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Schwierige venöse Zugänge
Die Anlage eines funktionierenden peripheren Venenzugangs gehört sowohl im Notfall- als auch im stationären Bereich zur klinischen Routine. Bei den meisten Patient*innen ist die traditionelle Methode der Venenpunktion mittels manueller Lokalisation der Vene erfolgreich. Patient*innen mit schwierigem venösem Zugang (DIVA – Difficult Intra Venous Access) stellen eine tägliche Herausforderung für das medizinische Personal dar.¹
Unter einem schwierigen intravenösen Zugang (DIVA) versteht man in der Regel Situationen, in denen zwei oder mehr Punktionsversuche ohne Erfolg bleiben, unterstützende Maßnahmen zur Punktion erforderlich sind oder ein peripherer Zugang nicht möglich ist und deshalb ein zentralvenöser Katheter (ZVK) gelegt werden muss.2,3,4
Studien zeigen, dass bei mehr als 30 % der Erwachsenen und bis zu 50 % der Kinder, die einen periphervenösen Zugang (PIVC) benötigen, Verhältnisse vorliegen, die den venösen Zugang erschweren.
Katheterassoziierte Komplikationen verschärfen die Situation zusätzlich:
Die Gruppe potenzieller DIVA-Patient*innen ist groß: Kinder, übergewichtige und adipöse Personen, ältere Menschen, chronisch Erkrankte sowie Akutpatient*innen.
Allen gemeinsam ist, dass ihre Venen häufig tiefer liegen als die anderer Patient*innen.2,3
Aufgrund dickerer Gewebeschichten liegt die Quote des initialen Punktionserfolges bei Kindern unter 35 %.⁸
Bei übergewichtigen und adipösen Patient*innen sind in der Regel mehrere Punktionsversuche erforderlich – bedingt durch die dickere subkutane Fettschicht. Daraus resultieren zwei Risiken:8,9
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich die Adipositasrate seit 1975 global fast verdreifacht. In Europa ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.10,11
Ältere und chronisch erkrankte Patient*innen – etwa mit Diabetes – weisen ein geschwächtes Gefäßsystem auf. Folgende Daten liegen aus den USA vor: 14,5 % der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt. 422 Millionen Menschen leiden an Diabetes.¹³
Verletzungen bei Notfall- und Akutpatient*innen – wie Verbrennungen und Hämatome oder Dehydratation – führen bei etwa 11 % der Patient*innen in der Notaufnahme zu einem schwierigen intravenösen Zugang.¹⁴
Ein schwieriger intravenöser Zugang ist in der Regel mit wiederholten Punktionsversuchen und katheterassoziierten Komplikationen verbunden.
Diese sind nicht nur zeit- und materialaufwendig, sondern führen auch zu einem erhöhten Stressniveau – sowohl bei medizinischem Personal als auch bei Patient*innen. Darüber hinaus gehen sie mit einer stärkeren Schmerzempfindung einher.⁹
Gerade in der Notaufnahme wirkt sich das Problem des schwierigen venösen Zugangs (DIVA) nachweislich negativ auf die Patientensicherheit und -zufriedenheit sowie auf Kosten und Pflegeaufwand aus:
Einmal platziert, bleibt die Verweildauer des intravenösen Zugangs eine Herausforderung.
Nahezu
0 %
aller peripheren Venenkatheter müssen vorzeitig entfernt werden. Grund dafür sind Komplikationen wie Dislokation, Infiltration oder Extravasation.⁶
Zu den potenziellen Komplikationen bei schwierigen venösen Zugängen zählen Dislokation und Infiltration bzw. Extravasation.
Von Dislokation spricht man, wenn der Katheter den Zugang zum Gefäßsystem verliert und die Infusionstherapie dadurch zwangsweise und vorzeitig unterbrochen werden muss.
Infiltration bzw. Extravasation hingegen treten auf, wenn die Punktion das Gefäß nicht korrekt trifft und die Infusionslösung in das umliegende Gewebe austritt. Diese Komplikation ist besonders kritisch bei der Verabreichung stark reizender Substanzen (z. B. vesikanter Medikamente).⁶
Wiederholte Punktionsversuche kosten Patient*innen wie Personal Zeit und Nerven. Für das Krankenhaus sind sie darüber hinaus mit Materialkosten verbunden.
So liegen die durchschnittlichen Kosten für den Ersatz peripherer Venenkatheter (PVK) pro Behandlungssequenz bei 51,92 US-Dollar.¹⁷
Auch die Kosten für die Versorgung steigen. Wird die Punktion eines peripheren Venenkatheters wiederholt erfolglos durchgeführt, führt dies nicht selten zum Wechsel auf komplexere und kostenintensivere Alternativen wie zentralvenöse Katheter (ZVK) oder peripher eingeführte zentralvenöse Katheter (PICC – Peripherally Inserted Central Catheter). Beide Verfahren erfordern einen längeren Anlageprozess und sind mit höherem Materialaufwand verbunden.
In vielen Fällen werden zentralvenöse Katheter unnötigerweise gelegt – obwohl die Patient*innen eigentlich für einen periphervenösen Katheter geeignet wären. Der Einsatz eines ZVK oder PICC erfolgt in diesen Fällen nicht aufgrund der Therapiedauer oder Infusionslösung, sondern lediglich aufgrund des schwierigen venösen Zugangs.¹⁸
0 Minuten
pro Versuch3
Für die periphere Venenpunktion werden im Durchschnitt 2,5 bis 13 Minuten benötigt.
Um Patient*innen mit schwierigem venösem Zugang zeit-, nerven- und materialschonend zu versorgen, wird der Einsatz längerer peripherer Venenkatheter in Kombination mit ultraschallgestützter Punktion empfohlen.
Die Anlage eines längeren Katheters kann im Vergleich zu Kathetern in Standardlänge eine Ausweitung der Anwendungsdauer ermöglichen. Der Hintergrund: Venenverweilkanülen mit langem Katheter helfen, Dislokationen und Infiltrationen zu vermeiden, weil sie tiefer im Gefäß liegen.16,18,20,21,22
Laut Bahl et al. (2019) sollte die optimale Katheterlänge in der Vene mindestens 2,75 cm betragen.
Darüber hinaus erhöht die ultraschallgestützte Venenpunktion die Erfolgsrate bei der initialen Punktion (first-stick success).22,23,24
Mittlere Katheterverweildauer
0
Tage1
Initialer Punktionserfolg
0 %
bei untraschallgestützter Punktion19
Therapie-Abschluss
0 %
blieben während der gesamten Therapie komplikationsfrei19
„Bei Venenverweilkanülen, die unter Ultraschallkontrolle gelegt werden, sind solche mit längerem Katheter im Vergleich zu kürzeren Kathetern mit einem geringerem Versagensrisiko assoziiert.“20
1. Bahl A, Hang B, Brackney A, Joseph S, Karabon P, Mohammad A, ... & Shotkin P. Standard long IV catheters versus extended dwell catheters: A randomized comparison of ultrasound-guided catheter survival. The American journal of emergency medicine. 2019;37(4);715-721.
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