Partikelkontamination Risikoprävention im Rettungsdienst

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Alle Formen von Partikeln, die im intraluminalen Kompartment vorliegen und nicht durch einen Filter zurückgehalten werden, gelangen direkt in den menschlichen Körper. Diese Partikel können schwerwiegende Folgen haben.

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Ursachen

Glasampullen stellen ein besonders hohes Risiko für eine Partikelkontamination dar, weil beim Öffnen winzige Glassplitter in die enthaltene Flüssigkeit gelangen können (Abb. 1)1. Wenn für das Aufziehen des Inhalts einer Glasampulle eine Kanüle (z. B. 18G) verwendet wird, können winzige Glaspartikel mit in die Spritze aufgezogen werden und dann in den Körper des Patienten gelangen. Dieses Risiko bleibt auch dann bestehen, wenn Arzneistoffe routinemäßig über den Injektionsport der Venenverweilkanule verabreicht werden, denn dieser Port ist dafür gedacht, das Personal vor Stichverletzungen zu schützen und besitzt keine Filterfunktion2.

Risiken und Folgen

Bei erkrankten Menschen können schon Partikel, die nur 1,5 μm groß sind, zur Verlegung von Gefäßen führen, während dies bei Gesunden erst für Partikel ab einer Größe von 6 μm beschrieben wird 3,4. Generell werden als Folgen Organschädigungen von Lunge, Niere, Leber und Milz beschrieben2,5,6,7,8. Schwerkranke Patienten sind jedoch besonders stark betroffen8, 9,10,11,12. Besonders empfindlich reagieren Patienten mit vorbestehenden Organschädigungen, da die Partikel die bereits beeintrachtigte Mikrozirkulation noch weiter verschlechtern3,4.

Ein weiteres klinisches Problem, das durch Partikel aus Glasampullen verursacht werden kann, ist die Phlebitis5,11,12. Eine Phlebitis manifestiert sich als lokale Überwärmung, Schmerzen und Rötung am Verabreichungsort der parenteralen Medikation13. Ferner kann eine Infusion von Glaspartikeln silikotische Veränderungen der Lungen und nodulare Fibrosen von Leber, Milz und Dünndarm infolge einer Fremdkörperreaktion verursachen2,14. Außerdem können Glasfragmente in Arzneimitteln nachweislich ein Atemnotsyndrom des Erwachsenen (ARDS) sowie bei unreifen Neugeborenen Granulome der Pulmonalarterien induzieren5,6,7.

Risikobedingte Kosten in der medizinischen Einrichtung

Angesichts der breitgefächerten Komplikationen, die beim Patienten durch die Kontamination mit Kunststoff-, Glas- und/oder Gummiartikeln entstehen können, ist anzunehmen, dass Partikelkontaminationen zu verlängerten Krankenhausliegezeiten und zusätzlichen Behandlungskosten führen oder beitragen. Die dem Risiko zuzuschreibende Kostenbelastung kann anhand der damit zusammenhängenden Kosten für die klinische Behandlung und den verlängerten Klinikaufenthalt ermittelt werden. Die Grundlage sind die durchschnittlich pro Tag entstehenden Kosten15,16 der zu erwartenden klinischen Therapie.

Die geschätzte zusätzliche Kostenbelastung durch Komplikationen infolge von Partikelkontaminationen (z. B. bei schweren Organdysfunktionen, die eine umfangreiche intensivmedizinische Behandlung erfordern) kann um bis zu 56.670 Euro im Einzelfall reduziert werden.

Präventionsstrategien

Die Prävention von Partikelkontaminationen an deren Ursprung erfordert eine breit angelegte Strategie wie die Verwendung von Qualitätsprodukten, die das Entstehen von Partikeln verhindern sowie den Einsatz von Produkten mit niedrigem intrinsischem Partikelgehalt (z. B. Kunststoff- statt Glasampullen).

Partikelkontaminationen lassen sich vermindern, wenn Filterkanülen und Inline-Filter zum Aufziehen der Arzneimittel aus Glasampullen verwendet werden2,17,18,19.

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6 Puntis JW, Wilkins KM, Ball PA , Rushton DI and Booth IW. Hazards of parenteral treatment: do particles count? Arch Dis Child 1992;
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8 Turco SJ, Davis NM. Detrimental effects of particulate matter on the pulmonary circulation. JAMA 1971; 217(1): 81-2
9 Jack T, Boehne M, et al. In-line filtration reduces the incidence of SIRS in critically ill children. Poster presentation, ISICEM 2009
10 Oie S, Kamiya A. Particulate and microbial contamination in in-use admixed parenteral nutrition solutions. Biol Pharm Bull 2005;
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11 DeLuca PP, Rapp RP, Bivins B, McKean HE and Griffen WO. Filtration and infusion phlebitis: a double-blind prospective clinical
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12 Schroeder HG, DeLuca PP. Particulate matter assessment of a clinical investigation on filtration and infusion phlebitis.
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18 Heiss-Harris GM, Verklan MT. Maximizing patient safety: filter needle use with glass ampules. J Perinat Neonatal Nurs 2005; 19(1): 74-81
19 Preston ST, Hegadoren K. Glass contamination in parenterally administered medication. J Adv Nurs 2004; 48(3): 266-70

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