Afrika Kommt     Interview mit Prof. Dr. Grosse 

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10 Jahre AFRIKA KOMMT!

AFRIKA KOMMT! vernetzt deutsche Unternehmen und künftige Führungskräfte aus Subsahara-Afrika mit dem Ziel, nachhaltige und langfristige Geschäftskontakte aufzubauen.

Weshalb engagiert sich B. Braun seit 2012 in dem Programm? 

B. Braun ist bereits seit mehr als 60 Jahren in Afrika aktiv und exportiert Medizinprodukte in nahezu alle Länder des Kontinents. Die gesamte Region hat großes Potenzial und die Entwicklungen vor Ort bringen viele Chancen mit sich – auch für B. Braun. Für uns als Familienunternehmen bedeutet wirtschaftliches Engagement aber auch immer, Verantwortung zu übernehmen und Perspektiven zu geben. Dazu zählt auch, dass wir – im Einklang mit unserer Philosophie Sharing Expertise – selber Schwestern, Pfleger und Techniker aus- und weiterbilden. Oder im Rahmen von AFRIKA KOMMT! jungen talentierten Nachwuchsführungskräften aus Subsahara-Afrika die Möglichkeit geben, bei B. Braun in Melsungen ihre Kompetenzen auszubauen und anschließend in ihrem Heimatland einzubringen. Das Programm, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführt wird, unterstützt zugleich unser langfristiges Wachstum der Geschäfte in Afrika. AFRIKA KOMMT! ist somit eine Win-win-Situation für Teilnehmer und Unternehmen.  

Welche Wirkung konnte mit der Teilnahme an dem Programm bisher erreicht werden? 

Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Programmes. Von insgesamt neun Teilnehmern insgesamt hatten wir allein 2017 fünf, die uns während ihres acht Monate andauernden Praktikums in der Melsunger Unternehmenszentrale unterstützt haben. Alle erhielten im Anschluss eine Anstellung bei B. Braun und werden zukünftig an verschiedenen Standorten in Afrika tätig sein. Daher sind seit November 2017 auch zwei weitere Teilnehmer bei uns in Melsungen vor Ort, mittlerweile der vierte AFRIKA KOMMTt! Jahrgang. Sie sehen also, das Programm hat bei uns im Unternehmen schon eine gewisse Tradition.

Als besonders positiv nehme ich übrigens wahr, dass die Teilnehmer nicht nur durch neu erworbenes Fachwissen profitieren, sondern auch durch hinzugewonnene sprachliche und interkulturelle Kompetenzen zu international gefragten Mitarbeitern werden. Neben ihrer afrikanischen Heimatregion kennen Sie nun auch die Abläufe in unserer Unternehmenszentrale am Standort Melsungen. Genau diese Kenntnisse sind für uns als Unternehmen von großem Wert und legen die Basis für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit.

B. Braun ist bereits seit mehr als 60 Jahren in Afrika aktiv. Wie hat sich das Unternehmen seitdem auf dem Kontinent unternehmerisch entwickelt?

B. Braun hat schon früh versucht, der Komplexität des Kontinents Rechnung zu tragen und arbeitete in einem Großteil der Märkte mit lokalen Partnern zusammen. Wir haben mittlerweile eigene Strukturen mit insgesamt 780 Mitarbeitern in Südafrika, Simbabwe, Sambia, Algerien und Kenia. Derzeit erzielen wir rund 100 Mio. EUR Umsatz in Afrika, das entspricht etwa 1,5 Prozent unseres Konzernumsatzes. Vor allem mit der Gründung unserer Landesgesellschaft in Kenia haben wir 2014 einen Anker geschaffen, der den Ausbau der Aktivitäten von B. Braun in der gesamten ostafrikanischen Region unterstützen soll. Ziel ist, auf Dauer ein Netzwerk für die gesamte Region südlich der Sahara zu etablieren.

Um einige Erfolgsbeispiele aus den letzten Jahren zu nennen, so konnten wir 2016 die Akquisition von zwei Produktionsstätten für Händedesinfektionsmittel und Infusionslösungen in Südafrika verzeichnen. Aber auch unser Provider- und Produktgeschäft im Bereich der Dialyse verläuft sehr positiv, momentan setzen wir in Afrika Verbrauchsmaterialien ab, die einer jährlichen Versorgung von 9.000-10.000 Dialysepatienten entsprechen.

Mit deutschen Familienunternehmen verbindet man häufige Nachhaltigkeit, Langfristigkeit, soziales Engagement sowie Flexibilität und Pragmatismus. Wie hat sich B. Braun diese Eigenschaften vor Ort zu Nutze gemacht? 

Nachhaltiges und soziales Handeln gehört zu unserer Wertekultur, die wir als Familienunternehmen weltweit leben. Auch mit Blick auf Afrika ist es uns wichtig, langfristige Perspektiven zu schaffen sowie Märkte und Menschen zu entwickeln. Dabei geht es um Arbeitsplätze, um Wertschöpfung und vor allem darum, die gesamte Wertschöpfungskette auf den Kontinent zu bringen. B. Braun setzt dabei auf lokale Partnerschaften und auf die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Als SAFRI-Vorsitzender ist es mir aber natürlich auch ein Anliegen, dass mehr deutsche Unternehmen noch viel intensiver den Aufbau von Wertschöpfung vor Ort vorantreiben. Dabei können wir nicht nur unsere Technologie, sondern auch unsere organisatorischen Kompetenzen und Erfahrungen beim Aufbau komplexer, international wettbewerbsfähiger Strukturen einbringen. Dies ist besonders wichtig mit Blick auf die demographische Entwicklung des Kontinents – 2050 werden ca. 2,4 Mrd. Menschen in Afrika leben, voraussichtlich 25% der Weltbevölkerung – eine große Chance für uns deutsche Unternehmen.

Sie bilden auch selber Schwestern, Pfleger und Techniker in Afrika aus. Welche Erfahrungen haben Sie hier in den vergangenen Jahren gesammelt? 

Afrika wird immer wieder als Chancenkontinent bezeichnet, aber natürlich stehen wir als Unternehmen auch Herausforderungen gegenüber. Neben politischer Instabilität in einigen Ländern, teilweiseintransparenten Vergabepraktiken bei Ausschreibungen oder einem Mangel an Infrastruktur, zählt dazu auch ein Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Wir reagieren darauf, indem wir vor allem Schwestern, Pfleger und Techniker im Bereich der Dialyse zu unseren Produkten schulen. In den letzten drei Jahren waren das, Südafrika einmal ausgenommen, fast 1000 Dialyse-Pfleger und Dialyse-Techniker. Zudem legen wir Wert auf eine kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter von lokalen Partnern, also Servicetechnikern und Vertriebspersonal. Das oftmals angesprochene Thema der fehlenden Schulbildung ist für B. Braun kein Problem, da wir unsere lokalen Mitarbeiter fast ausschließlich aus dem klinischen Umfeld rekrutieren. Das zeigt sich auch bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern. Hier werden wir einerseits durch unsere lokalen Partner unterstützt, andererseits beobachten unsere Vertriebsmitarbeiter selbst kontinuierlich die jeweiligen Märkte und identifizieren diese Kandidaten. Ein Engagement das sich auszahlen wird, denn Afrika wird für uns ein immer wichtigerer Markt. 

 

GIZ

Als Dienstleister der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und internationalen Bildungsarbeit engagiert sich die GIZ weltweit für eine lebenswerte Zukunft. Die Organisation hat mehr als 50 Jahre Erfahrung in unterschiedlichsten Feldern, von der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über Energie- und Umweltthemen bis hin zur Förderung von Frieden und Sicherheit. Das gemeinnützige Bundesunternehmen hat seinen Sitz in Bonn und Eschborn. Das Geschäftsvolumen betrug im Jahr 2016 rund 2,4 Milliarden Euro. Von den 18.260 Beschäftigten in rund 120 Ländern sind fast 70 Prozent als Nationales Personal vor Ort tätig. Als anerkannter Träger des Entwicklungsdienstes entsendet die Organisation derzeit 643 Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer.