelten die allgemeinen Regelungen der Krankenkassen in Bezug auf die Zuzahlung bei Hilfsmitteln. 

Somit entsteht monatlich ein Eigenanteil von 10 % des Materialwerts. Das sind mindestens 5 €, maximal jedoch 10 €.

Zuzahlungen zu Hilfsmitteln werden mit Zuzahlungen zu Medikamenten gemeinsam berechnet. Aktuell gelten folgende Zuzahlungsbegrenzungen:

  • Bei nicht chronischen Erkrankungen liegt die maximale Zuzahlungsgrenze bei 2 % des jährlichen Bruttoeinkommens.
  • Bei chronischen Erkrankungen gilt eine Reduzierung der Belastungsgrenze auf 1 % des jährlichen Bruttoeinkommens.

Sollte im Vorfeld bereits ersichtlich sein, dass diese Grenze erreicht oder überschritten wird, kann eine Befreiung im Voraus beantragt werden. Sie zahlen dann den Betrag bis zur Belastungsgrenze für das folgende Jahr im laufenden Jahr und erhalten einen Befreiungsausweis.

Schwerbehinderung und Nachteilsausgleiche

Verzichten Sie nicht auf die Nachteilsausgleiche, die Ihnen zustehen. Auch wenn es schwerfällt, sich damit auseinanderzusetzen: Lassen Sie unbedingt den Grad Ihrer Behinderung feststellen. Er hat Auswirkungen auf Ihre möglichen Ansprüche. Grundlage hierfür sind sowohl das SGB IX und die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV). 

Mit kontinuierlichem Stoma gelten Sie als schwerbehindert 

Bei einer dauerhaften Stomaanlage ist eine Einstufung von mindestens 50 % vorgesehen (GDB/MDE-Tabelle). Schon dieser Wert entspricht einer Einstufung als schwerbehindert. Bei Auftreten von Komplikationen kann der Wert auf 60–80 % erhöht werden. 

Das Spektrum der möglichen Ansprüche ist sehr breit gefächert, von Sonderregelungen im Kündigungsschutz bis hin zu Geldleistungen.

Wie Sie die Feststellung der Behinderung beantragen

Besorgen Sie sich beim Versorgungsamt ein Antragsformular für die Feststellung einer Behinderung und des Grades der Behinderung (GdB) auf Ausstellung eines Ausweises nach § 69 Abs. 5 SGB IX.

Dieses füllen Sie aus und reichen es ein. In der Regel sind dem Antrag aktuelle Arztberichte und Befunde beizulegen. Wenn Sie einen Ausweis wünschen, benötigen Sie auch ein Lichtbild. 

Inklusionsberater helfen weiter

Details und mögliche Anlaufstellen erfahren Sie bei den Inklusionsberatern. Sie setzen sich im Auftrag der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein. Eine Übersicht der Inklusionsberatungsstellen in Deutschland finden Sie unter hier.