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Interview mit Dr. Joachim Schulz

Dr. Joachim Schulz, Vorstandsvorsitzender der Aesculap AG, über die Zukunft einer 150-jährigen Erfolgsgeschichte

Herr Dr. Schulz, Aesculap feiert 150-jähriges Jubiläum. Das Unternehmen gehört zur B. Braun-Gruppe, die bereits 1839 gegründet wurde. Ist diese Geschichte – oder anders gesagt: dieses Alter – Segen oder Fluch in einer Wirtschaft, die zunehmend von jungen Start-ups mit vermeintlich immenser Innovationskraft bestimmt wird?

Innovationskraft ist das Erfolgsgeheimnis seit über 175 Jahren bei B. Braun und seit 150 Jahren bei Aesculap. Innovationskraft ist somit keine Frage des Alters, sondern vielmehr der Einstellung. Selbstverständlich konnte man in den vergangenen Jahrzehnten beobachten, wie etablierte und ältere Unternehmen sich zu sehr über ihre Erfolge gefreut und somit an Innovationskraft verloren haben. Da wir es uns bei B. Braun noch nie bequem gemacht haben, wollen wir auch in Zukunft durch Innovationen erfolgreich sein.
Ein Erfolgsgeheimnis von reiferen Unternehmen mag zudem sein, dass man Produkte über ihren ganzen Lebenszyklus begleitet hat, den Markt gut kennt und ein Portfolio von größerer Komplexität betreut. Das stabilisiert und macht unverwechselbar.

Nicht nur die Garagenunternehmen bestimmen den momentanen Markt, auch immer mehr Mega-Mergers verändern das Bild. Neue Player treten auf, die auf den ersten Blick wenig mit dem klassischen Gesundheitsmarkt zu tun haben, Google zum Beispiel. Was kann Aesculap als Teil von B. Braun dem entgegen setzen, besonders als familiengeführtes Unternehmen?

Auch wenn neue Marktteilnehmer, seien sie noch so groß und finanzkräftig wie beispielsweise Google, den Gesundheitsmarkt betreten, so bleiben sie doch primär neue Marktteilnehmer. Dies bedeutet, dass wir unser Kundenverständnis und unsere Kundennähe für uns nutzen müssen. Der Kunde muss erkennen können, dass wir seine Abläufe wirklich verstehen und ihn partnerschaftlich auf seinem Weg zu einer besseren Gesundheitsprävention und Gesundheitsversorgung begleiten wollen.
Als familiengeführtes Unternehmen gelingt dies besonders gut, weil wir bereit sind, langfristige Partnerschaften einzugehen und hier nicht auf den schnellen eigenen Profit schielen.

Auch Gesellschaft und Lebensbedingungen verändern sich rasant. Der viel beschriebene demographische Wandel, mündigere Verbraucher, höheres Gesundheitsbewusstsein … Welche Veränderungen ergeben sich daraus für die gesundheitliche Versorgung, insbesondere im Bereich der Chirurgie?

Die Menschen nehmen Gesundheitsversorgung heute viel bewusster wahr und wählen gezielter als früher ihren Gesundheitsdienstleister aus. Die Gesundheitsdienstleister sind daher gefordert, möglichst optimale Behandlungskonzepte und dazu passende perfekte Behandlungsabläufe zu präsentieren, um sich hier zu differenzieren. Auf diesem Weg zu einer optimaleren Gesundheitsversorgung sind wir bei B. Braun und insbesondere auch in der Sparte Aesculap für die operativen Disziplinen der ideale Partner. Wir können nahezu alle Etappen des Behandlungsprozesses mit unseren Produkten optimal versorgen und auch prozessoptimierend wirken.
In der Chirurgie ist besonders auffällig, dass es einen stärkeren Trend zu einer optimaleren Charakterisierung des Patienten und seiner Erkrankung gibt, um nicht nur das richtige OP-Verfahren in der kurativen Medizin auszuwählen, sondern auch optimale präventive chirurgische Optionen zu wählen, bevor es überhaupt zu einer Erkrankung kommt.

Die digitale Transformation ist eine Herausforderung für jedes Unternehmen. Wie begegnet Aesculap dieser Herausforderung?

Die digitale Transformation erfasst alle Bereiche des Gesundheitsmarktes und insbesondere auch alle Bereiche des Unternehmens. In der Produktion sind B. Braun und Aesculap bereits gut aufgestellt und in vielen Fällen bereits hochautomatisiert und vernetzt.
Um uns in anderen Bereichen noch erheblich zu verbessern, haben wir ein spartenübergreifendes Projekt zur digitalen Transformation initiiert. Ziel dieser Initiative ist es, unsere digitalen und digital unterstützten Produkt- und Serviceangebote weiter zu optimieren. Hierbei geht es allerdings nicht um die digitale Lösung an sich, sondern um die möglichst optimale Nutzenstiftung für Patienten, Anwender und Gesundheitseinrichtungen. Erneut liegt der Fokus darauf herauszufinden, wo die Herausforderungen im Prozess wirklich liegen und hier gezielt verbessernd einzugreifen.

Innovation ist neben Nachhaltigkeit und Effizienz einer der drei Unternehmenswerte von B. Braun. Henry Ford sagte: „Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Woran orientieren Sie sich, um Innovation voran zu treiben?

Innovationsmanagement in einem Unternehmen wie B. Braun und der Sparte Aesculap zu betreiben bedeutet stets, eine gute Balance zu finden zwischen inkrementeller Innovation, d.h. das Bekannte und Bewährte stets weiter zu verbessern und disruptiver Innovation, d.h. das überraschend Neue zu liefern, mit dem der Kunde erst einmal nicht gerechnet hätte. Sie müssen also einerseits unterschiedliche Ansprechpartner befragen, um beide Felder entsprechend bedienen zu können. Andererseits heißt das, dass Sie immer wieder in der Lage sein müssen, mit einem Teil Ihres Portfolios völlig neue Akzente in der Gesundheitsversorgung zu setzen, mit denen bisher niemand gerechnet hat und deren technologische Lösung sich auch niemand vorstellen konnte. Nicht das eine oder das andere ist entscheidend, sondern die richtige Mischung aus inkrementeller und disruptiver Innovation.

Was sind aus Ihrer Sicht die bedeutendsten Trends in der Chirurgie?

Zentrale Trends sind die Minimalisierung, die Biologisierung und die digitale Transformation in der Chirurgie.
Im Rahmen der Minimalisierung sind die Unternehmen gefordert, stets neue und optimal funktionsfähige Lösungen für ein immer geringeres Operationstrauma zu entwickeln, damit möglichst viele Eingriffe minimalinvasiv oder gar interventionell durchgeführt werden können.
Im Rahmen der Biologisierung ist ein wesentlicher Trend die regenerative Medizin und deren sinnvolle Verbindung mit der traditionellen Medizintechnik. Darüber hinaus zielt die Biologisierung auf die Optimierung von Beschichtungen unterschiedlichster Art, um Einheilung, langfristige Gewebeintegration und insbesondere auch Infektionsprävention von Implantaten zu gewährleisten.
Im Rahmen der digitalen Transformation geht es insbesondere darum, mit einer möglichst optimalen Informationsbereitstellung dem Chirurgen die Möglichkeit zu geben, seine Entscheidungen prä-, intra- und postoperativ bestmöglich zu fällen. Somit wird ein zentraler Bestandteil die Sensorik sein, welche darüber hinaus wichtige Informationen für eine möglichst optimale Aktorik (Antriebstechnik) liefert. Dies bedeutet, dass mit digitaler Unterstützung auch die Handlungen des Chirurgen noch präziser und noch optimaler werden.
Autonome Operationsroboter wird es auch in naher Zukunft nicht geben, aber eine möglichst optimale Unterstützung des in eigener Entscheidungshoheit handelnden Chirurgen.

Der Jubiläumsclaim von BMW war “THE NEXT 100 YEARS”. Was ist vor dem Hintergrund der eben skizzierten Trends Ihr Zukunftsbild für Aesculap? Welche Vision haben Sie langfristig für das Unternehmen?

B. Braun – und damit alle Sparten des Unternehmens – hat bereits eine herausragende Unternehmensvision: „Wir schützen und verbessern die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt.“
Wer für einen solchen Unternehmenszweck tätig sein darf, kann sich glücklich schätzen und benötigt keine weitere ergänzende Vision, da dies bereits ein umfassender und herausragender Unternehmenszweck ist.
Allerdings ist es hierbei eine wichtige Aufgabe für die Zukunft, den Partnern in der Gesundheitsversorgung noch stärker klar zu machen, welchen herausragenden Mehrwert Aesculap und B. Braun in einer verbesserten Patientenbehandlung leisten können, um exzellente Gesundheitsversorgung und Prävention zu gewährleisten.
Dazu wollen und werden wir natürlich auch die Entwicklungen in den eben genannten Trends mit unserer Expertise und Leidenschaft weiter vorantreiben.

Was denken Sie ist der größte Unternehmenswert von Aesculap? Welche Fähigkeit oder Eigenschaft des Unternehmens wird in den nächsten 150 Jahren von entscheidender Bedeutung sein?

Seit 150 Jahren ist Aesculap seinen Wurzeln und Kompetenzen stets treu geblieben und hat sich doch immer wieder neu erfunden. Das Streben nach einer perfekten Produkt- oder Servicelösung verbunden mit der Neugier, auch immer wieder neue Wege zu gehen, wird uns auch in den kommenden 150 Jahren erfolgreich machen.

Als Familienvater kennen Sie das Ritual sicher: Das Geburtstagskind darf sich beim Auspusten der Kerzen etwas wünschen. Was wäre Ihr Wunsch? Bei 150 Kerzen kann der Wunsch ja ruhig etwas komplexer sein ...

Aesculap den verdienten Erfolg zu wünschen ist sicherlich ein edles Motiv. Denn wenn das Unternehmen erfolgreich ist, hat es zuvor Produkte entwickelt, hergestellt und dem Kunden geliefert, die einen positiven Unterschied in der Patientenbehandlung machen. Der Erfolg von Aesculap ist somit untrennbar mit einer optimierten Patientenversorgung verbunden. Vielleicht klingt das jetzt ein wenig pathetisch, aber aus dieser Perspektive finde ich: Sich Erfolg für Aesculap zu wünschen, hat auch ein kleines bisschen zu tun mit einer humanitären Haltung oder – christlich ausgedrückt – mit Nächstenliebe.

Zur Person

Dr. Joachim Schulz ist seit April 2017 Vorsitzender des Vorstands der Aesculap AG. Er studierte an der RWTH Aachen Maschinenbau und Luftfahrt. Nach seiner Promotion 1988 kam er zu Aesculap nach Tuttlingen. Von 1992 bis 1994 war Dr. Schulz in der englischen B. Braun-Tochter in Sheffield, UK, für die Produktion verantwortlich. Im März 2008 wurde er zum Mitglied des Vorstands der Aesculap AG bestellt, verantwortlich für die Bereiche Produktion, Strategischer Einkauf & Supply Chain Management sowie Logistik. Dr. Schulz wurde 1956 in Wuppertal geboren, ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Aesculap AG
Am Aesculap-Platz
78532 Tuttlingen
Deutschland