Dekubitus Wundmanagement

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Ursachen, Diagnostik und Therapien zur Behandlung eines Druckgeschwürs

Exakte Zahlen zur Dekubitusinzidenz sind sehr schwierig zu erheben. Häufig wird der Dekubitus nur als Nebendiagnose geführt. Schätzungen gehen in Deutschland von jährlich 400.000 Neuerkrankungen aus.

In Folge der Alterung der Bevölkerung, der zunehmenden Lebenserwartung und der Zunahme von Risikoerkrankungen (Diabetes mellitus, Gefäßkrankheiten) wird mit einer zunehmenden Inzidenz gerechnet. Die Prävalenz wird in deutschen Kliniken aktuell auf 3-6 % und in Pflegeheimen auf 20 % geschätzt.

Ursachen

Ursachen

Die lokale Druckbelastung ist der maßgebliche Pathomechanismus zur Entstehung eines Dekubitus. Die Überschreitung des physiologischen Kapillardrucks (Bereich 30-70 mmHg) führt zur Minderperfusion des betroffenen Gewebes. Hier ist bereits das Eigengewicht ausreichend und der Faktor aus Druck x Zeit entscheidend. Diese Ischämie bewirkt eine lokale Mangelversorgung (z. B. Hypoxie) und einen Anstieg von toxischen Stoffwechselprodukten im Gewebe. Beim gesunden Menschen wird durch diesen Schmerzreiz ein automatisches „Umlagern“ und somit eine Druckentlastung (auch im Schlaf) ausgelöst. Fehlt dieser Automatismus, führt der weiterhin bestehende Druck zur Gewebeschädigung bis zum Gewebsuntergang (Nekrose).

Alle exponierten Knochen mit geringer Weichteildeckung, die beim Liegen oder Sitzen belastet werden, sind gefährdet. Körperstellen, an denen Knochen der Haut unmittelbar anliegen, sind besonders dekubitusgefährdet. Diese Regionen tolerieren nur etwa 10 % des Druckes anderer Areale. Eine Studie fand 40 % aller Dekubitus über dem Kreuzbein und 18 % an den Fersen, die übrigen Lokalisationen lagen jeweils unter 6 %.

Durch prophylaktische Maßnahmen wie Druckentlastung, vorbeugende Hautpflege und Minimierung der Risikofaktoren können Druckgeschwüre weitgehend vermieden werden.

Besonders sorgfältig und regelmäßig sollten folgende Stellen begutachtet werden: Fersen, Zehen, Knöchel, Knie, Beckenknochen, Kreuzbein, Wirbelvorsprünge, Ellenbogen, Hinterkopf.

Diagnostik

Diagnostik

Die bei weitem wichtigste Maßnahme der Diagnostik eines Dekubitus ist die genaue Inspektion des gesamten Menschen und die gute klinische Einschätzung des Risikos. Die Prädilektionsstellen sind bekannt und werden inspiziert. Auch die wesentlichen intrinsischen und extrinsischen Risikofaktoren werden überprüft und im Gesamtbild bewertet.

Bei Nachweis eines Dekubitus wird dieser je nach Schweregrad klassifiziert und die bestehende Wunde nach Wundgrund, Exsudat und Wundrand beurteilt. Das Erkennen einer lokalen Infektion ist ein wichtiger Faktor mit Einfluss auf die Therapie und die Prognose.

Therapie

Therapie

Bei einem Dekubitus darf sich der Therapieansatz nicht nur auf die Wunde beschränken. Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, vor allem die möglichen Ursachen zu identifizieren und diese möglichst vor Beginn oder während der Therapie zu beseitigen.
Der Schweregrad eines Dekubitus richtet sich vor allem nach der Ausdehnung in die Tiefe des Gewebes. Nach EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel) werden vier verschiedene Dekubitusgrade bzw. -stadien unterschieden.

Vollständige Druckentlastung

Die wichtigste Therapie des Dekubitus ist die Druckentlastung und somit die Wiederherstellung der Haut- und Gewebedurchblutung an der betroffenen Stelle. Wird diese Entlastung rechtzeitig im Stadium I vorgenommen, dann kommt es meist nach wenigen Stunden zur Erholung und Heilung.

Wundtherapie

Findet sich bereits eine Hautulceration (ab Stadium II) ist zur ursächlichen Druckentlastung auch die lokale Wundtherapie notwendig.

Ein Dekubitus muss mittels feuchter Wundbehandlung therapiert werden. Geeignete Wundverbände für Dekubitus sind Schaum- oder Alginatverbände, die über eine hervorragende Absorption und ein sehr gutes Exsudatmanagement verfügen.

Folgende Produkte von B. Braun sind hierfür gut geeignet: Askina® Foam, Askina® DresSil (Border), insbesondere Askina® DresSil Sacrum, Askina® Sorb, Askina® Calgitrol® (falls infiziert) oder Prontosan Wound Gel / X.

Ernährung

Ernährung

Der Energie- und Proteinbedarf eines Patienten mit großem Dekubitus steigt stark an und auch die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen muss der Wundsituation angepasst werden. Richtlinien zur Ernährung von Patienten mit großflächigen chronischen Wunden werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung vorgeschlagen.

Schmerztherapie

Druckgeschwüre sind meist sehr empfindliche, entzündete und somit sehr schmerzhafte Hautareale. Zur Erhebung dieser Schmerzen sollte eine Schmerzskala verwendet werden. Hiermit kann im Verlauf neben dem Status auch der Therapieerfolg dokumentiert werden. Eine effiziente Schmerztherapie fördert das Wohlbefinden der Patienten.

Sanierung und Operation

Sanierung und Operation

Meist erfordert ein Dekubitus zunächst ein chirurgisches Debridement im Operationssaal. Die Wundhöhle sollte ausgetastet werden und die bedeckende, noch stehen gebliebene Haut über der Höhle großzügig exzidiert werden. Nun ist es möglich, das Ausmaß der Wunde und den Wundgrund zu beurteilen. Ist bei dem am häufigsten auftretenden Dekubitus über dem Kreuzbein auch der Knochen betroffen, so kann in einigen Fällen die Teilresektion mit der oszillierenden Säge notwendig sein.

Nach begonnener resistenzgerechter Antibiotikatherapie sollten sich die Infektion und somit auch das Geruchsproblem bessern. Weitere Möglichkeiten dies zu beeinflussen stehen über effektive Wundfüller und Wundauflagen zur Verfügung. Hier eignen sich besonders Produkte mit Aktivkohle, wie z. B. Askina® Carbosorb. Diese Produkte binden den Geruch binden und verhelfen so dem Patienten zu mehr Lebensqualität.

Zusätzlich können silberhaltige Verbandmaterialien (PU-Schäume oder Alginate bzw. Hydrofasern) bei hartnäckigen Bakterienbesiedelungen zur Anwendung kommen (z. B. Askina® Calgitrol®). 

Da die Exsudatmenge häufig mit normalen PU-Schäumen nicht ausreichend absorbiert werden kann, sollte auf Superabsorber mit höherer Aufnahmekapazität von Flüssigkeiten (z. B. Askina® Absorb+) ausgewichen werden. Der nun meist schnell entstehende Granulationsrasen in der Wunde schafft gute Voraussetzungen für die Weiterbehandlung mit Schaummaterialien.

Die Entscheidung zur operativen Reinigung der Wunde und auch zur Dringlichkeit dieser Maßnahme erfolgt aufgrund einer relativen, absoluten oder vitalen Indikation.

Als relative Gründe gelten die Pflegeerleichterung nach erfolgreicher Therapie und die Infektionsprophylaxe. Besteht eine Gelenkbeteiligung oder eine Osteomyelitis, sind dies absolute OP-Indikationen. Eine vitale Bedrohung des Patienten mit einem Druckgeschwür ist bei Arrosionsblutung großer Gefäße in der Wunde oder einer Sepsis gegeben. Soll im Verlauf bei guter Wundheilung eine plastische Deckung des Defektes erfolgen, ist oft die vorübergehende Anlage eines Anus präter notwendig. Ausführliche Informationen zum Dekubitus - von der Diagnose über Therapiekonzepte bis hin zu Präventionsmaßnahmen - lesen Sie bitte in unserem Online-Ratgeber „Erfolgreiches Therapiekonzept des Dekubitus“ (Unter Downloads am Ende dieser Seite).

Downloads

Beschreibung Dokument Link
Leitfaden für chronische Wunden
pdf (1.1 MB)
Patientenratgeber Chronische Wunden
pdf (3.0 MB)
Healthcare Journal Wundmanagement
pdf (1.9 MB)
Healthcare Journal Wundversorgung
pdf (3.6 MB)