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Stoma Rückverlegung: Risiken erkennen und vorbeugen

Heutzutage trägt man das Stoma immer seltener „lebenslang“. Immer bessere Operationstechniken und die moderne Medizin machen es möglich, dass Stomata nur zeitlich begrenzt angelegt werden können.

Ob eine Rückverlegung Ihres Stomas möglich ist, hängt von individuellen Voraussetzungen ab. Der Zeitpunkt kann zwischen 3 Wochen und mehreren Jahren nach der Anlage (Enterostomie) liegen.

Ist eine Stoma Rückverlegung durchführbar, definiert der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen, wann es an der Zeit ist, das Stoma zu entfernen.

Risiken nach der Stoma Rückverlegung

Sie haben die Stoma Rückverlegung gut überstanden und fragen sich, wie es jetzt weiter geht?

Die Rückverlegung war ein erster, wichtiger Schritt in Richtung Normalität. Jetzt sollten Sie zur Stuhlentleerung wieder ganz normal zur Toilette gehen können. In seltenen Fällen ist dies aber nicht mehr möglich. Durch Operationen, bei denen ein Teil des Mastdarms (Rektum) entfernt wird, wie der tiefen Rektumresektion (tiefe, anteriore Rektumresektion), kann es zu Komplikationen kommen.

  1.  Bei einer sehr tiefen Rektumresektion befindet sich der Operateur nahe dem Schließmuskel und der sog. Linea Dentata. Diese übermittelt dem Gehirn, in welcher Form das Rektum gefüllt ist. Dadurch erkennt der Mensch, ob es sich um Luft, Flüssigkeit oder festen Stuhlgang handelt. Wurde dieser Bereich intraoperativ geschädigt, so kann man diese Unterscheidung nicht mehr wahrnehmen.
  2. Durch eine Schädigung der im Rektum befindlichen Nervenbahnen kann es außerdem zu einem Fehlempfinden kommen, wodurch die Betroffenen einen 24 Stunden anhaltenden Stuhldrang haben.
  3. In seltenen Fällen kann es zur Verletzung des Schließmuskels kommen, was im Verlauf zu einer Stuhlinkontinenz in individueller Ausprägung führt. Man bezeichnet die Kontinenzstörung durch Rektumresektion auch als LARS-Syndrom (lower anterior resection syndrome). Mittels einer standardisierten Befragung der Betroffenen lässt sich eine Ausprägung des Syndroms und ein daraus resultierendes Therapieschema ermitteln. Der dazu benötigte Fragebogen kann für Betroffene z.B. über die zuständige Stomaberatung, Selbsthilfegruppen wie die ILCO oder bei uns bezogen werden.

Risiken minimieren – Schon vor der Stoma Rückverlegung

Um Risiken bereits vor der Stoma Rückverlegung zu erkennen oder zu behandeln, empfehlen sich folgende Ansätze:

Beckenbodentraining:

Auch wenn der Stuhlgang über das Stoma abgeführt wird, sollten Betroffene regelmäßig ihren Beckenboden trainieren. Hierfür gibt es speziell ausgebildete Physiotherapeut*innen, die Sie bei der Stärkung und Ausbildung Ihrer Beckenboden- und Schließmuskeln unterstützen.

Biofeedback:

Eine Methode, den eigenen Schließmuskel besser kennenzulernen und zu trainieren, bietet das Biofeedback. Hierzu gibt es verschiedene Geräte, die mittels Sensoren in der Lage sind, eine akustische oder optische Rückmeldung darüber zu geben, inwieweit die Schließmuskeln ihre Funktion behalten haben. Im Verlauf wird, wie beim Beckenbodentraining, der Schließmuskel wiederaufgebaut.

Sphinkter Manometrie:

Eine Untersuchung, durch die Schädigungen der Schließmuskeln und der Grad einer möglichen Kontinenzschwäche bereits vor der Stoma Rückverlegung erfasst werden können.

MRT:

Im Magnetresistogramm lassen sich Schädigungen der ringförmigen Schließmuskeln erkennen.

Rektaler Ultraschall:

Schädigungen der Schließmuskeln lassen sich durch einen rektalen Ultraschall bereits vor der Stoma Rückverlegung erkennen.

Auch wenn im Vorfeld keine mögliche Inkontinenz erkannt wird, kann es in seltenen Fällen zur Stuhlinkontinenz kommen. Diese kann zeitlich begrenzt oder aber auf lange Sicht auftreten. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein und eine Behandlung bedarf einer sehr genauen Analyse und Beratung.

Was tun bei Stuhlinkontinenz nach der Stoma Rückverlegung?

Keine Angst! Eine Inkontinenz kommt eher selten nach der Stoma Rückverlegung vor. Sollte es dennoch passieren, gibt es heute verschiedene Möglichkeiten, wieder die Kontrolle über die Stuhlausscheidung zu erhalten.

Wenn die Inkontinenz vor allem bei flüssigen Ausscheidungen auftritt, kann eine Ernährungsberatung und -umstellung sinnvoll sein. Das Ziel? Den Stuhl so einzudicken, dass es nur noch in Ausnahmefällen zu flüssiger Ausscheidung kommt.

Die transanale Irrigation (TAI) kann heute als Mittel der Wahl angesehen werden, um eine koordinierte Kontinenz zu erreichen. Mittels einer Darmspülung entleeren Sie den abführenden Dickdarmanteil mit Wasser. Normalerweise macht sich schon nach 24-48 Stunden die Kontinenz bemerkbar. Zur Durchführung gibt es am Markt verschiedene Systeme. Speziell geschultes Pflegefachpersonal leitet Sie an, wenn diese Form der Kontinenz-Rückgewinnung für Sie geeignet ist.

Um die Ausscheidungen zeitlich begrenzt zurückzuhalten, kann man Analtampons zum Verschluss des Darms nutzen. Wenn die Betroffenen dann eine Toilette aufsuchen, entfernen sie den Tampon zur Darmentleerung einfach wieder und führen einen neuen ein, ähnlich wie „frau“ es von ihrer Periode kennt.

Bei Binden, Vorlagen oder Windelhosen geht man in erster Linie von einer aufsaugenden Funktion des Hilfsmittels aus. Sie sind somit für feste Ausscheidungen nur bedingt optimal und bei Stuhlkontinenz daher nicht mehr erstes Mittel der Wahl.

Sie haben sicher schon mal von einem Herzschrittmacher gehört. Ganz ähnlich funktioniert auch der Darmschrittmacher (oder die sakrale Nervenstimulation, kurz SNS). Dieses moderne Verfahren zur Kontinenz-Rückgewinnung stimuliert durch Mikroimpulse den für die Kontinenz zuständigen Sakralnerv. Hierzu werden kleinste Elektroden im Bereich der Wirbelsäule positioniert und der zugehörige Schrittmacher unter die Haut im Gesäß platziert. Der behandelnde Arzt stellt die benötigte Intensität und Wirkung dann per Fernbedienung ein. Für die ersten drei Wochen trägt man den Schrittmacher nur AM Körper. Erst wenn sich eine wesentliche Verbesserung der Situation zeigt, wird der Schrittmacher fest implantiert. Die Erfolgsquote liegt aktuell bei über 90%.

Dynamische Gracilisplastik: Als Schließmuskelersatz dient hier ein Muskelstrang (Musculus gracilis), der aus der Innenseite des Oberschenkels entnommen und ringförmig um den After eingelegt wird. Bei dem Verfahren wird eine Elektrode mit einem Impulsgeber implantiert. Dadurch wird der Muskelstrang aktiviert und erhält die Kontinenz über einen längeren Zeitraum. Im Laufe der Zeit wandelt sich dann dieser Muskel zelltechnisch um und kann die Kontraktion von sich aus länger aufrechterhalten. Die dynamische Gracilisplastik ist ein sehr aufwendiger Eingriff und sollte nur in spezialisierten Darmzentren durchgeführt werden.

Künstlicher Schließmuskel: Bei dieser Methode wird um den Enddarm eine mit Wasser gefüllte Manschette sowie eine Pumpe mit Reservoir eingelegt. Die Betroffenen bedienen die Pumpe, um den Schließmuskel zu öffnen oder zu schließen. Diese Form der Kontinenz Rückgewinnung geht mit sehr aufwendigen Operationen im Darmbereich einher und sollte immer nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Neuanlage eines Stomas

Wenn es bei Ihnen nach der Stoma Rückverlegung zur Inkontinenz kommt und alle Möglichkeiten zur Kontinenz-Rückgewinnung ausgeschöpft sind, bleibt oftmals nur noch der Schritt zu einer erneuten Stoma-Anlage.

Betroffene, die an einer Inkontinenz-Symptomatik leiden, sollten sich unbedingt Expertenmeinungen bei einer Kontinenzberatung einholen. Unbehandelt führen Kontinenzstörungen im Verlauf oftmals zu psychosozialen Problematiken. Im langen Verlauf führen Kontinenzstörungen nicht selten zu Vereinsamung und Isolation der Betroffenen.

Bei Fragen zum Thema Stoma Rückverlegung stehen wir Ihnen zur Seite:

Kontakt

Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin