DRG Kodierung von Diagnosen

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Verschlüsselung der Diagnosen für Abrechnungszwecke

Die Dokumentationen der Diagnosen von Wundpatienten geschehen in Patientenakte und Arztbriefen mit der medizinischen Nomenklatur im Klartext nach rein medizinischen Regeln. Für Abrechnungszwecke einschließlich der DRG‐Ermittlung müssen diese Begriffe in Kodes der ICD‐10 übersetzt werden. Beispielsweise wird ein venöses Ulcus cruris mit I83.2 Varizen der unteren Extremitäten mit Ulzeration und Entzündung verschlüsselt. Dies zeigt auch schon die Probleme bei der Überleitung der medizinischen Begrifflichkeiten auf die ICD‐10: es gibt keinen Kode für "chronische Wunde", sondern die unterschiedlichen Wund‐Entitäten sind je nach Ätiologie in den verschiedensten Kodegruppen zu finden.

Beispiele für die Kodierung häufiger chronischer Wunden:

Klinische Bezeichnung Kode Offizieller Kodetext
Venöses Ulcus cruris I83.2 Varizen der unteren Extremitäten mit Ulzeration und Entzündung
Arterielles Ulcus cruris I70.23 Atherosklerose der Extremitätenarterien, Becken-Bein-Typ, mit Ulzeration
Diabetisches Fußsyndrom E11.74+ Nicht primär insulinunabhängiger Diabetes mellitus /Typ-2-Diabetes), mit multiplen Komplikationen, mit diabetischem Fußsyndrom, nicht als entgleist bezeichnet
Diabetisches Fußsyndrom I79.2* Periphere Angiopathie bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
Diabetisches Fußsyndrom L97* Ulcus cruris, anderenorts nicht klassifiziert

Hier zeigt sich schnell die Problematik der ICD‐10 in der Darstellung von multifaktoriellen Krankheitsbildern. Während das klassische arterielle oder venöse Ulcus recht eindeutig kodierbar ist und "nur" die offizielle Kode‐ Bezeichnung sehr sperrig wirkt, sieht dies bei dem diabetischen Fußsyndrom schon deutlich komplizierter aus. Hier müssen die Informationen auf drei Kodes verteilt werden, um die Ätiologie (Diabetes mellitus Typ 2) und Art sowie Lokalisation des Krankheitsgeschehens (periphere Angiopathie mit Ulcus) darzustellen.

So kompliziert und abstrakt das auch ist, viele Informationen über die individuelle klinische Verlaufsform gehen trotzdem dabei verloren. Insbesondere wichtige klinische Informationen wie Verlaufsformen wie "rezidivierendes Ulcus" oder "progrediente Wunde" sind im ICD‐10 nicht hinterlegt. Auch infizierte Wunden sind nur dann eindeutig kodierbar, wenn es einen Erreger‐Nachweis gibt. Dies ist durchaus von Bedeutung, da chronische Wunden üblicherweise bakteriell kolonisiert sind, nach Leitlinie aber eine routinemäßige Bestimmung von Erregern nicht erfolgen soll. Auch beim Einsatz von Präparaten auf Basis lokaler antiseptischer Wirkstoffe wie PVP‐Iod, Polihexanid oder Octenidin ist keine Erregerbestimmung empfohlen.

Die strukturierte Erfassung von relevanten Kriterien, die den Ist‐Zustand einer Wunde und des angrenzenden Gewebes klinisch angemessen beschreibt, ist mit der DRG‐relevanten Dokumentation nur sehr eingeschränkt möglich. Wundgröße, Wundfläche oder weitere relevante Kriterien wie Umgebung, Exsudat oder Geruch lassen sich nicht kodieren. Auch eine Beurteilung des Verlaufes kann aus der DRG‐Dokumentation, die einen Zustand am Ende des stationären Aufenthaltes widerspiegelt, nicht erfolgen. Sinnvoll ist daher die Erstellung einer einrichtungsinternen Regelung, in der die Anforderungen an die klinische Wunddokumentation und deren Übersetzung in die DRG‐Daten geregelt wird.

Klartextinformationen zur Information für den weiterbehandelnden Arzt können deshalb nicht durch ICD‐10‐Kodes ersetzt werden, der Diagnosenteil eines Arztbriefes darf nicht nur aus ICD‐10‐Kodes bestehen. Diese können allerdings ergänzend angegeben werden.
Therapieziele in der Behandlung chronischer Wunden sind neben der Lokaltherapie natürlich auch die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankungen (Diabetes mellitus, pAVK, CVI etc.).

Die aus Sicht der Patienten wichtigen Aspekte der Lokaltherapie chronischer Wunden umfassen u.a. psychosoziale Unterstützung, Empathie, Erleichterung in Bezug auf logistische Faktoren im Zusammenhang mit der Behandlung (z. B. Ansprechpartner, Wartezeiten, Behandlungswege, Kosten), Unterstützung bei Maßnahmen zur Prävention, v.a. die hohe Qualität der medizinisch‐technischen Versorgung aller beteiligten Berufsgruppen. Nur wenige dieser Faktoren kommen in der DRG‐relevanten Dokumentation zum Ausdruck.