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Stoma Rückverlegung: Risiken erkennen und vorbeugen

Heutzutage trägt man das Stoma immer seltener „lebenslang“. Immer bessere Operationstechniken und die moderne Medizin machen es möglich, dass Stomata nur zeitlich begrenzt angelegt werden können.

Ob eine Rückverlegung Ihres Stomas möglich ist, hängt von individuellen Voraussetzungen ab. Der Zeitpunkt kann zwischen 3 Wochen und mehreren Jahren nach der Anlage (Enterostomie) liegen.

Ist eine Stoma Rückverlegung durchführbar, definiert der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen, wann es an der Zeit ist, das Stoma zu entfernen.

Voraussetzungen für die Stoma-Rückverlegung

Schon vor der Anlage eines künstlichen Darmausgangs wird berücksichtigt, ob das Stoma temporär oder dauerhaft bestehen soll. Ein dauerhaftes Stoma wird angelegt, wenn der letzte Teilabschnitt des Darms mit dem Schließmuskel vollständig entfernt wird. Dieser Vorgang ist bei tiefsitzenden Tumoren oder stark geschädigten Darmabschnitten nötig und kann nicht rückgängig gemacht werden. 

In manchen Fällen ist eine Stoma-Rückverlegung möglich. Das bedeutet, dass die künstlich geschaffene Öffnung wieder geschlossen und die normale Darmfunktion angeregt wird. Eine solche Rückverlegung kann vor allem bei doppelläufigen Stomata und dem sogenannten Hartmann-Stoma erfolgen. Hier erfahren Sie mehr über die verschiedenen Stoma-Arten

 

Das sind die grundlegenden Voraussetzungen für eine Stoma-Rückverlegungs-OP:

  • Der Schließmuskel ist erhalten und funktionsfähig.
  • Der betroffene Darmabschnitt ist vollständig verheilt.
  • Chemo- oder Bestrahlungstherapien sind abgeschlossen. 
  • Der Zeitpunkt kann zwischen drei Wochen und mehreren Jahren nach der Anlage liegen.

Die Operation für die Stoma-Rückverlegung

Ist eine Stoma-Rückverlegung möglich, definieren die behandelnden Ärzt*innen gemeinsam mit Ihnen, wann es an der Zeit ist, das Stoma zu entfernen. Vor der Rückverlegung sollten Sie sich unbedingt ausführlich beraten lassen. Die Entscheidung über eine vorzeitige Rückverlegung kann zu Komplikationen führen, welche die Neuanlage eines Stomas erneut nötig machen. Je nachdem, welche Stoma-Art bei Ihnen vorliegt, unterscheiden sich die Operationsmethoden für die Stoma-Rückverlegung. 

Das Hartmann-Stoma ist eine Sonderform des endständigen Stomas. Die Besonderheit liegt darin, dass es rückverlagert werden kann. Hierbei wird der Darm durchtrennt und ein Teil entfernt. Der letzte Darmabschnitt bleibt als Stumpf ohne Verdauungsfunktion erhalten. Je nach Heilungsprozess kann frühstens nach drei Monaten an eine Rückverlegung gedacht werden. Im Rahmen einer Bauchoperation werden die bestehenden Darmteile wieder miteinander verbunden.

Ein doppelläufiges Stoma ist oft nur eine vorübergehende Maßnahme, um ideale Voraussetzungen für den Heilungsprozess des entsprechenden Darmabschnittes zu schaffen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, werden die beiden Darmöffnungen zusammengenäht und die Organe zurück in die Bauchhöhle gelegt. Der Darm kann seine natürliche Funktion wiederaufnehmen. 

Komplikationen nach der Stoma-Rückverlegung

Eine Stoma-Rückverlegung bedeutet nicht, dass Sie direkt in Ihr altes Leben starten können. Es braucht manchmal seine Zeit, bis sich Ihr Körper an die neue Situation gewöhnt hat. Aber die Operation ist ein erster, wichtiger Schritt in Richtung Normalität. 

In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen nach der Stoma-Rückverlegung kommen. Dazu zählen die Schädigung von Nervenbahnen, Durchfall oder Stuhlinkontinenz.

Normalerweise ist der Darm für das Eindickens des Stuhlgangs durch das Entziehen von Wasser zuständig. Das Eindicken muss nach der Stoma-Rückverlegung wieder gelernt werden, weshalb in den ersten Wochen mit flüssigem Stuhlgang zu rechnen ist. Medikamente oder eine bestimmte Ernährung können den Prozess des Eindickens fördern. 

Durch Operationen, bei denen ein Teil des Mastdarms (Rektum) entfernt wird, kann es zu Schädigungen der Nervenbahnen kommen. Diese Schädigungen können zu einem ständig anhaltenden Stuhldrang oder zu der fehlenden Unterscheidung, ob es sich um Luft, Flüssigkeit oder festen Stuhlgang handelt, führen.

In seltenen Fällen kann eine Stuhlinkontinenz auftreten. Heutzutage gibt es allerdings verschiedene Möglichkeiten, Kontrolle über die Stuhlausscheidungen zu erhalten. Gerne beraten wir Sie, welche Form der Kontinenz-Rückgewinnung für Sie geeignet ist. Kontaktieren Sie uns dazu einfach unverbindlich! 

  • Transanale Irrigation (TAI): Die transanale Irrigation (TAI) kann heute als Mittel der Wahl angesehen werden, um eine koordinierte Kontinenz zu erreichen. Mittels einer Darmspülung entleeren Sie den abführenden Dickdarmanteil mit Wasser. Normalerweise macht sich schon nach 24 bis 48 Stunden die Kontinenz bemerkbar. Zur Durchführung gibt es verschiedene Systeme auf dem Markt. 
  • Ernährungsberatung: Wenn die Inkontinenz vor allem bei flüssigen Ausscheidungen auftritt, kann eine Ernährungsberatung und -umstellung sinnvoll sein. Das Ziel? Den Stuhl so einzudicken, dass es nur noch in Ausnahmefällen zu flüssigen Ausscheidungen kommt.
  • Analtampons: Um die Ausscheidungen zeitlich begrenzt zurückzuhalten, können Analtampons zum Verschluss des Darms genutzt werden. Wenn die Betroffenen dann eine Toilette aufsuchen, entfernen sie den Tampon zur Darmentleerung einfach wieder und führen einen neuen ein, ähnlich wie Frauen es von der Periode kennen.
  • Aufsaugende Kontinenz-Hilfsmittel: Bei Binden, Vorlagen oder Windelhosen geht man in erster Linie von einer aufsaugenden Funktion des Hilfsmittels aus. Sie sind somit für feste Ausscheidungen nur bedingt geeignet.
  • Darmschrittmacher: Sie haben sicher schon mal von einem Herzschrittmacher gehört. Ganz ähnlich funktioniert auch der Darmschrittmacher (oder die sakrale Nervenstimulation, kurz SNS). Dieses moderne Verfahren zur Kontinenz-Rückgewinnung stimuliert durch Mikroimpulse den für die Kontinenz zuständigen Sakralnerv. Die Erfolgsquote liegt aktuell bei über 90%.
  • Dynamischer Schließmuskel-Ersatz: Beim dynamischen Gracilisplastik dient ein Muskelstrang (Musculus gracilis), der aus der Innenseite des Oberschenkels entnommen wird und ringförmig um den After gelegt wird, als Schließmuskel-Ersatz. Durch eine implantierte Elektrode mit einem Impulsgeber wird der Muskelstrang aktiviert und die Kontinenz über einen längeren Zeitraum erhalten. Im Laufe der Zeit wandelt sich dann dieser Muskel zelltechnisch um und kann die Kontraktion von sich aus länger aufrechterhalten. Die dynamische Gracilisplastik ist ein sehr aufwendiger Eingriff und sollte nur in spezialisierten Darmzentren durchgeführt werden.
  • Künstlicher Schließmuskel-Ersatz: Bei dieser Methode wird um den Enddarm eine mit Wasser gefüllte Manschette sowie eine Pumpe mit Reservoir eingelegt. Die Betroffenen bedienen die Pumpe, um den Schließmuskel zu öffnen oder zu schließen. Diese Form der Kontinenz-Rückgewinnung geht mit sehr aufwendigen Operationen im Darmbereich einher und sollte immer nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Wenn es bei Ihnen nach der Stoma Rückverlegung zur Stuhlinkontinenz kommt und alle Möglichkeiten zur Kontinenz-Rückgewinnung ausgeschöpft sind, bleibt oftmals nur noch der Schritt zu einer erneuten Stoma-Anlage.

Betroffene, die an einer Inkontinenz-Symptomatik leiden, sollten sich unbedingt professionelle Hilfe bei einer Kontinenz-Beratung holen. Unbehandelt führen Kontinenz-Störungen im Verlauf oftmals zu psychosozialen Problemen. Im langen Verlauf führen Kontinenzstörungen nicht selten zu Vereinsamung und Isolation der Betroffenen. Wir von B. Braun stehen Ihnen zur Seite – kontaktieren Sie uns!  

Tipps für die Stoma-Rückverlegung

Sollten Sie sich für eine Stoma-Rückverlegung entscheiden, haben wir einige Tipps und Untersuchungen, um Risiken bereits vor der Operation zu erkennen und diesen vorzubeugen. 

Beachten Sie: Auch, wenn im Vorfeld keine mögliche Inkontinenz erkannt wird, kann es in seltenen Fällen zur Stuhlinkontinenz kommen. Diese kann zeitlich begrenzt oder aber auf lange Sicht auftreten. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein, weshalb die Behandlung einer genauen Analyse und Beratung bedarf. 

 

Voruntersuchungen: 

  • Sphinkter Manometrie: Das ist eine Untersuchungsmethode, durch die Schädigungen der Schließmuskeln und der Grad einer möglichen Kontinenzschwäche bereits vor der Stoma-Rückverlegung erfasst werden können.
  • MRT: Im Magnetresistogramm lassen sich Schädigungen der ringförmigen Schließmuskeln erkennen.
  • Rektaler Ultraschall: Schädigungen der Schließmuskeln lassen sich durch einen rektalen Ultraschall bereits vor der Stoma-Rückverlegung erkennen.

 

Stärkung des Schließmuskels

  • Beckenbodentraining: Auch, wenn der Stuhlgang über das Stoma abgeführt wird, sollten Betroffene regelmäßig ihren Beckenboden trainieren. Hierfür gibt es speziell ausgebildete Physiotherapeut*innen, die Sie bei der Stärkung und Ausbildung Ihrer Beckenboden- und Schließmuskeln unterstützen.
  • Biofeedback: Eine Methode, den eigenen Schließmuskel besser kennenzulernen und zu trainieren, bietet das Biofeedback. Hierzu gibt es verschiedene Geräte, die mittels Sensoren in der Lage sind, eine akustische oder optische Rückmeldung darüber zu geben, inwieweit die Schließmuskeln ihre Funktion behalten haben. Im Verlauf wird, wie beim Beckenbodentraining, der Schließmuskel wiederaufgebaut.

 

Bei Fragen zum Thema Stoma-Rückverlegung stehen wir Ihnen zur Seite. Die erfahrene Stomatherapeutin Andrea Zöbele freut sich auf Ihre Anfrage! 

Kontakt

Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin