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Arzneimittelinkompatibilitäten in der Pädiatrie
In der Infusionstherapie stellen Arzneimittelinkompatibilitäten eine bekannte Herausforderung dar. Das gilt auch – und besonders – für die Pädiatrie und Neonatologie.
Welche Risikofaktoren spielen eine Rolle? Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um Kinder und Neugeborene wirksam vor schädlichen Medikamenten-Inkompatibilitäten zu schützen?
Wir haben hier wichtige Informationen zusammengestellt.
Eine Arzneimittelinkompatibilität ist eine unerwünschte Reaktion zwischen einem Arzneimittel und einer Lösung, einem Behältnis oder einem anderen Arzneimittel. Im Zusammenhang mit der intravenösen Verabreichung unterscheidet man dabei zwischen physikalischen und chemischen Inkompatibilitäten.1, 2
Pädiatrische und neonatologische Patient*innen im Krankenhaus werden häufig polypharmazeutisch behandelt. Die gleichzeitige Verabreichung mehrerer Medikamente birgt ein erhebliches Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (ADEs/Adverse Drug Events). Diese stehen oft auch im Zusammenhang mit Arzneimittel-Arzneimittel-Inkompatibilitäten.7
Schwerwiegende Medikamenten- Inkompatibilitäten können lebensbedrohlich sein.
In einem Kinderkrankenhaus zeigte sich, dass insbesondere ältere Kinder, Patient*innen mit längeren Krankenhausaufenthalten oder mit komplexen chronischen Erkrankungen (CCC) häufiger diesem Risiko ausgesetzt waren.
In der Altersgruppe der 10- bis 20-Jährigen traten potenzielle Medikamenten-Inkompatibilitäten (PDDIs) bei mehr als der Hälfte der Patient*innen auf.7
“In 41 % der pädiatrischen Krankenhausaufenthalte in Kinderkliniken sind Patient*innen potenziell schwerwiegenden Medikamenten-Inkompatibilitäten ausgesetzt.”
Die Anzahl der verordneten Arzneimittel kann als Risikofaktor für potenzielle Inkompatibilitäten bei intravenöser Medikamentengabe identifiziert werden.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist der pH-Wert: Medikamente mit einem extremen pH-Wert – wie Phenobarbital oder Phenytoin – weisen ein besonders hohes Inkompatibilitätsrisiko auf.8
Im klinischen Alltag auf pädiatrischen oder neonatologischen Intensivstationen ist eine getrennte Applikation von Medikamenten häufig nicht umsetzbar – insbesondere aufgrund der hohen Anzahl gleichzeitig verabreichter IV-Medikamente und des eingeschränkten venösen Zugangs.6
Zudem stellt der in der Pädiatrie und Neonatologie deutlich höhere Anteil an Off-Label-Use im Vergleich zur Erwachsenenmedizin ein zusätzliches Risiko dar: Nur eine begrenzte Anzahl von Arzneimitteln ist für Kinder offiziell zugelassen, was die Auswahl sicher kompatibler Präparate weiter einschränkt.8
Arzneimittelinkompatibilitäten können bei Kindern und Neonaten schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.
Darüber hinaus ist auch der ökonomische Aspekt nicht zu unterschätzen: Verlängerte Krankenhausaufenthalte belasten pädiatrische und neonatologische Stationen sowie Kliniken zusätzlich.
Um Risiken von Medikamenten-Inkompatibilitäten und Arzneimittelinkompatibilitäten bei Kindern vorzubeugen, möchten wir das Bewusstsein für mögliche unerwünschte Reaktionen schärfen, bevor sie auftreten.
Potenzielle Inkompatibilitäten zwischen Arzneimitteln können zu folgenden Komplikationen führen:
Abhängig von den jeweiligen Behandlungsprozessen und individuellen Risikofaktoren für potenzielle Inkompatibilitäten stehen verschiedene präventive Maßnahmen zur Verfügung.
Grundsätzlich sollten die folgenden Strategien berücksichtigt werden, um die Sicherheit im Umgang mit Arzneimittelinkompatibilitäten bei Kindern zu erhöhen – insbesondere im Rahmen der intravenösen Therapie.
1. Fahimi F, Sefidani Forough A, Taghikhani S, Saliminejad L. The rate of Physicochemical Incompatibilities, Administration Errors. Factors correlating with Nurses’ errors. Iran J Pharm Res 2015; 14(suppl); 87-93.
2. RCN Royal College of Nursing. Standards for Infusion Therapy. 2010.
3. Emami S, Hamishehkar H, Mahmoodpoor A, Mashayekhi S, Asgharian P. Errors of oral medication administration in a patient with enteral feeding tube. J Res Pharm Pract 2012; 1: 37-40.
4. Vijayakumar A, Sharon EV, Teena J, Nobil S, Nazeer I. A clinical study on drug-related problems associated with intravenous drug administration. J Basic Clin Pharm 2014; 5(2): 49-53.
5. Westbrook JI, Rob MI, Woods A, Parry D. Errors in the administration of intravenous medications in hospital and the role of correct procedures and nurse experience. BMJ Qual Saf 2011; 20(12): 1027-34.
6. Neininger MP, Buchholz P, Kiess W, SIekmeyer M, Bertsche A, Bertsche T. Incompatibilities on paediatric intensive care – pitfalls in durg information. Pharmazie 2018;73(10): 605-8.
7. Feinstein J, Dai D, Zhong W, Freedman J, Feudtner C. Potential drug-drug interactions in infant, child, and adolescent patients in children’s hospitals. Pediatrics 2015;135(1): e99-108.
8. Leal KD, Leopoldino RW, Martins RR, Veríssimo LM. Potential intravenous drug incompatibilities in a pediatric unit. Einstein (Sao Paulo) 2016;14(2):185-9.