Fragen und Antworten zur Inkontinenz bei Kindern

1.000 Fragen: Was Eltern über kindliche Blasenschwäche wissen möchten …

Wenn das Kind an Blasenschwäche oder Stuhlinkontinenz leidet, wirft das bei Eltern 1.000 Fragen auf. Wir geben Antworten auf die, die Kontinenzberaterinnen und -beratern am häufigsten gestellt werden.

Offen und auf Augenhöhe miteinander zu reden, ist immer ein guter Anfang. Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu. Erklären Sie ihm kindgerecht, was passiert, wenn die Blase „überläuft“ und machen Sie Ihrem Kind Mut, „Boss“ der eigenen Blase zu werden.

Bringen Sie ihm drei wichtige Regeln bei:

  1. Wenn Du spürst, dass Deine Blase voll ist, geh entspannt zur Toilette.
  2. Gehe regelmäßig zur Toilette. Halte nicht ein.
  3. Wenn Du auf der Toilette bist, lass alles herauslaufen. Kneif nicht zwischendurch zu, weil Dich etwas ablenkt oder Du ungeduldig wirst. Warte bis alles raus ist.

Motivierte Kinder sind doppelt erfolgreich.

Fertigen Sie z.B. einen Smiley-Kalender mit Ihrem Kind an, auf dem Sie gemeinsam abends notieren, ob der Tag / die Nacht gut gelaufen ist. Und loben Sie, wenn die Nacht / der Tag trocken war.

Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter traurig ist: Sagen Sie ihm oder ihr, wie viele Kinder es gibt, die nachts einnässen: ungefähr 640.000 in Deutschland, sagen Schätzungen. Das ist so viel, als würden alle Menschen, die in Stuttgart leben, nachts ins Bett machen.

Wenn Sie oder der andere Elternteil selbst früher Probleme mit Blasenschwäche hatten, erzählen Sie Ihrem Kind davon. Und seien Sie der Held / die Heldin, der oder die das Abenteuer „Bettnässen“ ganz „trocken“ durchgestanden hat.

Und ganz wichtig: verlieren Sie nie den Humor!

Wenn Ihr Kind älter ist als fünf Jahre und mehrmals monatlich nachts einnässt oder älter als vier Jahre und am Tag den Urin oft nicht halten kann, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt bzw. Ihrer Kinderärztin darüber sprechen. Spätestens bei der Vorsorgeuntersuchung U9 werden Sie danach gefragt.

Ihr Kind merkt sicher selbst, das etwas nicht in Ordnung ist und hat vielleicht auch einen gewissen Leidensdruck. Gerade, wenn andere das Problem mitbekommen, kann das Selbstwertgefühl unter der Blasenschwäche leiden und die Kinder scheuen vielleicht Situationen, die sie als peinlich empfinden. Versuchen Sie das richtige Maß zu finden aus „kein Problem“ und „wir schaffen das zusammen“.

Wenn Ihr Kind länger trocken war, und plötzlich anfängt, nachts einzunässen, sind erhöhte Aufmerksamkeit und ein Arztbesuch ebenfalls angebracht. Wenn es keine medizinischen Ursachen für die Blasenschwäche gibt, kann die Symptomatik auf ein psychologisches oder soziales Problem Ihres Kindes hinweisen, das sicher auch eine medizinische Klärung verdient.

Bevor Ihr Kind fünf Jahre alt ist, sollten Sie keine Behandlung anstreben. Danach ist es sicherlich auch eine Frage des Leidensdruckes, der durch die Blasenschwäche verursacht wird. Die Situation belastet Kinder und Eltern gleichermaßen. Irgendwann werden Klassenfahrten, Pyjama-Partys und Übernachtungsbesuche bei Freunden und Verwandten für Ihren Nachwuchs zur Mutprobe. Soweit sollte man es nicht kommen lassen.

Wenn am Tag sehr oft etwas im wahren Wortsinn „in die Hose geht“, sollten Sie nicht bis zum 5. Geburtstag warten, bevor Sie sich an Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin wenden.

Einfach abzuwarten wird mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 % auch irgendwann zum Erfolg führen. Aber niemand kann Ihnen sagen, wann dieser Erfolg eintritt. Immerhin ca. 3 % der Jugendlichen und Erwachsenen von nächtlichem Einnässen betroffen. Je älter Ihr Kind wird, desto mehr wird es unter der nächtlichen Blasenschwäche leiden.

Generell lässt sich sagen, dass ein Kind bei Schulantritt nachts und tags in der Regel trocken sein sollte.

Tatsächlich quälen sich die meisten Eltern mit Schuldgefühlen – wie übrigens auch die Kinder selbst. In beiden Fällen ist das völlig unangebracht. Weder Mama und Papa noch Sohn oder Tochter haben etwas falsch gemacht. Falsch wäre nur, nichts zu unternehmen, was Ihrem Kind helfen kann, die Blasenschwäche zu überwinden oder abzuklären.

Niemand ist „schuld“ daran, wenn ein Kind nachts einnässt. Lassen Sie sich das bitte auch nicht von Menschen aus Ihrem Umfeld einreden, die sich mit vermeintlich wohlmeinenden Kommentaren einmischen.

Bettnässen und Einnässen am Tag sind in unserer Gesellschaft tabuisiert und daher mit sehr viel Scham behaftet. Untersuchungen zeigen, dass auch die meisten Kinder nicht wünschen, dass irgendjemand von ihrer Blasenschwäche weiß.

Setzen Sie Ihr Kind nicht unnötig der Gefahr aus, gehänselt zu werden. Dadurch erhöht sich der Druck unnötig.

Überlegen Sie genau, wem Sie das Thema anvertrauen können oder müssen. Selbst Geschwisterkinder können sehr grausam sein, wenn es um solch sensible Themen geht. Und die gut gemeinten Ratschläge von Oma und Opa sind ebenfalls nicht zwingend konstruktiv. Je weniger Menschen eingeweiht sind, desto besser.

Ein wenig anders ist das Thema zu bewerten, wenn Ihr Kind sich selbst intermittierend katheterisiert. Dann sollten Sie ausgewählte Personen in der Kita oder Schule ins Vertrauen ziehen.

Viele Kinder machen dadurch tatsächlich nicht ins Bett, solange man sie nachts auf die Toilette setzt. Allerdings sollen die Kinder ja ein Gefühl für ihre volle Blase bekommen und davon aufwachen. Insofern ist die Methode kritisch zu betrachten.

Die erste Anlaufstelle sollte immer die Kinderarztpraxis Ihres Vertrauens sein. Von dort werden Sie gegebenenfalls an eine urologische Praxis oder Klinik überwiesen.

Wenn möglich, sollten Sie eine Praxis mit kinderurologischer Spezialisierung wählen. Die Expertinnen und Experten dort kennen sich nicht nur mit den Krankheitsbildern aus, sondern sind auch geübt im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
Neben spezialisierten ambulanten Praxen bieten einige urologische Kliniken spezielle Kindersprechstunden an.

Die Deutsche Kontinenz-Gesellschaft e.V. hat auf ihrer Patienten-Webseite unter http://www.kontinenz-gesellschaft.de/ eine Suchfunktion integriert, in der Ärztliche Beratungsstellen mit kinderurologischem Schwerpunkt gekennzeichnet sind.

Natürlich können Sie Windeln verwenden. Gerade ältere Kinder lehnen das allerdings häufig ab. Inzwischen gibt es Sleep-Shorts und Pyjama-Hosen, die wie normale Nachtwäsche aussehen, aber über eine integrierte saugfähige Einlage verfügen.

Für den Tag gibt es auch Slips, die wie Unterwäsche aussehen, man legt Einlagen hinein, die die Feuchtigkeit aufnehmen.

Für die Nacht können Sie spezielle saugfähige Bett-Auflagen verwenden, die die Matratze schützen.

Hilfsmittel werden in der Regel, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt, vollständig oder zum Teil von der Krankenkasse erstattet. Wir beraten Sie gern, finden gemeinsam mit Ihnen eine geeignete Lösung und übernehmen die Kommunikation mit der Krankenkasse!

Ja. Sie sollten bei Blasenschwäche, die am Tag auftritt, unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn die Enuresis diurna hat öfter Ursachen, die behandlungsbedürftig sind.

Die Enuresis ist eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Erkrankung. Die Krankenkassen zahlen in der Regel die diagnostischen und gängigen bewährten therapeutischen Maßnahmen. Außerdem kann die Kontinenzversorgung unter bestimmten Voraussetzungen verordnet werden.

Desmopressin hat sich bei der Behandlung von Enuresis bewährt.
Es wirkt dann besonders gut, wenn das Bettnässen von einer „Überproduktion“ von Urin verursacht wird. Wenn also die Blase die großen Mengen nicht halten kann. Nebenwirkungen treten vor allem bei Einnahmefehlern auf, also wenn das Medikament überdosiert wird oder wenn das Kind zu viel trinkt.

Sie ist anstrengend und erfordert Geduld von Eltern und Kindern. Die Therapie kann nur dann greifen, wenn das Kind wirklich wach ist, wenn es nachts auf die Toilette gesetzt wird.

Das bedeutet nicht nur, dass die Eltern ständig in „Alarmbereitschaft“ sind. Es bedeutet auch, dass man in das natürliche Schlafverhalten der Kinder eingreift. Deshalb ist die Methode nicht unumstritten. Denn schlechter Schlaf kann

  • das Immunsystem schwächen,
  • die Konzentrationsfähigkeit stören,
  • die Stressbewältigung beeinträchtigen und
  • Depressionsneigungen fördern.

Dazu kommt, dass viele Eltern die Therapie wegen der genannten Belastungen abbrechen. Das wiederum frustriert das Kind. Überlegen Sie deshalb genau, ob Sie Ihrer Familie diese Therapie zumuten wollen und können.

Klicken Sie hier um zu den Fragen zu gelangen, die sich speziell mit dem Thema intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK) bzw. intermittierende Katheterisierung (IK) befassen.

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Andrea Zöbele
Pflegeexpertin Stoma-Kontinenz-Wunde, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundberaterin AWM, Medizinprodukteberaterin