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Sterilgutversorgung
Eine wissenschaftliche Untersuchung zu Löchern in der Sterilgutverpackung und ihre Folgen auf die Sterilgutversorgung.
In Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau (LMIC) erkranken etwa zehn Prozent der chirurgischen Patienten an Surgical Site Infections. [2], [3] Dieser unerwünschte Effekt kann ein signifikantes Gesundheitsproblem darstellen, da postoperative Infektionen zu einem dramatischen Anstieg der direkten und indirekten Behandlungskosten führen und die gesundheitsbezogene Lebensqualität vermindern. [3] Es ist bekannt, dass eine Vielzahl von patienten- und verfahrens- bezogenen Faktoren das SSI-Risiko beeinflussen. [4]
Wiederverwendbare chirurgische Instrumente stellen einen potenziellen Übertragungsweg für Keime dar, da sie nach jeder Operation in unterschiedlichem Ausmaß mit Blut und Mikroorganismen kontaminiert sind. [5] Laut Leitlinien sind wiederverwendbare chirurgische Instrumente zwischen Anwendungen zu sterilisieren. [6-8] Diese Instrumente durchlaufen daher zwischen Verwendung und Wiederverwendung ein komplexes Dekontaminationsverfahren; eine unerlässliche Komponente in der Prävention von HAI. [6], [7] Diese Wiederaufbereitung medizinischer Instrumente umfasst Transfer, Vorreinigung und Dekontamination, Vorbereitung und Wartung, Verpackung, Sterilisation und Aufbewahrung bis zum Zeitpunkt der Verwendung. [6], [7]
Zu den Methoden der Instrumentensterilisation zählen die Dampf- und die Niedrigtemperatur-Sterilisation. Während des Vorgangs sind die Instrumente entweder in Sterilisationsbögen eingeschlagen oder werden in Sterilisiercontainer ablegt. [9] Eine beträchtliche Zahl von Instrumentensieben wird in Einmalverpackungen verpackt. Werden Verpackungen jedoch durch die innenliegenden Instrumente oder Siebkörbe beschädigt, muss der Sterilisierungsvorgang wiederholt werden. [10] Durchschnittlich werden fünf Prozent der verpackten Instrumentensätze aufgrund von Rissen erneut verarbeitet. [11] Beschädigte sterile Verpackungen oder feuchte Instrumentensätze können zu Ausfallzeiten im Operationssaal (OP) und zu Zeitdruck führen. Zudem können Löcher in Verpackungen auch völlig willkürlich auftreten und übersehen werden. In diesem Fall stellen sie einen ernsthaften Risikofaktor für SSI dar.
Der Nachweis von Löchern in sterilen Verpackungen mit einer Größe von unter 2mm scheint schwierig zu sein. Wie Waked et al. 2007 in einer Untersuchung zeigten, wurden Defekte mit einem Durchmesser von 6,7 mm in 18 Prozent der Fälle übersehen. Gleichzeitig konnte nachgewiesen werden, dass Einstichlöcher von lediglich 1,1 mm Größe ein Übertragungsweg für Kontaminationsmaterial durch die Verpackung sind. [12] 2018 wiederholten Rashidifard et al. die Analyse mit einem größeren Stichprobenumfang und unter verschiedenen Bedingungen. [13] An der Studie beteiligten sich 30 Mitarbeiter einer chirurgischen Abteilung an zwei verschiedenen Krankenhäusern (technisches Personal, OP-Pflegekräfte und orthopädisch-chirurgische Assistenzärzte). Mithilfe verschiedener Werkzeuge wurden Defektlöcher mit neun verschiedenen Größen von 0,86 bis 5,0 mm in vollständig sterile Verpackungen gestochen. Die sterile Verpackung wurde unter einer Lichtquelle im OP entpackt und genau inspiziert, um jegliche, die Sterilität möglicherweise beeinträchtigende Perforationen identifizieren zu können. Die Arbeitsgruppe bestätigte die Ergebnisse von 2007: Löcher mit einem Durchmesser von 2,5 mm wurden häufiger entdeckt als Löcher mit einem Durchmesser von 2 mm.
Abbildung 1: Prozentuelle Nachweisrate für jede Lochgröße (mm) unter verschiedenen Bedingungen. [13]
Bei Betrachtung der verschiedenen Parameter zeigte sich kein Unterschied der Erkennungsgenauigkeit bei Einsatz einer OP-Lampe oder Einsatz von Umgebungslicht. Weder veränderte der Erfahrungsgrad der inspizierenden Person (0-9 Jahre, 10-20 Jahre beziehungsweise > 20 Jahre) die Nachweisergebnisse signifikant, noch stellte die Gruppe eine Korrelation zwischen Dauer der Inspektion und Erkennungsgenauigkeit fest. In jeder Situation wurden Defekte mit einem Durchmesser ≤ 2 mm nicht verlässlich erkannt (Abbildung 1). Die weitergehende Forschung sollte nun denjenigen Kontaminierungsgrad evaluieren und festlegen, der aufgrund kleiner, mit freiem Auge nicht erkennbarer Löcher zu erwarten ist. Sowohl erkannte als auch nicht erkannte Löcher stellen für jedes Krankenhaus ein großes Problem bezüglich Patientensicherheit, Zeitverbrauch und Stress im OP sowie hinsichtlich des Rufs der Institution dar. [13]
Die Anzahl der Verpackungsschichten zu erhöhen, scheint keine ausreichende Lösung für das Problem zu sein. 2005 berichteten Webster et al., dass eine zweifache Verpackung die Kosten erhöhte und das Risiko der Kontaminierung der Instrumentensiebe nicht reduzierte. [14] Zu den weiteren Optionen für die Optimierung des Vorgangs zählen die bessere Weiterbildung, um beschädigte Verpackungen erkennen zu können, modifizierte Verpackungsweisen oder eine alternative Option für die Sterilisation, wie etwa wiederverwendbare Sterilisiercontainer. Trotz höherer Investitionskosten schließen Sterilisiercontainer aufgrund der niedrigeren Betriebskosten an einem bestimmten Zeitpunkt zu den weichen Verpackungen auf, wie eine kürzlich veröffentlichte Analyse zeigte: Auch unter Berücksichtigung verschiedenster Szenarien sind Sterilisiercontainer die kostengünstigste Alternative im Vergleich zu ein- oder zweibögigen Verpackungsmaterialien. [15] Aufgrund des Risikos nicht nachweisbarer Löcher in Verpackungen sind Sterilisiercontainer eine verlässliche Alternative mit weniger Abfall und wirtschaftlichem Nutzen. Ziel ist die Definition eines effizienten und verlässlichen Prozesses, der dabei hilft, eine gleichbleibende Patientenbetreuung sowie reibungslose OP-Eingriffe ohne Unterbrechungen und zusätzlichen Stress sicherzustellen und dabei unnötige Wiederaufbereitungen von Instrumenten zu vermeiden.
Quellen