Stuhlkontinenzversorgung
Kontinenzversorgung & Urologie

Stuhlkontinenzstörung

Überblick und Prävalenz

Den Kontrollverlust über den Abgang von Stuhl in unterschiedlich starker Ausprägung bezeichnet man als Stuhlkontinenzstörung – ein auch heute noch stark tabuisiertes Problem.
Die Prävalenz von unwillkürlichem Stuhlverlust liegt bei ca. 2,2 Prozent, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die Inzidenz nimmt mit dem Alter stark zu. Bei über 65-jährigen steigt die Rate für Stuhlinkontinenz auf 7 Prozent an. In Pflegeheimen sind oft weit über 60 Prozent der Bewohner inkontinent.

Symptome

Das Kardinalsymptom ist der unwillkürliche Stuhlabgang, speziell beim Pressen, Niesen, Husten, Heben, Hüpfen etc. Bei Stuhlinkontinenz kommt es, gehäuft durch die Nachbarschaftsbeziehung zur Harnröhre (besonders bei Frauen), zu aufsteigenden Harnwegsinfekten.

Ursachen

Meist liegt eine Sphinkterinsuffizienz bei allgemeiner Muskel- und Bindegewebsschwäche vor. Bei Frauen wird die Stuhlinkontinenz durch eine Beckenbodensenkung, die ebenfalls Ausdruck einer Gewebsschwäche ist, gefördert. Hierdurch wird das komplexe Zusammenspiel der reflektorischen und willkürlichen Kontraktionen des M. puborektalis, der reflektorischen Internusrelaxation und der rektosphinctäre Reflex des M. sphincter ani externus gestört. Resultierend ist eine Veränderung des analen Ruhedruckes und der Stuhldrangsempfindung, was häufig eine Stuhlinkontinenz zur Folge hat. Gelegentlich ist paradoxerweise der willkürliche Stuhlgang durch das DPS (descending perineum syndrome) erschwert.

Diagnostik

Es kommt das gesamte diagnostische Spektrum der Proktologie zum Einsatz.

  • Ein zentraler Bestandteil der Diagnostik ist die Inspektion und digitale Untersuchung. Hier können bereits Ruhetonus, Kneifdruck, das Vorhandensein von Hämorrhoiden oder einem Analprolaps eruiert werden. 
  • Ein einfacher klinischer Test ist ein Einlauf mit 100 ml Wasser. Kann dieses aufgehalten werden, ist eine grobe Inkontinenz unwahrscheinlich. 
  • Ergänzend können apparative Untersuchungen zur Diagnosefindung beitragen.
  • Die Endosonographie des Analkanals lässt einen Defekt des Schließmuskels erkennen. Sie wird auch zur Untersuchung von Tumoren des Rektums und des Analkanals eingesetzt, die zu einer paradoxen Diarrhö und bei schwachem Sphincter zu Stuhlschmieren führen können. Neben der Bestimmung der Eindringtiefe eines Tumors können zum Tumorstaging hierbei auch vergrößerte perirektale Lymphknoten detektiert werden.
  • Die anale Manometrie zeigt eine Störung des Sphinktertonus in Ruhe und beim Kneifversuch auf.
  • Die Defäkographie lässt eine Intussuszeption und die Ausbildung und Verstärkung einer vorderen Rektozele bei der Stuhlentleerung erkennen. Sie ist zur Planung einer operativen Behandlung hilfreich. 
  • Mittels einer Elektromyografie lässt sich eine neurogene Schädigung von einer muskulären Störung differenzieren. Diese Untersuchung setzt jedoch viel Erfahrung voraus und kommt klinisch nur selten zur Anwendung.
  • Ergänzend kann zudem eine dynamische Magnetresonanztomografie des Beckenbodens bei speziellen Fragestellungen angewandt werden.

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