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Luftembolie in der Neonatologie und Pädiatrie
Lesen Sie hier, wie medizinische Fachkräfte das Risiko einer Luftembolie bei neonatologischen oder pädiatrischen Patient*innen signifikant reduzieren können und warum dies essenziell ist.
Bereits 0,5 bis 1 ml Luft in der Pulmonalvene können einen Herzstillstand auslösen. 1
Luftembolien stellen bei Kindern ein erhebliches Risiko dar, dass Kinderärzt*innen und Pflegekräfte in Pädiatrie und Neonatologie immer im Blick haben sollten.
Luft- oder Gasembolien entstehen im Wesentlichen durch das Eindringen von Luftblasen in das Gefäßsystem. Dies kann zu einem Verschluss von Blutgefäßen und in der Folge zu systemischen Reaktionen führen.2, 3
Ursachen für Luftembolien
Verschiedene Faktoren können eine Luftembolie bei neonatologischen und pädiatrischen Patient*innen verursachen. Dazu zählen:
Die Menge der eindringenden Luft wird dabei unter anderem durch die Position der Patient*innen beeinflusst. In aufrechter Körperhaltung gilt: Je höher die Vene über dem Herzniveau liegt, desto höher das Risiko einer Luftembolie.3, 4, 5
Schwerkraftinfusionen in Kombination mit Infusionspumpen können beim Trockenlaufen der Schwerkraftinfusion zu Perlbildungseffekten führen (Flüssigkeit-Luft-Flüssigkeit etc.).6
Auch die unsachgemäße Handhabung von Druckinfusionen birgt ein erhebliches Risiko für das Auftreten von Luftembolien.7, 8
Bei Kindern – insbesondere bei Früh- und Neugeborenen – können bereits kleinste Luftmengen eine Luftembolie mit tödlichen Folgen auslösen.9
Besonders gefährdet sind pädiatrische und neonatologische Patient*innen mit einem persistierenden Foramen ovale (PFO) oder einem persistierenden Ductus arteriosus (DA).
Gelangen Luftblasen über das PFO oder den DA in den systemischen Kreislauf, besteht neben dem Risiko einer venösen Luftembolie auch die Gefahr einer systemischen (arteriellen) Luftembolie.10
Bereits geringe Luftmengen im Kreislauf können physiologische Veränderungen verursachen. Dazu zählen:10
In der pädiatrischen Neurochirurgie tritt eine venöse Luftembolie (VAE) häufiger auf, wenn sich der Kopf oberhalb des Herzniveaus befindet – etwa in sitzender Position.
Die Inzidenz solcher Fälle bei Kindern wurde mit bis zu 33 % angegeben.10, 11
Das Eindringen von Luft hängt vom Ausmaß des negativen Drucks ab, der zwischen der Eintrittsstelle und dem rechten Herzen entsteht.
Daher stellt die sitzende Position ein besonderes Risiko für das Auftreten einer Luftembolie dar.
Auch in anderen chirurgischen Lagerungen ist ein Lufteintritt möglich, sofern ein negativer Druckgradient entstehen kann.10
Neben neurochirurgischen Eingriffen wurden Luftembolien bei neonatologischen und pädiatrischen Patient*innen auch im Rahmen diagnostisch-radiologischer Verfahren wie Arthrographie, Arteriographie, zisternaler Luft-Myelographie und Pneumoenzephalographie beschrieben.10
„Von neun dokumentierten Fällen venöser Luftembolien bei Kindern während dieser […] Eingriffe verstarben sieben Patient*innen.“10
„Von neun berichteten Fällen von venöser Luftembolie bei Kindern während dieser […] Eingriffe starben sieben Patienten.“ 10
In der Pädiatrie ist die Vermeidung beziehungsweise schnelle Behandlung einer Luftembolie von entscheidender Bedeutung.
Um den Eintritt von Luft zu verhindern, bevor ein kritisches Luftvolumen zu schwerwiegenden physiologischen Störungen führt, ist eine engmaschige Überwachung unerlässlich.10
Es gibt einige Produkte und Empfehlungen, deren präventive und risikominimierende Wirkung sich bewährt hat:
So trägt es zur Risikoreduktion bei, wenn – wann immer möglich – sich die betroffene Vene unterhalb des Herzniveaus befindet. Für die Anlage zentralvenöser Katheter ist deshalb die Trendelenburg-Lagerung bzw. die Rückenlage zu bevorzugen.3, 4
Ein Luftabscheider in unmittelbarer Nähe des Patientenzugangs senkt das Risiko einer Luftembolie während der Infusion. Zwei hydrophobe PTFE-Membranen mit einer Porengröße von 0,2 µm verhindern den Eintritt von Luft – unabhängig von der Position des Inline-IV-Filters.12, 13
Um parallele Infusionen sicher durchzuführen, sollten Dreiwegehähne im Bypass des aufsteigenden Infusionsschlauchs verwendet werden.
Bei Schwerkraftinfusionen empfiehlt sich der Einsatz von Rückschlagventilen.
Nicht zuletzt tragen auch moderne Infusionssets mit integriertem Air-Stop-Mechanismus zur Vermeidung von Luftembolien bei.
1. Ho AMH. Is Emergency Thoractomy Always the Most Appropriate Immediate Intervention for Systematic Air Embolism After Lung Trauma? Chest. 1999;116(1):234-7.
2. McCarthy C, Behravesh S, Naidu S, Oklu R. Air Embolism: Practical Tips for Prevention and Treatment. Clin Med. 2016;5(11):93.
3. Cook LS. Infusion-related air embolism. J Infus Nurs 2013;36(1):26-36.
4. Gabriel J. Infusion therapy. Part two: Prevention and management of complications. Nurs Stand 2008;22(32):41-8.
5. Lee PT, Thompson F, Thimbleby H. Analysis of infusion pump error logs and their significance for health care. Br J Nurs 2012;21(8):12-20.
6. Obermayer A. Physikalisch-technische Grundlagen der Infusionstechnik – Teil 2. Medizintechnik 1994;114(5):185-190.
7. Zoremba N, Gruenewald C, Zoremba M, Rossaint R, Schaelte G. Air elimination capability in rapid infusion systems. Anaesthesia 2011;66(11):1031-4.
8. Suwanpratheep A, Siriussawakul A. Inadvertent venous air embolism from pressure infuser bag confirmed by transesophangeal echocardiography. J Anesthe Clinic Res 2011;2(10).
9. Levy I, Mosseri R, Garty B. Peripheral intravenous infusion – another cause of air embolism, Acta Paediatr. 1996 Mar;85(3):385–6.
10. Porter SS, Boyd RC, Albin MS. Venous air embolism in a child undergoing posterior fossa craniotomy: a case report. Can Anaesth Soc J. 1984 Jan;31(1):86-90.
11. Sriganesh K, Mittal M, Jadhav T. Venous Air Embolism. Journal of Neurosurgical Anesthesiology 2016 Jan;28(1):85-6.
12. Phillips LD, Gorski LA. Infusion equipment – filters. In: Phillips LD, Gorski LA. Manual of I.V. therapeutics – evidence-based practice of infusion therapy. Philadelphia: Davis Company. 2014;265-268
13. Hadaway L. Infusion therapy equipment – Infusion filter. In: Alexander M. Infusion Nurses Society.Infusion nursing - an evidence-based approach. Philadelphia, Pa. [u.a.]: Saunders Elsevier. 2010;403-407