Palliative Care Entwicklung Palliativmedizin

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Palliative Care - Eine andauernde Erfolgsgeschichte

Wo liegen die historischen Wurzeln von Palliative Care? Wie entwickelte sich die Disziplin in Deutschland? Wie ist der Status Quo und was sind gegenwärtige Ziele?

Cicely Saunders – Pionierin der Hospizbewegung

Cicley Saunders wirkte zunächst als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und später als Ärztin. Die Engländerin gilt als Gründerin der modernen Hospizbewegung und damit auch als Initiatorin des heutigen Palliative-Care-Gedankens. Zu einer Zeit, in der der Tod zunehmend tabuisiert wurde, engagierte sie sich für die Verbesserung der Versorgung und Begleitung unheilbar kranker und sterbender Menschen und rückte deren Situation gesellschaftlich in den Fokus.

Bereits 1967 gründete sie das St. Christopher’s Hospice im Londoner Stadtteil Sydenham, das für unzählige Hospize und Palliativstationen in Großbritannien und mehr als 90 anderen Ländern zum Vorbild wurde. Auf Grund Ihrer Initiative erhielten unheilbar kranke und sterbende Menschen hier eine spezialisierte ärztliche Behandlung und pflegerische Betreuung mit emotionaler, spiritueller und sozialer Unterstützung.

Diese Praxis wurde seitdem weltweit kopiert und weiterentwickelt. Saunders starb am 14. Juli 2005, 87-jährig, an den Folgen ihrer Krebserkrankung im St. Christopher’s Hospice.

Entwicklung in Deutschland - Meilensteine

Bereits Ende der 1960er Jahre nahmen deutsche Ärzte und Seelsorger Kontakt mit dem St. Christopher’s Hospital auf. Bis in Köln die ERSTE PALLIATIVSTATION IN DEUTSCHLAND eröffnet werden konnte, sollte es noch bis 1983 dauern. Die Deutsche Krebshilfe leistete hier bedeutende Unterstützung. Bis heute ist die Onkologie diejenige Fachrichtung, die am stärksten mit der Palliativmedizin verbunden ist.

Von nun an gewann der Palliativ-Gedanke an Bedeutung. Die Disziplin entwickelte eine besondere Dynamik, was sich gesellschaftlich, medizinisch und auch juristisch dokumentierte. Mit Gründung der DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR PALLIATIVMEDIZIN 1994 wurde ein interdisziplinäres und multiprofessionelles Netzwerk geschaffen, das sich auf nationaler Ebene für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung engagiert.

1997 erfolgte die Integration von Regelungen zur stationären, hospizlichen und palliativmedizinischen Versorgung ins SOZIALGESETZBUCH V. Seit 2002 existiert zudem eine gesetzliche Regelung für die finanzielle Förderung der ambulanten Hospizbetreuung.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Pallitivmedizin eine recht junge Disziplin ist, ist das Versorgungsnetz heute recht dicht. Allerdings bringt die demographische Entwicklung einen immer höheren Bedarf mit sich, der bis heute als nicht gedeckt eingeschätzt wird.

Status und Ziele

Die Entwicklung der Palliativmedizin und Palliativpflege hat seit ihren Anfängen in den 60er Jahren große Erfolge zu verzeichnen.

Heute gibt es in Deutschland

  • 1500 ambulante Einrichtungen
  • 235 stationäre Hospize für Erwachsene
  • 14 Kinderhospize
  • 304 Palliativstationen
  • über 295 SAPV-Teams (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung)
    (Quelle: KBV, Stand 25.07.2016)

Doch so viele Ziele die Palliativmedizin in den vergangenen 60 Jahren erreicht hat, die Herausforderungen bleiben vielfältig:

  • FINANZIERUNG: Experten kritisieren vor allem die unzureichende Finanzierung – nicht nur der ambulanten Dienste.
  • FAMILIÄRE STERBEBEGLEITUNG: Ein Recht auf ambulante Palliativpflege und die Möglichkeit, Angehörige zur Sterbebegleitung von der Arbeit freizustellen, wie dies z. B. in Frankreich oder Österreich möglich ist, gehören ebenfalls zu den konkreten Forderungen.
  • INTERDISZIPLINÄRE ZUSAMMENARBEIT: Fachkreise arbeiten an der Förderung einer intensiveren Zusammenarbeit von Experten so unterschiedlicher Disziplinen wie Palliativ- und Allgemeinmedizin, Onkologie, Geriatrie, Pädiatrie und Intensivmedizin.
  • STANDARDISIERUNG: Als Ziel gilt weiterhin eine standardisierte Qualitätssicherung in der palliativen Versorgung.
In den vergangen Jahren entwickelte die Palliativbewegung eine große Dynamik, die sich in der Zahl der Hospize und Palliativstationen dokumentiert

Historie in Deutschland

  • Ende der 1960er-Jahre:
    Deutsche Ärzte und Seelsorger haben erste Kontakte zu britischen Hospizen
  • 1983:
    Erste Palliativstation (Köln)
  • 1986:
    Erstes Hospiz (Aachen)
  • 1994:
    Gründung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
  • 1996:
    Kongress der DGP (Köln)
  • 1997:
    Curricula Palliativmedizin für Studenten der Medizin, Ärzte, das Krankenpflegepersonal, Sozialarbeiter und Seelsorger. Lehrbuch für Palliativmedizin
  • 1999:
    Sackler-Stiftungs-Professur für Palliativmedizin an der Universität Bonn durch die Firma Mundipharma, Limburg
  • 2004:
    Eine zunehmende Zahl medizinischer Fakultäten in Deutschland macht Palliativmedizin zum verpflichtenden Lehr- und Prüfungsfach, insgesamt gibt es bereits drei Lehrstühle für Palliativmedizin, weitere werden folgen.
  • 2004:
    Fachärzte können sich in Palliativmedizin spezialisieren
  • 2006:
    Es gibt fünf Lehrstühle für Palliativmedizin, an den Unikliniken Köln, Aachen, Göttingen, Bonn und München
  • 2007:
    Im GKV-(Gesetzliche Krankenversicherung-)Wettbewerbsstärkungsgesetz wird § 37 b in das Sozialgesetzbuch (SGB) V eingefügt; dadurch haben Betroffene Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung
  • 2008:
    Es gibt zwei Lehrstühle für Pädiatrische Palliativmedizin: Uniklinik München: Prof. Dr. Führer, Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln/Universität Witten/Herdecke: Prof. Dr. Zerniko
  • 2009:
    Erste SAPV-Verträge werden geschlossen
    Änderung der Approbationsordnung: Palliativmedizin wird Pflicht-, Lehr- und Prüfungsfach im Medizinstudium
  • 2010:
    Verabschiedung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen, initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, dem Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband und der Bundesärztekammer
  • 2011:
    Einführung des nationalen Hospiz- und Palliativregisters durch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
  • 2015:
    Beschluss und Inkrafttreten des Hospiz- und Palliativgesetzes (HPG). Das Gesetz enthält Maßnahmen zur Förderung eines flächendeckenden Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung.
Die Zahl der Fachärzte, die über die Zusatzbezeichnung „Palliativmedizin“ verfügen, stieg im letzten Jahrzehnt immens an. Dennoch sprechen Experten davon, dass der Bedarf in vielen Regionen keinesfalls gedeckt sei.

(Quelle: www.gbe-bund.de , Onlinezugriff erfolgte am 20.01.2017)